Der Airport-Chef erklärt Anliegern die Expansionspläne, die aber zeigen ihm die Rote Karte.

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Flughafen-Chef Thomas Schnalke stand am Donnerstag in der Internationalen Schule Rede und Antwort.

Flughafen-Chef Thomas Schnalke stand am Donnerstag in der Internationalen Schule Rede und Antwort.

David Young

Flughafen-Chef Thomas Schnalke stand am Donnerstag in der Internationalen Schule Rede und Antwort.

Düsseldorf. Flughafenchef Thomas Schnalke hat dieser Tagen nur Auswärtsspiele, wenn er die Bürger über die geplante Kapazitätserweiterung informiert. Kaarst, Mülheim, Essen-Kettwig oder Büderich: Egal, wo er hinkommt, überall schlägt ihm hauptsächlich Ablehnung entgegen. So auch Donnerstag Abend in der Aula der Internationalen Schule an der Niederrheinstraße.

Wobei die Lohausener, Stockumer und Unterrather, obwohl am nächsten dran am Flughafen, im Vergleich zum Umland moderater argumentieren, weniger empört. Dennoch: wirklich hören will kaum einer die frei vorgetragenen Erklärungen Schnalkes, warum der Flughafen mehr Starts und Landungen in den von den Airlines besonders nachgefragten Morgen- und Abendstunden abwickeln möchte. Und warum er beide Startbahnen freier und flexibler nutzen will. „Der Flughafen braucht Wachstum“, die exportorientierte Wirtschaft im Rhein-Ruhr-Raum auch, „das sichert und schafft Arbeitsplätze“, sagt Schnalke. Und kündigt zugleich an, das Lärmschutzprogramm für Anwohner fortzusetzen und auszubauen.

Organisierte Fluglärmgegner halten ausführliche Co-Referate

Doch die Kritiker wollen keine Informationen, sie wollen weniger Lärm. Lange Co-Referate gibt es, wenn die organisierten Fluglärmgegner wie Christoph Lange ans Mikrofon treten. Sie verteilen Rote Karten und kennen alle Details der internationalen Luftfahrt. „Sie müssten endlich die irregulären Nachtflüge wirksam einschränken“, fordert Lange, stattdessen betreibe der Flughafen weiter seine Salami-Taktik für immer mehr Flüge. Dabei würde Wachstum jedoch nur durch „Billigflieger“ generiert (Schnalke: „Wer sollen denn die Billigflieger sein?“). Ein Unterrather Familienvater spricht von „den Schadstoffen, die in unsere Wohnsiedlung geblasen werden“, ein Mann, der seit 1932 in Lohausen wohnt, vom Kerosingestank, der ihn jeden Morgen piesackt, wenn er die Zeitung reinholt, andere vom „unerträglichen Lärm“, wenn sie im Garten sitzen.

Eine Annäherung ist nicht möglich. Und offenkundig auch nicht wirklich gewollt. Im Sommer will der Flughafen die neue Betriebsgenehmigung beim Land beantragen. Längst gibt es Klage-Ankündigungen dagegen, unter anderem von Essens Stadtdirektor Hans-Jürgen Best. Sollte sie dennoch durchgehen, dann geschieht das frühstens 2016.

Laut Flughafen sind aktuell rund 256 000 Flugbewegungen im Jahr rechtlich möglich, erreicht werden aber nur 220 000. Mit der neuen Genehmigung sollen etwa 252 000 realisiert werden.

Derzeit sind in der Woche maximal 45 bis 47 Flugbewegungen pro Stunde erlaubt, der Flughafen möchte in Spitzenzeiten (z.B. 6 bis 9 Uhr) bis zu 60 Slots pro Stunde abwickeln dürfen.

Die Nordbahn ist bislang nur sehr eingeschränkt nutzbar, der Airport will hier mehr Flexibilität für den Parallelbetrieb von Nord- und Südbahn.

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