Pater Wolfgang von den Dominikanern in der Altstadt im Gespräch über die Himmelswesen.

Interview
Pater Wolfgang Sieffert

Pater Wolfgang Sieffert

„In Engeln steckt etwas zutiefst Menschliches. Zum Beispiel die Dimension, dass ich verletzlich bin und Schutz brauche. Engel kommen vom Himmel auf die Erde und sind ein Bindeglied. Sie sind weder an Materie, noch an Zeit gebunden.“

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Pater Wolfgang Sieffert

Filigrane Glasengel und pralle Putten, Engel auf Spieluhren, Tassen, Karten, Kerzenhaltern, Decken oder an Fenstern, Engel aus Glas, Stein oder Metall – die Himmelsboten sind allgegenwärtig, besonders in der Weihnachtszeit und sehr beliebt. Man begegnet ihnen überall – auch wenn man nicht an sie glaubt. Doch die himmlischen Gefährten nehmen auch einen jahrtausendalten Platz in der Geschichte der Religionen ein. Nicht nur Christen, Juden und Muslime kennen Engel. Schon in Vorzeiten glaubten Menschen an überirdische Wesen, die ihre Geschicke leiteten. Was sind Engel und woher kommen sie? Pater Wolfgang aus dem Dominikaner-Konvent in der Altstadt ist Gefängnisseelsorger und hat die Armenküche in der Altstadt gegründet. Er kann eine Menge über Engel erzählen.

Pater Wolfgang, was sind Engel?

Pater Wolfgang: Da bin ich ganz der Theologe! Engel kommen in allen Religionen vor und auch in der Bibel sind sie sehr relevant. Es gibt nur ein unscharfes, kein so ganz eindeutiges Bild von ihnen. Mal sind es Boten Gottes, mal ist Gott selbst gemeint. Ein Wesen nicht Mensch, nicht Gott, es sind Geistwesen, die aber auch wie körperliche Wesen erscheinen können. Die Kunst prägt die Bilder in unseren Köpfen: Junge Männer oder Frauen mit goldenem Haar und Flügeln, so stellen sich viele Menschen Engel vor.

Woher kommen Engel und wo leben sie?

Pater Wolfgang: Sie kommen vom Himmel auf die Erde und sind ein Bindeglied. Sie sind weder an Materie noch an Zeit gebunden. Auch wenn ein Mensch für einen anderen ein Engel wird, beginnt auf Erden der Himmel.

Sind Engel wichtig?

Pater Wolfgang: Für mich persönlich nicht. Aber sie verweisen auf Gott. In meiner Vorstellung sind sie einfach Boten Gottes. Für manchen ist es leichter zu sagen, da kommt ein Engel statt Gott.

Gibt es Schutzengel?

Pater Wolfgang: Das ist eine typische Vorstellung im Glauben vieler Menschen. Die Vorstellung eines Schutzengels entspringt der Sehnsucht, behütet zu sein. Das tut dem Herzen gut. Und entspricht dem, was Gott in der Bibel zusagt: Ich bin für euch da. Eine Umfrage sagte mal, dass mehr Menschen an Engel als an Gott glauben. Diese Umfrage ist eine Herausforderung für mich und treibt mich an, noch genauer hinzugucken. Was haben wir als Theologen falsch gemacht, dass Gottesvorstellungen zu wenig Herz und Gefühl ansprechen und zu einseitig den Kopf? Gott ist nicht der allmächtig herrschende Patriarch, als der er in manchen Sprachmonstern angesprochen wird, das ist theologischer Irrsinn! Jeder Mensch ist für Gott wichtig und im Engel bekommt dieser Gedanke Gestalt. Gott liebt zärtlich und dezent, zwingt nicht und ist nicht übergriffig. Auch Menschen können füreinander Engel sein, die sich gegenseitig beschützen.

Steckt in Engeln etwas Menschliches?

Pater Wolfgang: Ja. In Engeln steckt etwas zutiefst Menschliches. Zum Beispiel die Dimension, dass ich verletzlich bin und Schutz brauche.

Gibt es eine Hierarchie? Welche haben einen Namen?

Pater Wolfgang: In der Bibel gibt es himmlische Heerscharen, aber keine Hierarchie. Die Erzengel sind herausgehoben, aber von oben und unten ist nicht die Rede. Nur die drei Erzengel Michael als Kämpfer für das Gute, Raphael als der gute Begleiter und der Bote Gabriel haben einen Namen.

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