Beim Zwischenruf Poetry Slam im Zakk dolmetscht Franziska Becker (17) Songtexte in Gebärdensprache.

Franziska Becker benutzt die Gebärdensprache nicht nur zum kommunizieren, sondern verarbeitet die Sprache in ihrer Kunst und übersetzt damit Musik.
Franziska Becker benutzt die Gebärdensprache nicht nur zum kommunizieren, sondern verarbeitet die Sprache in ihrer Kunst und übersetzt damit Musik.

Franziska Becker benutzt die Gebärdensprache nicht nur zum kommunizieren, sondern verarbeitet die Sprache in ihrer Kunst und übersetzt damit Musik.

Sergej Lepke

Franziska Becker benutzt die Gebärdensprache nicht nur zum kommunizieren, sondern verarbeitet die Sprache in ihrer Kunst und übersetzt damit Musik.

Düsseldorf. Am Anfang taten ihr die Hände oft weh. So sehr, dass sie häufig mit Kühlpacks an den Händen geschlafen hat. „Ich habe damals so intensiv die Gebärdensprache geübt. Meine Hände waren an diese neuen Bewegungen gar nicht gewöhnt“, erzählt Franziska Becker. Doch das Üben hat sich gelohnt. Heute, knapp ein Jahr später, beherrscht die 17-Jährige die Gebärdensprache.

Sie nutzt sie jedoch nicht nur zum Kommunizieren, sondern verarbeitet die Sprache in ihrer Kunst und übersetzt damit Musik. Das, obwohl sie selbst nicht gehörlos ist. Beim Zwischenruf Poetry-Slam im Düsseldorfer Kulturzentrum Zakk ist sie nicht das erste Mal. Beim letzten Slam stand sie schon auf der Bühne und die Veranstalter haben sie erneut eingeladen. Slammer arbeiten eigentlich mit gesprochenen Worten. Der Zwischenruf-Slam holt junge Menschen ans Mikrofon. Sie tragen Geschichten vor über Sehnsüchte, Liebe und das Reisen. Auch das Publikum ist jung und zahlreich.

Es ist so voll, dass Franziska Becker nur noch am Rand der Bühne einen Platz findet. Zwischen den Slammern kommt sie dann nach vorne. Selbstbewusst begrüßt sie das Publikum, noch spricht sie durch das Mikrofon und begleitet das Gesprochene mit Gebärdensprache. Dann kommt das Mikrofon weg. Anders als die Slammer nutzt sie es nicht.

Die Musik startet. „Das Leichteste der Welt“ heißt der Song von Silbermond, den Franziska Becker aufführt. Zum Lied übersetzt sie den Songtext in Gebärdensprache. „Ich übersetze in der Regel Silbermond, weil ich Silbermond liebe“. Beim Wort Welt nimmt sie zwei Finger und zeichnet einen Kreis in die Luft. „Bei vielen Wörtern versteht man schnell das System dahinter“, erklärt sie. Manche Wörter könne man jedoch nicht so einfach erkennen. Sie übersetzt in Deutsch, denn auch Gebärdensprachen unterscheiden sich. „Ich übersetze Wort für Wort.“ Würde sie die dazugehörende Grammatik anwenden, könne der Zuschauer die einzelne Gebärde nicht dem gehörten Wort zuordnen. Wenn sie also den Kreis mit den zwei Fingern zieht, singt Silbermond zeitgleich das Wort Welt. Doch wie übersetzt man Rhythmus und Musik in Gebärdensprache? „Wenn ein Wort langgezogen gesungen wird, dann zeige ich das, indem ich den Takt und den Ton deutlich mache.“

Dann wippt sie mit ihren Händen im Rhythmus. Auf der Bühne im Zakk bewegt sie außerdem den ganzen Körper zum Lied und spricht lautlos den Text nach. Sicher nicht das typischste Hobby für eine 17-jährige, die in eineinhalb Jahren ihr Abitur machen wird. Franziska Becker selbst kannte vor mehr als einem Jahr keine gehörlosen Menschen, aber eine Freundin machte sie auf eine Künstlerin auf Facebook aufmerksam, die Lieder übersetzt. „Ich fand das total cool, diese neue Sprache, die ganz anders ist als die Gesprochene.“

„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Menschen sehr darüber freuen.“
Franziska Becker

Ihren nächsten Auftritt hat Franziska Becker am 20. Januar um 19 Uhr beim Poetry Slam in Dino’s Café im Park, Zum Stadion 93, Freizeitpark Langfort, Langenfeld. Eintritt 2 Euro. Reservierungen per E-Mail: Info@dinoscafe.de oder persönlich im Café.

Sie fing an die Lieder auswendig zu lernen. Inzwischen übersetzt sie selbst und tritt immer wieder auf. Durch ihre Kunst ist sie mit gehörlosen Menschen in Kontakt gekommen. Von ihnen bekomme sie gutes Feedback, wenn sie, als Hörende, die Sprache freiwillig lernt. „Auch meine hörenden Freunde finden das interessant und viele haben auch angefangen, die Sprache zu lernen.“ „Ich möchte zeigen, was man mit dieser Sprache alles ausdrücken kann“, erklärt Franziska Becker. „So kann man auf die Gehörlosen zugehen, das bringt beiden Seiten viel.“ Jedem empfehlen würde sie, sich auf Gebärdensprache mit eigenem Namen vorstellen zu können. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Menschen darüber sehr freuen.“ Franziska Becker selbst sieht ihre Kunst nicht nur als Kunst. „Interesse, Integration von gehörlosen Menschen. Das hat viele positive Aspekte.“

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