Experten sind überzeugt: Vor allem für touristische Ziele entwickelt sich das Angebot am Düsseldorfer Flughafen sogar besser als vor der Air-Berlin-Pleite. Für Geschäftsreisende sieht das etwas anders aus.

Experten sind überzeugt: Vor allem für touristische Ziele entwickelt sich das Angebot am Düsseldorfer Flughafen sogar besser als vor der Air-Berlin-Pleite. Für Geschäftsreisende sieht das etwas anders aus.
Auch ein Grund für günstigere Preise: das Engagement von Laudamotion am Düsseldorfer Flughafen.

Auch ein Grund für günstigere Preise: das Engagement von Laudamotion am Düsseldorfer Flughafen.

Sergej Lepke

Auch ein Grund für günstigere Preise: das Engagement von Laudamotion am Düsseldorfer Flughafen.

Düsseldorf. War die Air-Berlin-Pleite für Passagiere am Düsseldorfer Flughafen zunächst mit steigenden Ticketpreisen und weniger Auswahl verbunden, wendet sich nun das Blatt. Die beiden Luftfahrtexperten Thomas Jaeger vom Datenanalysten CH-Aviation und Cord Schellenberg sind sich auf Anfrage unserer Redaktion einig: Fliegen ist in Düsseldorf wieder günstiger geworden und wird es weiter werden. Vor allem bei touristischen Zielen in südliche Regionen entwickelt sich das Angebot sogar noch besser als vor dem Aus für Air Berlin.

Der Hauptgrund für diese Entwicklung ist den Experten zufolge der deutlich stärkere Wettbewerb und damit verbunden ein vielfältigeres Angebot zu besseren Preisen. „Musste sich die Lufthansa in Düsseldorf lange Zeit vor allem mit Air Berlin auseinandersetzen, ist die Szenerie mit Ryanair und Laudamotion, Easyjet und auch Condor deutlich belebter und der Wettbewerb aggressiver“, sagt Schellenberg. Wie Schellenberg sagt auch Jaeger, dass Air Berlin sogar ein Konkurrent war, „mit dem man gut leben konnte“. Gründe dafür sind vor allem: Air Berlin war eine schrumpfende Airline, die sehr vertriebsschwach im Ausland war und sich sogar bei den Ticketpreisen an Lufthansa angepasst hat. So stiegen bei beiden die Preise im Verhältnis deutlich, wenn nur ein Oneway-Ticket gebucht wurde.

Die Angebote der neuen starken Airlines in Düsseldorf seien dagegen auch insgesamt deutlich flexibler, wie Schellenberg sagt. Durch Verzicht auf Gepäck oder etwa einen Check-in am Schalter ließe sich Geld sparen. Und dieses Gesamtpaket setze Lufthansa, also Eurowings, deutlich stärker unter Druck. „Die Blaupause ist Frankfurt, wo Ryanair vor anderthalb Jahren an den Start ging. Mittlerweile macht Lufthansa dort ebenfalls Sonderangebote.“ Jaeger erinnert auch an den Konkurs der ungarische Fluggesellschaft Malév. „In Budapest wird sich niemand an die Zeit davor zurücksehnen“, sagt Jaeger. Man habe es nach solchen Pleiten immer wieder gesehen, „es pendelt sich ein“.

Besonders günstige Preise durch kurzfristige Markteinführung

Die günstigen Preise sind momentan deutlich spürbar. Reisende können etwa über Laudamotion (buchbar über Ryanair) noch im Juni Flüge nach Mallorca für 50 bis 60 Euro hin und zurück buchen – zumindest, wer mitten in der Woche fliegen kann und nur Handgepäck braucht. Jaeger gibt allerdings zu bedenken, dass diese Preise wohl auch auf die kurzfristige Markteinführung von Laudamotion und Ryanair zurückzuführen sind. Heißt: Die Flugzeuge mussten in relativ kurzer Zeit voll werden.

Doch Jaeger und Schellenberg glauben, dass die Passagiere am Düsseldorfer Flughafen auch auf lange Sicht auf gute Preise hoffen dürfen. Ryanair habe seine Basis gerade erst gegründet und werde sein Angebot sicher noch erweitern. Und aufgrund der extrem tiefen Kostenstruktur könne Ryanair diese Preise bieten – „auch an großen Flughäfen wie Düsseldorf“, sagt Jaeger. Er erinnert daran, dass Airlines wie Ryanair und Easyjet Flugzeuge im 100er-Paket kaufen. Auch mit Blick auf den schlechten Ruf von Ryanair macht Schellenberg den Passagieren Hoffnung: „Die Airline geht mittlerweile mehr und mehr auf Kundenwünsche ein und arbeitet an ihrem Image.“

Vor allem innerhalb Deutschlands gibt’s noch einige Monopolstrecken

Auch auf der Langstrecke sind die Aussichten laut Schellenberg gut. Zum einen verlegt Eurowings sein Angebot von Köln nach Düsseldorf, übernimmt Condor viele Langstreckenflüge von Air Berlin. Zum anderen wolle neben dem guten Angebot der Golfcarrier auch Turkish Airlines weiter wachsen, sodass Istanbul mehr und mehr zum alternativen Drehkreuz für Flüge in Richtung Asien werde.

Etwas anders stellen sich die Preise für Geschäftsreisende dar. Jaeger. „Bei innerdeutschen Zielen sowie nach Österreich und in die Schweiz gibt es nach wie vor viele Monopolstrecken für die Lufthansa, das wirkt sich auf den Preis aus.“ Vor allem die wichtige Strecke nach München nennt er, aber auch Stuttgart, Nürnberg und Hamburg. Immerhin: Nach Berlin hat sich die Situation mit Easyjet wieder entspannt.

Und Jager glaubt auch in diesem Segment an Verbesserungen. „Niki Lauda hat deutlich mehr City-Shuttles angekündigt – mittelfristig wird das wohl auch in Deutschland der Fall. Im Winter ist die Flotte nur mit Warmwasserzielen nicht auszulasten“, sagt Jaeger. Zum Hintergrund: Laudamotion übernahm Niki und verkaufte einen Teil des Unternehmens an Ryanair. Die Iren wollen nun Mehrheitseigner werden, vielleicht sogar eine komplette Übernahme.

© WhatsBroadcast

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