Nur wer sich bewegt, schafft die Rückkehr in die Gesellschaft, glaubt man bei der Diakonie. Mit Sport und ohne Senitmentalität.

wza_1500x1017_502568.jpeg
Sozialamtsleiter Roland Buschhausen (M.) hat am Montag das Fußballturnier in Niederkassel angepfiffen.

Sozialamtsleiter Roland Buschhausen (M.) hat am Montag das Fußballturnier in Niederkassel angepfiffen.

Stefan Arend

Sozialamtsleiter Roland Buschhausen (M.) hat am Montag das Fußballturnier in Niederkassel angepfiffen.

Düsseldorf. Auf den ersten Blick ist das Fußballturnier am Montag in Niederkassel keine große Sache. Zwölf Mannschaften kicken hier vor wenigen Zuschauern. Und trotzdem steckt hinter dem Match mehr als nur ein sommerliches Freizeitvergnügen, denn nahezu alle Teilnehmer sind Obdachlose. In Diakonie-Einrichtungen trainieren sie das Leben.

Zum zweiten Mal findet die "Nordwestdeutsche Fußballmeisterschaft der Wohnungslosenhilfe" in Düsseldorf statt. Eingeführt hat sie vor 39Jahren ein Pfarrer aus Niedersachsen, weil er der Meinung war, Sport könne schwierigen Menschen bei der Integration helfen.

Sport soll helfen, dem Tag wieder eine Struktur zu geben

Fußball spielen, Bilder malen, Fotos schießen - für Randgruppen gibt es viele Aktivitäten. Ernst genommen werden sie jedoch meist nur von Fachleuten, für viele andere sind es nichts weiter als therapeutische Eintagsfliegen.

Dirk Redemann leitet das Friedrich-Naumann-Haus der Diakonie in Niederkassel. Dort lernen 18- bis 35-jährige Männer Selbstständigkeit und Tagesstruktur. Redemann hält viel von Sport. Deswegen hat er sich vor drei Jahren darum bemüht, Mitglied im SC West zu werden. Seither trainieren seine Jungs dort zwei Mal wöchentlich. "Sie sollen lernen, Dinge selbst zu machen", sagt Redemann.

Es sei "doch toll zu beobachten, dass Männer, die nicht mal ein Ei kochen können, ohne dass die Küche explodiert, sich für Kunst oder Sport engagieren." Redemann weiter: "Unsere Jungs sollen sich wieder mit der Gesellschaft verzahnen und im Sportverein vielleicht sogar neue Bekannte treffen."

Zumindest die anderen Hausbewohner hat Steffen Gröger beim Kicken besser kennengelernt. Der heute 33-Jährige hat ein Jahr lang auf der Straße gelebt. "Ich bin total abgestürzt, habe alles verloren." Im Friedrich-Naumann-Haus erholt er sich langsam, wird zu Beginn seines eineinhalbjährigen Aufenthalts dort in der Putzgruppe eingeteilt und avanciert später zum Hausmeister. Jeder im Haus muss bestimmte Dienste tun. "Das hört sich sehr technisch an", sagt Redemann, "ist aber wichtig." Man wolle die "Moralnummer rausnehmen", die Menschen dazu bringen, sich nicht in den Problemen zu verlieren, sondern sich zu bewegen.

Gröger hat sich bewegt. Er arbeitet heute als feste Kraft in der Verwaltung der Aidshilfe. Nur mit dem Fußball hat es nicht geklappt. "Ich habe in unserem Monatsblatt einen kleine Annonce veröffentlicht. Aber leider hat sich niemand gemeldet."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer