Gegen Marc-Roman Trautmann laufen Verfahren wegen Betrugs, der Flughafen hat ihm gekündigt.

Düsseldorf. Es war ein Senkrechtstart, den Marc-Roman Trautmann vor wenigen Jahren hingelegt hat: Am Flughafen richtete er die weltweit erste Flugangst-Ambulanz ein, Passagiere konnten sich dort kurz vor dem Abflug schnelle Hilfe geben lassen. Die Resonanz war enorm, die Medien berichteten bundesweit über ihn. Inzwischen sieht es aber so aus, als hätte Trautmann eine Bruchlandung erlitten.

Bei der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft sind mehrere Verfahren wegen Betrugs gegen den Diplom-Psychologen anhängig. "Er ist offensichtlich unbekannten Aufenthaltes", so die Auskunft von Sprecher Christoph Kumpa.

Eine anwaltliche Recherche ergab Palma als neuen Wohnsitz

Dem Büro des "Deutschen Flugangstzentrums" (DFAZ) hat der Düsseldorfer Flughafen als Vermieter zum Ende des vergangenen Dezembers gekündigt. Im dortigen Beschwerdezentrum hatten sich zuvor mehrere Anrufer gemeldet, immer mit derselben Klage: Das DFAZ sei ihnen für nicht erbrachte Seminare hohe Summen schuldig.

Dazu Flughafensprecher Christian Witt: "Herr Trautmann war zur Klärung nicht zu erreichen. Zudem standen drei Monatsmieten aus." Im Januar habe sich herausgestellt, dass das Büro offenbar in einer Nacht-und-Nebelaktion geräumt worden sei.

Eine der vermutlich geprellten Kundinnen ist Kornelia M. Sie hatte nach eigener Darstellung ihrer Tochter im Mai ein Flugangst-Seminar geschenkt. Wert: 500 Euro. "Der Termin im Juni wurde zweimal verschoben. Irgendwann wurde das Seminar dann storniert."

Das Flugangstzentrum wurde deshalb so bekannt, weil Trautmann als erster Hilfe unmittelbar vor dem Abflug anbot. Aber auch Seminare mit Probeflug bietet das Unternehmen. Der Flughafen tritt nur als Vermieter auf. Später wurde ein weiteres Zentrum dieser Art am Frankfurter Flughafen eröffnet.

Beim Flughafen Düsseldorf weiß im Moment noch niemand, ob es einen Ersatz für die Flugangst-Ambulanz geben wird. Ähnliche Anbieter gibt es laut Sprecher Christian Witt. Wahrscheinlich wird als erstes der gelöschte Link auf der Internetseite durch ein anderes Angebot ersetzt.

Das Geld war aber schon bezahlt. Von DFAZ-Mitarbeiterin Gabriele Fischer - vermutlich Trautmanns Lebensgefährtin - sei ihr versichert worden, dass sie die 500 Euro zurückerhalte. Geschehen sei bisher nichts.

Irgendwann hat Kornelia W. Rechtsanwältin Anja Röper eingeschaltet. Die versuchte, das Geld einzutreiben, bisher erfolglos. Über das Einwohnermeldeamt fand sie den neuen Wohnsitz Trautmanns heraus: Palma de Mallorca, Spanien: "Er hat keine Anschrift hinterlassen. Das sieht nach jemandem aus, der seine Spuren verwischt."

Im Flughafen weiß man nichts über den Verbleib von Marc-Roman Trautmann. Allerdings firmiert das DFAZ inzwischen in geringer Entfernung in Ratingen und bietet von dort dieselben Leistungen an. Termine für Seminare in Düsseldorf - angeblich mit Trautmann - werden weiterhin vergeben. Laut Impressum leitet er nach wie vor das Unternehmen.

Auf eine Anfrage der WZ über die Vorwürfe gegen das Unternehmen kam am Dienstag eine schriftliche Stellungnahme aus dem Buchungsbüro. Fälle wie der von Kornelia W. werden darin als bedauerlicher Irrtum dargestellt, der Wegzug vom Flughafen als betriebswirtschaftliche Entscheidung des Unternehmens.

Im Internet findet sich auf der Seite von Wikipedia ein Eintrag "Flugangst-Ambulanz", der sich liest, als sei er von Trautmann selber geschrieben. Dort ist zu lesen, dass es im Flughafen von Palma de Mallorca ein Beratungsangebot gebe.

Übrigens ist für die Tochter von Kornelia W. die Geschichte noch gut ausgegangen. Sie hat sich schließlich ins Flugzeug getraut und ist längst heil zurück - auch ohne Flugangst-Seminar.

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