Stadtwerke und Werkstätten profitieren vom Schnee, Polizisten und Markthändler zittern. Eine Frost-Bilanz.

Düsseldorf. Es ist und bleibt klirrend kalt, und das ist je nach Perspektive Fluch oder Segen: Einige Geschäfte sind auf das Wintergeschäft angewiesen, andere fluchen über die Jahreszeit. Die WZ hat mit Gewinnern und Verlierern gesprochen.

Wer Mützen, Öfen und Eiskratzer verkauft, darf jubeln

"Das Wetter ist ideal für uns", sagt Peter Siedenstein von der Autowerkstatt ATU. "Die Autofahrer kaufen Eiskratzer, Gummipflege, Türschlossenteiser - oder wollen nach Rutschpartien die Sommerreifen loswerden."

Der Erdgasverbrauch bei den Stadtwerken schnellt in die Höhe. Momentan, bei durchschnittlich zwei Grad minus, verbrauchen die Düsseldorfer etwa 38 Millionen Kilowattstunden pro Tag. An einem "normalen" Wintertag mit fünf Grad Durchschnittstemperatur sind es etwa 26,8 Millionen. Wem die Heizung nicht reicht, der steigt auf Elektro-Öfen um. "Der Verkauf ist seit dem Kälteeinbruch um etwa 40 Prozent gestiegen", berichtet Carsten Pauluhn, Geschäftsleiter vom Gerresheimer Bauhaus.

Einen Ansturm erleben auch die Anbieter von Schlitten. Petra Mamerow, die einen Spielwarenladen in Benrath betreibt, bilanzierte gestern: "Wir sind ausverkauft." Manche Anbieter wie Karstadt am Wehrhahn haben immerhin noch ein paar Modelle übrig. Andere wie Real am Bilker Bahnhof hoffen auf neue Lieferungen vor dem Wochenende. Denn da wird es vermutlich wieder schneien.

Auch Mützen, Winterjacken, Handschuhe, Stiefel und Schals gehen deshalb weg wie warme Semmeln. "Die Kunden decken sich mit Winterartikeln ein - und ziehen sie oft direkt an", sagt Lothar Mildebrath, Geschäftsführer Kaufhof an der Kö. Bei falscher Kleidung führt der Weg sonst zur Apotheke. "Bei uns ist es voll: Es ist Grippewetter", sagt Tina Müller-Behrendt vom der Schadow-Apotheke. Besonders gerne wird Medizin gekauft, die das Immunsystem auf pflanzlicher Basis stärkt.

Auch die Suppenküche Dauser auf dem Carlsplatz freut sich über gute Umsätze: "Unsere Stammkunden kommen nach wie vor. Die Leute freuen sich ja gerade jetzt über eine heiße Suppe", erklärt Mitarbeiterin Charlotte Söntjens.

Wer draußen fliegt und arbeitet, hat es bei der Kälte schwer

Doch herrscht nicht überall auf dem Marktplatz gute Laune: "Es ist weniger los, wenn es so eisig ist", sagt Angelika Schidan, die hauptsächlich Obst verkauft. "Vor allem die älteren Leute trauen sich bei Glätte kaum auf die Straße." Sollte es in der kommenden Woche noch kälter werden, überlegt sie, ihren Stand zu schließen. Denn neben den Menschen frieren auch die empfindlichen Südfrüchte. Obst und Gemüse müssen sogar jetzt schon mit Heizstrahlern warm gehalten werden.

So gut freilich hat es Düsseldorfs Wildnis nicht. Vor allem für Zugereiste wie Halsbandsittiche ist die Kälte ein Problem. "Ihnen frieren zum Teil Zehen ab", sagt Biologe Norbert Richarz vom Gartenamt. Wer nun auf einen mücken- und wespenfreien Sommer hofft, wird enttäuscht. "Die Wespenköniginnen verkriechen sich, Mücken überwintern im Wasser", sagt Richarz. "Damit die absterben, müsste es wochenlang unter minus zehn Grad kalt sein."

Verkriechen würde sich wohl auch so mancher Polizist gern. Denn ohne Mütze kann eine Nachtschicht in der Altstadt ganz schön lang werden. Zwar könnten die Beamten dicke Fellmützen beantragen. "Die sind aber für die Altstadt ungeeignet, weil man wenig sieht und hört", sagt Harald Walter von der Gewerkschaft der Polizei. Er kämpfe in Düsseldorf seit dem Sommer um Wollmützen für Polizisten, die sich nun kalte Winternächte um die Ohren schlagen. "Bisher ohne Erfolg."

Keinen Effekt hat die Kälte übrigens bei Sauna-Betreibern. "Es ist egal, ob draußen null oder minus fünf Grad sind", so Ralf Merzig von der Bädergesellschaft.

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