Zum Auftakt des Mordprozesses legte Daniel T. (19) ein Geständnis ab. Er habe den Tod des „Professors“ nicht gewollt.

Mit seinen Beisitzern Nicole Tigges und Gunnar Orlik muss der Vorsitzende Richter Werner Arendes (M.) am 10. März ein Urteil fällen.
Mit seinen Beisitzern Nicole Tigges und Gunnar Orlik muss der Vorsitzende Richter Werner Arendes (M.) am 10. März ein Urteil fällen.

Mit seinen Beisitzern Nicole Tigges und Gunnar Orlik muss der Vorsitzende Richter Werner Arendes (M.) am 10. März ein Urteil fällen.

Mit seinen Beisitzern Nicole Tigges und Gunnar Orlik muss der Vorsitzende Richter Werner Arendes (M.) am 10. März ein Urteil fällen.

Düsseldorf. An seinem Hals baumelt ein großes Kreuz, als Daniel T. (19) den Schwurgerichtsssal des Landgerichts betritt. Er trägt ein weißes Hemd und Sakko. Er sieht aus wie der nette Junge von nebenan - und so gar nicht aus wie ein brutaler Mörder. Sein mitangeklagter Freund Martin K. (21) sitzt bereits mit stoischer Ruhe auf der Anklagebank.

Die beiden gelten als die Hauptmatadoren im Todesdrama von Hans-Joachim Will. Der "Professor" war am 2. August im Florapark grausam getötet worden. Die beiden sollen den 54-jährigen zunächst geschlagen haben, dann hätten sie versucht, ihn im Teich des Parks zu ertränken, heißt es in der Anklage. Schließlich sollen sie ihn mit 26 Stichen erstochen haben. Martin K., ein groß gewachsener Mann, will zum Prozessauftakt keine Aussage machen.

Daniel T. (19) dagegen räumt das Geschehen sofort ein: "Ich kann die Tat heute weder verstehen noch erklären", gibt er über seinen Anwalt bekannt. Er habe am Tattag mit Martin K. und seiner Freundin im Park Wodka getrunken. Auch Hans-Joachim Will dabei gewesen. Dieser habe K. vorgeworfen, am Tod einer 77-jährigen Bekannten Schuld zu sein. Die Frau war ein Jahr zuvor tot am Teich gefunden worden.

Schließlich habe Martin beschlossen, den ehemaligen Gewerkschaftssekretär zu töten. Der Angeklagte habe das zunächst nicht ernst genommen. Doch sein Freund hätte ihn immer weiter bedrängt. "Du gibst dem Hans die erste und ich mache den Rest", hätte Martin gesagt. "Mein Mandant gab dem Will daraufhin einen Faustschlag", sagt Rechtsanwalt Nicolai Mameghani. K. habe dem Will eine Parkbank auf den Kopf fallen geworfen.

Dann habe man die Freundin nach Hause gebracht und sei anschließend in den Park zurückgekehrt. "Er sollte auf das Leben seiner Mutter schwören, den Will nicht zu töten, sondern lediglich zu verprügeln. K. gab das Versprechen und beide reichten sich die Hände", sagt der Anwalt. Dennoch habe der 21-Jährige dann den Will attackiert und in den Teich geworfen.

"Ich habe das Messer wie in Trance ergriffen."

(Daniel T., Angeklagter)

Um als Mittäter verurteilt zu werden, muss beiden Angeklagten jeweils die Tat nachgewiesen werden. Es muss ein gemeinsamer Tatplan vorgelegen haben. Das beide zufällig am gleichen Ort Straftaten begehen, reicht für eine Mittäterschaft nicht aus.

Rechtsanwalt Nicolai Mameghani geht davon aus, dass es sich bei der Tat um einen so genannten Mittäterexzess handelt. Dabei begeht der eine Täter eine Tat, die über den gemeinsamen Plan hinausgeht und mit dem anderen nicht abgesprochen war.

Besonders grausig: Laut Anklage soll sich der Mann, bei dem ein Alkoholgehalt von 3,4 Promille festgestellt wurden, im Wasser aufgerichtet und gerufen haben: "Bringt es jetzt zu Ende." Warum Daniel T. dem Opfer nicht geholfen habe? "Er stand unter Schock und konnte nicht eingreifen."

Als das Opfer regungslos am Ufer gelegen hätte, seien sie nach Hause gegangen, um sich umzuziehen. Dort hätte Martin K. ein Klappmesser eingesteckt. "Wir müssen ihn jetzt endgültig töten", hätte dieser gesagt. Im Park habe Will wieder Erwarten lebend am Teich gesessen. Von hinten habe Martin K. diesen attackiert.

Er habe nicht darüber nachgedacht, Hilfe zu holen

"Drohend hat er meinem Mandanten dann das Messer hingehalten und ihn aufgefordert, selbst zuzustechen", sagt der Anwalt. "Er hat wie in Trance das Messer ergriffen und beim Zustechen die Augen geschlossen."

Warum er denn nicht einfach Hilfe geholt habe? "Ich habe nicht darüber nachgedacht", sagt der 19-Jährige, der weder einen Schulabschluss noch eine Berufsausbildung hat. Mit seiner Mutter geriet der Angeklagte schon früh in Streit, mal lebte er im Internat, mal fand er bei Freunden Unterschlupf. Nach seinen Hobbys gefragt, kommt es wie aus der Pistole geschossen: "Kiffen".

Seine Freunde, die während der Verhandlung im Zuschauerraum sitzen, können die Tat bis heute nicht verstehen. "Gewalttaten waren noch nie sein Ding. Er war immer nett und hat unseren Eltern die Einkäufe hoch getragen", sagen sie. Am Dienstag will Martin K. aussagen.

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