Sender erhöht die Tarife – viele Kneipiers müssen bis zu 70 Prozent mehr bezahlen.

„Depri-Stimmung“ herrschte beim Public Viewing im Henkel-Saal am 18. Mai, als Fortuna in Hannover aus der ersten Liga abstieg.  Archiv
„Depri-Stimmung“ herrschte beim Public Viewing im Henkel-Saal am 18. Mai, als Fortuna in Hannover aus der ersten Liga abstieg. Archiv

„Depri-Stimmung“ herrschte beim Public Viewing im Henkel-Saal am 18. Mai, als Fortuna in Hannover aus der ersten Liga abstieg. Archiv

Michaelis

„Depri-Stimmung“ herrschte beim Public Viewing im Henkel-Saal am 18. Mai, als Fortuna in Hannover aus der ersten Liga abstieg. Archiv

Düsseldorf. Ronald Reif, Wirt der Fußballkneipe Zum Dröje in Unterbilk, ist stocksauer. Erst das Rauchverbot, jetzt das: Der Bezahlsender Sky hat eine neue Preisstruktur für Sportsbars entwickelt. Die Folge: Für die meisten Wirte in Düsseldorf wird das Abonnement erheblich teurer. Für Reif mehr als doppelt so teuer. „Anfang des Jahres habe ich meinen Vertrag verlängert.

Da musste ich schon 60 Prozent mehr zahlen“, sagt er. „Und jetzt kriege ich den Bescheid, dass sie zum 1. September noch einmal die Tarife anpassen.“ Für den Wirt der beliebten Eckkneipe bedeutet das: Statt wie zuvor 186 Euro, zahlt er jetzt 376 Euro plus Steuer. „Das sind fast 200 Euro mehr im Monat, die ich aufbringen muss“, sagt Reif.

Sky sagt: Bezahlstruktur soll transparenter sein

Sky begründet die Tariferhöhung mit seiner geänderten Bezahlstruktur. Sprecherin Britta Krämer betont, dass das Preissystem lediglich „weiterentwickelt“ worden sei. Nicht für jeden Wirt bedeute das eine Erhöhung. Statt bisher den Tarif von der Quadratmeterzahl der Kneipe abhängig zu machen, spielen nach dem neuen System drei regionale Faktoren eine Rolle: die Größe der Stadt, die Bevölkerungsdichte und ob es einen Bundesligaverein in der Stadt gibt.

Düsseldorf wird somit eine der teuersten Sky-Städte. Durch die neue Preisstruktur müssen Wirte in ländlichen Gebieten jetzt teilweise dagegen weniger bezahlen, als bisher, betont die Sprecherin.

Dirk Stege, Inhaber des Caf Mutt’s in Pempelfort, hat sich bei Sky beschwert und eine Aufstellung der neuen Preisstruktur gefordert. „Ich wollte wissen, wie die Verdopplung meines Tarifes unter den neuen Kriterien zustandekommt“, sagt er. Sky verweigerte ihm diese Aufstellung. „Einfach nur dreist“, findet er.

Auf der Homepage des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) gibt es einen Sky-Tarif-Rechner, mit dem Wirte ausrechnen können, ob es sich noch für sie lohnt, den Bezahlsender zu beziehen.

www.dehoga-nrw.de/lohnt-sich-sky

Mit den teurer gewordenen Rechten für die Live-Übertragung habe die neue Preisstruktur aber nichts zu tun, so Krämer. Sky muss in dieser Saison doppelt so viel für die Live-Rechte ausgeben wie bisher – nämlich 1,9 Milliarden Euro.

Detlev Barth, Wirt im Goldenen Fass in Flingern, hat bereits auf die Tariferhöhung reagiert, indem er die Bierpreise um 10 Cent angehoben hat. Für Dröje-Wirt Reif ist das keine Option: „Die Getränkepreise in Unterbilk sind schon hoch genug.“ Bei Top-Spielen Eintritt zu verlangen, komme auch nicht in Frage. „Das müssen wir irgendwie anders auffangen“, sagt er.

Der Kneipeninhaber macht nach eigenen Angaben 70 Prozent des Umsatzes durch Fußballübertragungen. Er fühlt sich vom Alleinanbieter Sky abhängig. Das Abonnement zu kündigen, kommt weder für Reif noch für Barth in Frage. „Ich muss mit der Tariferhöhung leben“, sagt Reif. „Sie ist jetzt nicht existenzbedrohend, aber ich muss ja jederzeit damit rechnen, dass die Preise wieder erhöht werden.“ Auch Barth und Steege bleiben Sky-Kunden. Was bleibt ihnen auch anderes übrig?

Für Dehoga-Nordrhein-Geschäftsführer Rainer Spenke nutzt das Unternehmen ganz klar seine Monopolstellung am Markt aus. „Wir haben schon mehrfach versucht mit Sky einen Vertrag auszuhandeln, so wie es uns mit der Gema bereits gelungen ist, bisher vergeblich“, sagt Spenke.

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