Heute sind wir alle Fortunen. Als langjähriger Fan freilich wundert man sich schon ein bisschen über die Hysterie in der ganzen Stadt. Wie erstaunlich der Rummel ist, zeigt ein kleiner Rückblick. Als Fortuna in den 70er-Jahren richtig gut war, hat es (fast) niemanden in Düsseldorf interessiert.

Wenn heute die Kameraden Schwertfeger, Costa und Kastrati gegen die Zweitvertretung (!) von Werder Bremen auflaufen, ist die Hütte seit Tagen ausverkauft. Als 1975 Zewe, Geye, Herzog die Bayern Maier, Beckenbauer, Müller in einem sensationellen Spiel 6:5 schlugen, waren nur 32.000 im Rheinstadion. Beim sagenhaften 7:1 über Bayern 1978 verloren sich dort lachhafte 26.000 Zuschauer. Und, jetzt kommt’s: Beim Europapokal-Halbfinale (!) 1979 gegen Banik Ostrau waren erbärmliche 16.000 Düsseldorfer live dabei.

Wie ist diese groteske Unverhältnismäßigkeit zu erklären? Mit der Stadt und Fortuna hat es nur zweitrangig zu tun: Natürlich, die Düsseldorfer lieben potenzielle Jubel-Events (obwohl 1989 gegen Meppen beim Aufstieg in die 1.Liga auch nur 25.000 im Stadion waren). Und sicher ist Fortuna als Traditionsmarke immer mehr Kult geworden.

Der Hauptgrund für die Paradoxie (gute Fortuna = leere Schüssel, mäßige Fortuna = volle Arena) liegt indes im seit Jahren wachsenden, bundesweit grassierenden Fußball-Wahnsinn. Der immer schon populärste Sport der Deutschen wird immer noch populärer.

Die alten Erzrivalen Gladbach und Köln etwa haben heute sogar gegen Cottbus ausverkaufte Stadien, während Bökelberg und Müngersdorf zu Zeiten von Netzer und Overath oft halbleer blieben. Selbst der mediale Overkill - heute werden sogar Drittliga-Spiele live im TV übertragen - hält die Massen nicht vom Gang ins Stadion ab.

Was heißt das alles für die aktuelle Fortuna? Dass der Verein, wenn er den Aufstieg packt, in der 2. Liga mit einem drastisch steigenden Besucherschnitt rechnen darf. Und sollte es dann irgendwann tatsächlich mal wieder die 1. Liga sein, wird selbst in Düsseldorf die ausverkaufte Arena zur 14-täglichen Selbstverständlichkeit. Wenn das keine verlockenden Aussichten für neue Sponsoren sind ...

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