Ohne Pyrotechnik, aber mit echtem Flugzeug stellte „Quebec 2013“ Feuerwehr, Seelsorger und Krisenstab auf die Probe.

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Die Feuerwehr übt am Flughafen, was bei einem Unfall zu tun ist. Die Verletzten werden je nach Schwere ihrer Blessuren klassifiziert.

Die Feuerwehr übt am Flughafen, was bei einem Unfall zu tun ist. Die Verletzten werden je nach Schwere ihrer Blessuren klassifiziert.

Der Ausstieg aus dem Wrack wird mit Statisten geübt.

Flammen zu löschen gibt es für die Löschfahrzeuge aber nicht.

David Young, Bild 1 von 3

Die Feuerwehr übt am Flughafen, was bei einem Unfall zu tun ist. Die Verletzten werden je nach Schwere ihrer Blessuren klassifiziert.

Düsseldorf. Alptraum-Szenario am Flughafen Düsseldorf: Während des Starts stürzt ein Flugzeug auf eine der Flughafenhallen ab. Brände verbreiten Panik unter den Passagieren und erschweren die Arbeit der Ersthelfer.

Doch keine Sorge, die Passagiere werden von Statisten gemimt und die Brände sind reine Fiktion. Trotzdem herrscht bei den rund 50 anrückenden Feuerwehrmännern professionelle Anspannung, denn mit der Flugunfallübung des Flughafens wird alle zwei Jahre realitätsnah der Gefahrenabwehrplan geprüft.

Die Statisten im Flugzeug simulieren den Ernstfall. Erfolgt der Ausstieg aus der Maschine noch sehr geordnet, stellen die geschminkten Wunden der Passagiere und einige verwirrte Ausreißer, die immer wieder auf das Flugzeug zulaufen, die Feuerwehr auf die Probe.

Verletzte werden mit farbigen Aufklebern markiert

Besonderen Wert wird dieses Jahr laut Ludger Beitelsmann, Einsatzleiter vom Dienst der Feuerwehr, auf die Umsetzung der erst 2011 eingeführten Patientenablage gelegt: „Vorher wurden die meisten Verletzten schnellstmöglich ins Krankenhaus gebracht, jetzt trainieren wir die schnelle Aufstellung einer Behandlungspriorität.“

Die Verletzten werden vor Ort erstversorgt und nach der Schwere ihrer Verletzungen klassifiziert. Dies wird mit farbigen Aufklebern auf einer Patienten-Anhängekarte vermerkt, so dass Schwerverletzte schneller identifiziert und vorrangig auf die Krankenhäuser verteilt werden können.

Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) sieht alle zwei Jahre eine Übung an internationalen Flughäfen vor. Wechselnde Szenarien sorgen für eine umfassende Vorbereitung, darüber hinaus finden über das Jahr verteilt viele kleinere Übungen der Flughafenfeuerwehr statt.

Die Flugunfallübungen werden nach dem internationalen Lotsenalphabet benannt. Letztes Mal begann die Übung mit dem Buchstaben P („Papa 2011“), dieses Jahr „Quebec 2013“.

Um Flughafenbetrieb und Stadt zu schützen, wird auf große Brandsimulationen verzichtet, außerdem fehlen die sonst eingesetzten Rettungshubschrauber und es ist nur ein kleiner Teil der bei einem tatsächlichen Unfall dieser Größenordnung angeforderten Rettungskräfte vor Ort.

Nicht nur am Hangar, auch auf der Besucherplattform macht die Übung sich bemerkbar. Schauspielschüler der Folkwang Hochschule Essen spielen panische Angehörige, die den Unfall verfolgt haben. Jetzt sind Flughafenpersonal und Seelsorger gefragt. Darüber hinaus versammelt sich auch der Krisenstab des Flughafens im Einsatzzentrum und probt die Koordinationsarbeit für den Ernstfall.

Ein Dreivierteljahr dauert die Planung: Übungsobjekte müssen organisiert, ein realitätsnahes Szenario entwickelt, Statisten rekrutiert werden. Rund 300 Personen sind an der einstündigen Übung beteiligt. Darunter auch Fachbewerter, die den Verlauf der Übung beobachten und in den nächsten Tagen auswerten, um den Notfallplan des Flughafens weiterhin zu verbessern.

Weil das Flugzeug noch im Dienst ist, ist Feuer tabu

Dass die Übung in diesem Jahr ohne Pyrotechnik und Raucheffekte verhältnismäßig unauffällig über die Bühne geht, ist dem diesjährigen wertvollen Übungsobjekt geschuldet, das nicht beschädigt werden darf. Bei dem Flugzeug des Typs BAe 146-100 handelt es sich um ein normales Linienflugzeug, das erst am Morgen der Übung gelandet ist.

So sei die Übung deutlich praxisnäher, als die fehlenden Brände im ersten Moment vermuten lassen, erläutert Beitelsmann: „Wir sind froh, dass wir dieses Jahr ein Flugzeug bekommen haben, denn nur durch diese möglichst realistischen Praxisübungen können wir unsere Einsätze optimieren.“

© WhatsBroadcast

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