Die Zahl der Zugezogenen nimmt stetig ab – auch in Düsseldorf. Miriam Koch, Flüchtlingsbeauftragte, erklärt, was sich ändert.

Interview
Miriam Koch muss als Flüchtlingsbeauftragte sämtliche Maßnahmen koordinieren. Archiv

Miriam Koch muss als Flüchtlingsbeauftragte sämtliche Maßnahmen koordinieren. Archiv

Judith Michaelis

Miriam Koch muss als Flüchtlingsbeauftragte sämtliche Maßnahmen koordinieren. Archiv

Düsseldorf. Miriam Koch in ihrer Funktion als erste Flüchtlingsbeauftragte der Stadt hat die vergangenen Jahre, in denen der Zuzug von Flüchtlingen auch nach Düsseldorf stark zugenommen hat, intensiv miterlebt und mitgestaltet. Mittlerweile sind viele Grenzen dicht, die Zuwanderung nimmt ab. Zeit für eine Bestandsaufnahme: Wie sieht die Flüchtlingsarbeit nun unter den geänderten Vorzeichen aus und was sind die Schwerpunkte?

Frau Koch, wie viele Flüchtlinge sind derzeit in Düsseldorf untergebracht?

Miriam Koch: In Düsseldorf waren zum Stichtag 30. Juni insgesamt 6972 Flüchtlinge untergebracht.

Hat die Zahl der Flüchtlinge auch so stark abgenommen, wie es in anderen Kommunen der Fall ist?

Koch: Im Vergleich zum 1. Januar 2017, da waren es 7755, leben jetzt 783 Personen weniger in den kommunalen Unterkünften. Das entspricht rund 130 Personen pro Monat im Durchschnitt weniger.

Was ändert sich dadurch in der Art der Unterbringung?

Koch: Es können sowohl qualitativ schlechtere Unterbringungsformen, wie Leichtbauhallen, als auch kostenintensive, wie Hotelplätze, deutlich reduziert werden. Notwendige Umbaumaßnahmen, wie beispielsweise an den Unterkünften Rossstraße und Borbecker Straße, die von Vollversorgungs- und Selbstversorgungseinheiten umgebaut werden, können jetzt durchgeführt werden. Und dadurch verbessern sich die Lebensbedingung für die untergebrachten Menschen. Außerdem können so die Kosten reduziert werden. Catering zum Beispiel ist sehr teuer. Das entfällt durch diese Maßnahmen.

Wo sind derzeit noch die meisten Menschen an einem Ort untergebracht und wie viele sind das?

Koch: Die größte Unterkunft ist die neue Modulanlage in Holzrahmenbauweise an der Oberlöricker Straße. Hier kommen bis zu 420 Personen unter.

Was erwarten Sie in den nächsten Monaten, einen Anstieg oder einen Rückgang der Flüchtlingszahlen?

Koch: Der aktuelle Trend spricht klar für einen weiteren Rückgang. Jedoch können jederzeit weltpolitische Ereignisse eine neue Fluchtwelle zur Folge haben.

Menschen aus welchen Ländern kommen derzeit nach Düsseldorf?

Koch: Aktuell sind die Hauptherkunftsländer Syrien, Irak, Iran, Guinea und die Türkei.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Zuwanderung aus Afrika ein?

Koch: Der Anteil junger Menschen, die in ihren afrikanischen Heimatländern keine Perspektiven mehr sehen, die vor Krieg, Terror oder auch Hunger fliehen, bleibt unverändert hoch.

Welche neuen Erkenntnisse haben Sie durch die Zeit der verstärkten Zuwanderung vor zwei Jahren gewonnen?

Koch: Es muss schneller dafür gesorgt werden, dass die Menschen – unabhängigvon ihrer Bleibeperspektive – mit dem Integrationsprozess starten können, etwa durch Sprach- und Integrationskurse.

Würden Sie heute etwas anders machen? Was wäre das?

Koch: Die Jahre 2015 und 2016 waren für alle beteiligten Kolleginnen und Kollegen, für hauptamtliche und ehrenamtliche Kooperationspartner eine große Herausforderung. In dieser Zeit war häufig schnelles und oft auch unkompliziertes Handeln gefragt. Unter diesen Bedingungen wurde hervorragende Arbeit geleistet. Sicherlich mag in der Nachbetrachtung die eine oder andere Entscheidung kritischer bewertet werden können. Und gerne hätten wir auf Notlösungen wie Belegungen von Turnhallen, Traglufthallen oder die Nutzung der Messehalle verzichtet. Andererseits fehlten zu diesen Zeitpunkten jeweils die Alternativen, um Obdachlosigkeit zu vermeiden.

Welche Schritte sind die nächsten in der Flüchtlingsarbeit der Stadt? Was sind Ihre Ziele bei der Integration?

Koch: Zur Verbesserung wird im nächsten Schritt ein neues Amt für Migration und Integration entstehen. Dabei sollen die Aufgaben und der Service für Ausländerinnen und Ausländer, Migratinnen und Migranten und Flüchtlingen gebündelt und verbessert werden. Ziel ist es, individuelle und passgenaue Lösungen anzubieten.

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