Der beste Saal im Ehrenhof wird zweckentfremdet. Er wäre ideal für die Sammlung Kemp geeignet.

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Voll klimatisiert ist die Halle 1 im Kunstpalast, nicht für Kunstwerke, sondern für Kataloge, Geschenkartikel und Mäntel. Die Garderobe im zweiten Untergeschoss bleibt meistens unbenutzt. (Fotos (2): Bernd Schaller)

Voll klimatisiert ist die Halle 1 im Kunstpalast, nicht für Kunstwerke, sondern für Kataloge, Geschenkartikel und Mäntel. Die Garderobe im zweiten Untergeschoss bleibt meistens unbenutzt. (Fotos (2): Bernd Schaller)

Voll klimatisiert ist die Halle 1 im Kunstpalast, nicht für Kunstwerke, sondern für Kataloge, Geschenkartikel und Mäntel. Die Garderobe im zweiten Untergeschoss bleibt meistens unbenutzt. (Fotos (2): Bernd Schaller)

Düsseldorf. Der Wettlauf der Städte um Sammlungen aus dem Rheinland ist in vollem Gang. Düsseldorf droht, den Kürzeren zu ziehen. Nach Mönchengladbach meldet auch Köln großzügige Spenden von Gaby und Wilhelm Schürmann.

Und nicht nur Wiesbaden, sondern neuerdings auch Duisburg möchte lieber heute als morgen die Sammlung Willi Kemp entführen, die für ihre Werke der Moderne berühmt ist. Eine große Gefahr. Dennoch könnte Düsseldorf mit einer Zwischenlösung punkten.

Hinter den Kulissen wird der Vorschlag diskutiert, die Sammlung Kemp in den Kunstpalast zu bringen, den Neubau also. Raum gibt es genug. Der Komplex besitzt vier Ausstellungsräume, es werden aber nur noch drei genutzt.

Die Halle1 im Erdgeschoss ist bis auf zwei kleine Nebenzimmer zweckentfremdet. Sie dient der Infrastruktur, als Kasse, Garderobe, Stuhllager, Leselounge und Shop, der sich mit Büchern und kommerziellen Geschenk-Artikeln ausbreitet. Rund 20 Prozent der Ausstellungsfläche dienen nicht der Kunst.

Kein Kunstgänger verirrt sich zu den Kleiderständern im Keller

Zum Schildbürgerstreich im Kunstpalast gehört Folgendes: Die für den Verkauf von Eintrittskarten vorgesehene Kasse im Foyer ist unbesetzt, sie taugt nur noch als Theke zum Abstellen von Gläsern bei Previews. Auch die Garderobe im zweiten Untergeschoss wird höchstens von Konzert-Besuchern im Robert-Schumann-Saal gebraucht.

Der Kunstpalast von 1902 wurde 2000 abgerissen und 2001 auf kleinerer Grundfläche neben Eon neu eröffnet. Der Sammlungstrakt auf der gegenüberliegenden Seite ist alt. Einen Rundgang gibt es nicht.

Tagsüber verirrt sich kein Kunstgänger zu den akkurat zum Viereck gefügten Kleiderhaken im Kellergeschoss. Lauter ungenutzter, leider auch unbrauchbarer Raum also, den seinerzeit der Architekt Oswald Matthias Ungers unter dem damaligen Kulturdezernenten Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff geschaffen hat.

Für das museum kunst palast, den Gesamtkomplex also aus altem Museum und neuem Palast, heißt dies jedoch: Der einst prächtigste, vollklimatisierte Ausstellungsraum wird missbraucht.

Er hat eine Ausstattung für millionenschwere Bilder wie die Sammlung Willi Kemp. Gunnar Heydenreich, bis vor kurzem stellvertretender Leiter des Restaurierungs-Zentrums, meint: "Der Raum ist optimal. Drüben im Museum haben wir nicht diese klimatischen Bedingungen für die eigene Kunst, die wir hier für die Mäntel haben."

"Das wäre eine Idee, die man verfolgen sollte", sagt Helmut Ricke, pensionierter Sammlungsleiter. Er fügt hinzu: "Im Gegensatz zu früher gibt es gar kein Geld mehr, um vier Säle zu bespielen." Das heißt, der Kunstpalast könnte auch aus finanziellen Gründen Teile des Museums aufnehmen.

Mitarbeiter vom Ehrenhof, die nicht genannt werden wollen, erklären: "Es wäre ein Jammer, wenn uns die Sammlung Willi Kemp verloren ginge. Er verlangt ja nicht viel, er will seine Werke doch nur im Wechsel zeigen. Die Sammlung gehört nach Düsseldorf."

Das museum kunst palast braucht eine Perspektive

Carl Grouwet, Geschäftsführer der Stiftung museum kunst palast, hofft auf den Erweiterungsbau: "Oberbürgermeister Dirk Elbers und Kulturdezernent Hans-Georg Lohe müssen konkret sagen, dass sie die Erweiterung des Museums vorantreiben wollen. Wir brauchen eine klare Perspektive für die nächsten zehn bis 15 Jahre. Der Masterplan muss endlich her. Es gibt keinerlei Widerstand aus dem Kuratorium."

Das Museum habe eine Bedarfsanalyse gemacht, die Firma Green eine Machbarkeitsstudie entwickelt. Dann kam die Finanzkrise. Grouwet: "Seitdem geschieht nichts."

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