Zum Jet geht’s mit der Limousine: 6000 Fluggäste nutzen jährlich die individuelle Betreuung am Flughafen.

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Düsseldorf. Urlaub von Anfang an. Den Werbespruch gibt’s zwar schon, aber wer hat ihn wirklich verdient? Klaus Novotny hätte allen Grund, bei diesem Thema die Hand zu heben, aber vermutlich ist er dafür einfach zu zurückhaltend. „Danke für die große Höflichkeit“, schrieb ihm Peter Ustinov ins Gästebuch.

Der 47-Jährige Novotny ist seit 1990 im Vip-Service des Flughafens beschäftigt, seit 2002 ist er dessen Chef. Mittlerweile arbeitet er mit acht Kolleginnen und Kollegen in einem eigenständigen Terminal – denn das ist die Vip-Lounge gleich neben dem Flugsteig A. Ein Angebot, mit dem der Flughafen ins Schwarze trifft: Mehr als 6000 Gäste wurden im abgelaufenen Jahr betreut.

„Bleib sauber mein Junge, auch wenn die Zeiten härter werden.“

Götz George im Gästebuch der Vip-Lounge

Urlaub von Anfang an kostet neben dem Ticket ein paar große Scheine extra (siehe Kasten) und geht so: Das Reisebüro oder man selbst bucht den Service der Vip-Lounge. Wer den Wagen am Flughafen stehen lassen will, fährt 60 Minuten vor Startzeit mit dem Auto vor (ohne Gepäck reichen 45 Minuten) und kann gleich an der Vip-Lounge parken. Über einen roten Teppich geht es in ein geräumiges Foyer. Hell und freundlich ist’s dort, Pflanzen stehen neben einer locker aufgestellten Sitzgruppe. Kaffee, Kaltgetränke sowie ein paar Plätzchen oder etwas Salziges sind in Griffweite.

Während sich im Terminal die Schlangen vor den Schaltern lichten, kommen nun eigens Beamte von Zoll und Bundespolizei für den Passagier der Vip-Klasse zur Sicherheitskontrolle. Alles läuft ab wie üblich: Jacke in die Wanne, Tasche aufs Band etc. Dann geht es in die eigene Lounge. Vier Räume stehen den Gästen zur Verfügung: drei für sechs Personen, eine für 16 sowie das so genannte Gate 99 für 35 Personen. Dort feierte die italienische Nationalmannschaft nach dem WM-Sieg 2006 ihren Titel.

„Die Lounges haben Wohnzimmeratmosphäre“, sagt Novotny. Pflanzen, Sessel, Flachbildschirme, Internetterminals, Spielzeug für die Kinder, kleine Snacks und Getränke – alles da. Im Hintergrund erledigen die Flughafen-Mitarbeiter parallel die Formalitäten mit den Airlines oder suchen, wie jüngst beim Schneechaos, nach Ersatzflügen.

Drei Langversionen des 7er-BMW und ein Van stehen bereit, um die Fluggäste vor oder nach dem Boarding der übrigen Fluggäste zur Maschine zu bringen. „Das kann sich jeder aussuchen“, sagt Novotny.

Der altgediente Flughafen-Mitarbeiter ist sehr zufrieden mit dem, was er seinen Kunden bieten kann. „Ich durfte mich hier verwirklichen.“ Als er vor 20 Jahren im Vip-Service anfing, gab’s im alten Flugsteig B einen Raum, der bei Bedarf für wirklich wichtige Personen – nichts anderes bedeutet „very important persons“ – genutzt wurde. Vip bedeutet heutzutage jedoch zahlungswillig, und das sind viele: die Familie aus Holland, die gerade mit ihren beiden Kindern vorfährt und schon Stammgast ist, Vermögende aller Art, Politiker, Wirtschaftsbosse, Promis.

2003 zog die Vip-Lounge an ihren heutigen Standort, damals zählte Novotny 1200 Gäste. „Seitdem gab es jährlich deutliche Zuwächse.“ 2009 wurde die Lounge deutlich erweitert, Abordnungen von mehreren großen Flughäfen waren bereits da, um vom Düsseldorfer Modell zu lernen.

Mit den Stars erlebt das Novotny-Team teils schöne Geschichten. „Je bekannter, desto pflegeleichter“, bilanziert der Lounge-Chef. So bemühten sich gleich drei seiner Kolleginnen um das Wohlergehen George Clooneys, der seinerseits so nett war, sich von dem Trio im Auto zum Jet begleiten zu lassen. Der zuweilen etwas chaotische Nick Nolte hielt die Truppe über mehrere Stunden auf Trab und Dallas-Legende Larry Hagman verteilte breit grinsend 10 000-Dollar-Scheine – selbstgedruckte Blüten mit seinem Konterfei und dem Aufdruck „Don’t Worry, Be Happy, Feel Good“.

Derlei bleibt in bester Erinnerung und Novotny erzählt mit leisem Stolz davon. Er mag seinen Beruf und Verlockungen wie der, für Lionel Ritchie zu arbeiten, widersteht er ohne Wehmut. Der Sänger war begeistert, als er seinen Flug nach München verpasst hatte und Novotny ihn im Charterjet von Bayer Leverkusen unterbrachte. Ritchie sang an Bord für die Fußballer und fragte Novotny ganz offen: „Super, Sie sollten für mich arbeiten. . .“

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