Eltern eines 14-jährigen Unfallopfers hatten die Rheinbahn verklagt.

Gericht
Youssef R. erlag noch an der Unfallstelle am Rather Broich seinen schweren Verletzungen.

Youssef R. erlag noch an der Unfallstelle am Rather Broich seinen schweren Verletzungen.

Stefan Arend

Youssef R. erlag noch an der Unfallstelle am Rather Broich seinen schweren Verletzungen.

Düsseldorf. Manchmal kann die Rechtsprechung sehr hart sein. Insgesamt 10 000 Euro wollten die Eltern von Youssef R. einklagen, der vor knapp vier Jahren bei einem Straßenbahn-Unfall ums Leben kam. Doch die Aussicht auf ein Schmerzensgeld ist sehr gering. Grund: Der 14-Jährige war sofort tot. „Für den Tod gibt es kein Schmerzensgeld“, erklärte die Zivilrichterin und folgte damit der Argumentation der Rheinbahn.

Am 28. Oktober 2008 hatte der Junge gegen 7.30 Uhr morgens am Rather Broich noch die Linie 719 erreichen wollen. Dabei bemerkte der Schüler offenbar die Bahn der Linie 712 nicht, die stadteinwärts unterwegs war. „Ich habe den laufenden Jungen nicht gesehen“, erklärte die 50-jährige Rheinbahn-Fahrerin unter Tränen.

Die Haltestelle sei voller Leute gewesen: „Dass Gefahren auf mich zukommen könnten, habe ich aber nicht gesehen.“ Zunächst verlangsamte die 50-Jährige ganz normal die Geschwindigkeit, als sie sich der Haltestelle näherte: „Dann hörte ich den Aufprall.“ Die Frau machte eine Notbremsung, stieg aus und sag den toten Jungen. Noch heute leidet sie unter den Folgen des Unfalls.

Ein Anrecht auf Schmerzensgeld, wie von den Eltern gefordert, gibt es in dem Fall nicht. „Das gibt es nur für erlittenen Schmerz“, machte die Richterin deutlich. Die Ansprüche würden dann auf die Eltern als Erben übergehen, selbst wenn Youssef den Unfall nur kurz überlebt hätte. Da er aber sofort tot war, hat die Familie kaum eine Chance, das Geld zu bekommen. Für den seelischen Schmerz, den Eltern durch den Tod ihres Kindes erleiden, sieht das Gesetz kein Schmerzensgeld vor. Eine endgültige Entscheidung fiel am Mittwoch noch nicht. Die Zivilkammer will das Urteil am 14. September bekanntgeben.

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