Die Polizeipiloten am Düsseldorfer Flughafen retten Schwimmer, fangen Räuber und bringen Vermisste nach Hause.

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Zwei Piloten und ein Operator der Polizei-Fliegerstaffel üben an einem See die Bergung eines Verletzten aus dem Wasser. Der Helikopter taucht mit den Kufen ein, ein Mitglied der Besatzung zieht das Opfer an Bord.

Zwei Piloten und ein Operator der Polizei-Fliegerstaffel üben an einem See die Bergung eines Verletzten aus dem Wasser. Der Helikopter taucht mit den Kufen ein, ein Mitglied der Besatzung zieht das Opfer an Bord.

Polizei

Zwei Piloten und ein Operator der Polizei-Fliegerstaffel üben an einem See die Bergung eines Verletzten aus dem Wasser. Der Helikopter taucht mit den Kufen ein, ein Mitglied der Besatzung zieht das Opfer an Bord.

Düsseldorf. Es dämmert schon, als an diesem Nachmittag Ende Februar die Alarmmeldung in der Zentrale der Fliegerstaffel am Düsseldorfer Flughafen eingeht: Eine Frau ist von der Flughafenbrücke in den Rhein gesprungen.

Innerhalb weniger Minuten sitzt Polizeipilot Polly Schumacher im Cockpit seines Hubschraubers, wartet die Erlaubnis des Towers ab und fliegt quer über die Rollbahnen des Airports Richtung Rhein.

Im schwindenden Licht suchen die drei Mann an Bord des Helikopters die unruhige Wasseroberfläche ab. Plötzlich eine Bewegung. Die 34-Jährige treibt unter ihnen in den Wellen, ihre Daunenjacke hat sie über Wasser gehalten. Sie winkt. Langsam senkt Schumacher den Hubschrauber hinab, bis die Kufen schon in das kalte Wasser eintauchen.

Auf ihnen hockt einer der Männer in einem Sicherheitsgurt, über die Intercom-Anlage dirigiert er den 39-jährigen Piloten zentimetergenau zu dem Opfer, bis er die Frau zu fassen bekommt. Schumacher hält den Hubschrauber ganz still - mit Hebel und Fußpedal gleicht er jede Bewegung der Luft und des Wassers aus. Langsam und immer genau auf einer Höhe fliegt er schließlich ans Ufer, die Frau im Schlepptau. Sie überlebt.

"In so einem Moment ist die Konzentration enorm hoch", erinnert sich Polly Schumacher. Dämmerlicht, schnell fließendes Wasser, Schiffsverkehr. Der Pilot und seine beiden Kollegen im Hubschrauber müssen auf vieles achten. "Aber danach freut man sich riesig, wenn man jemanden retten konnte", sagt Schumacher.

"Da war nur ein riesiger Krater. Es war absolut erschreckend."

Polly Schumacher flog über das eingestürzte Kölner Stadtarchiv

Der 39-jährige Polizist ist seit 2000 bei der Fliegerstaffel. Im vergangenen Jahr beendete er die anderthalbjährige Pilotenausbildung. "Hubschrauber haben mich schon von klein auf fasziniert", sagt er. Und das ist so geblieben. "Von innen wird es manchmal langweilig - Helikopter fliegen fühlt sich mehr an wie Autofahren. Aber von außen begeistern sie mich immer noch."

Und es ist eben doch kein Streifenwagen, in dem er zum Einsatz rast. Nicht jeder Tag bringt fliegerische Herausforderungen wie die Rettung der 34-Jährigen aus dem Rhein. Aber Schumacher erinnert sich etwa an eine Verfolgung nach einem Überfall auf einen Geldtransporter. "Da habe ich irgendwann über Funk gefragt, wie die Räuber denn die Sicherheitsmänner zum Aussteigen bewegt hätten", berichtet Schumacher. "Und ich bekam die Antwort, die hätten doch eine Panzerfaust. Damit kann man spielend auch einen Hubschrauber vom Himmel holen."

Eine fröhlichere Erinnerung ist für den Piloten eine Vermisstensuche nach einem Senioren. Am frühen Morgen lokalisierte die Hubschrauberbesatzung damals den verwirrten Mann schlafend und fast nackt an einem Feldrand. Der Mann hatte sich verlaufen - und war sehr dankbar für die Rettung nach einer durchfrorenen Nacht im Freien.

Aber selbst, wenn Polly Schumacher "nur" ausrückt, um Unfallstellen aus der Luft zu fotografieren und zu vermessen, erwartet ihn mitunter Spektakuläres. So war er der Erste, der Anfang März Bilder vom eingestürzten Stadtarchiv in Köln lieferte. "Da war nur noch ein riesiger Krater", sagt Schumacher. "Es war absolut erschreckend."

Dennoch ist er sicher, dass er die 26 Jahre bis zu seinem Ruhestand weiter in der Luft verbringen will. "Es hat noch nie jemand die Fliegerstaffel freiwillig verlassen", sagt Schumacher. Nur eines fehlt ihm manchmal: der Kontakt zu Menschen. Wie früher auf Streife.

© WhatsBroadcast

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