Vor den Läden sollen Obdachlose ihre Zeitschrift nicht mehr anbieten. Die Streetworker wehren sich.

Vor dem Kö-Aldi darf Uwe Tapper weiter Fifty-Fifty verkaufen, der Discounter hat hier kein Hausrecht. F: Lepke
Vor dem Kö-Aldi darf Uwe Tapper weiter Fifty-Fifty verkaufen, der Discounter hat hier kein Hausrecht. F: Lepke

Vor dem Kö-Aldi darf Uwe Tapper weiter Fifty-Fifty verkaufen, der Discounter hat hier kein Hausrecht. F: Lepke

Vor dem Kö-Aldi darf Uwe Tapper weiter Fifty-Fifty verkaufen, der Discounter hat hier kein Hausrecht. F: Lepke

Düsseldorf. Aldi Süd verbietet ab Juni den Verkäufern von Fifty-Fifty, ihre Zeitschrift vor Düsseldorfer Filialen anzubieten. Der Discounter beruft sich auf sein Hausrecht, das vor allem bei den Filialen mit Parkplätzen auch recht weiträumig gilt. Über Jahre hinweg gab es Vereinbarungen mit dem Obdachlosen-Magazin. Diese hat der Discounter nun aufgekündigt. Als Grund werden Beschwerden von Kunden genannt. Die Streetworker, die für Fifty-Fifty verantwortlich sind, laufen Sturm dagegen.

140 Verkäufer verlieren mit dem Verbot ihren Platz vor einer der 70 betroffenen Filialen in der Stadt und im Umland. „Die meisten arbeiten dort schon seit Jahren. Wir wissen gar nicht, wo wir sie sonst noch unterbringen sollen“, erklärt Streetworker Oliver Ongaro. Bereits seit Monaten ringe er mit den Vertretern von Aldi um eine andere Lösung.

Die Meinungen gehen bereits bei der Beschreibung der Probleme auseinander. „Die Kunden fühlen sich durch aggressives Verhalten der Fifty-Fifty-Verkäufer belästigt“, sagt Lina Unterbörsch, Sprecherin von Aldi Süd. Es habe regelmäßig Beschwerden gegeben. Die Mitarbeiter der Zeitschrift hätten sich nicht an Vereinbarungen gehalten. „In mehreren Gesprächen haben wir nach einer Lösung gesucht“, so die Sprecherin. Das sei nicht gelungen. „Auch wenn wir das Engagement von Fifty-Fifty schätzen, das ist nicht hinnehmbar.“

Verkäufer vor Aldi-Filialen werden sorgfältig ausgewählt

Dieser Darstellung widerspricht Ongaro. „Die uns geschilderten Beschwerden waren sehr allgemein“, erklärt der Streetworker. Da die Plätze vor Aldi beliebt sind, würden die Verkäufer vorab sorgfältig ausgewählt. Im Einzelfall könne es zwar zu Problemen kommen, räumt er ein. „Aber dann suchen wir mit der Filiale sofort nach Lösungen – oder entziehen dem Verkäufer den Standort.“ Solche Fälle seien schon deswegen selten, da der Platz den Obdachlosen ihr Auskommen sichere. „Sie haben kein Interesse daran, das aufs Spiel zu setzen.“

Einer der Verkäufer ist Uwe Tapper, „Probleme hatte ich noch nie. Kunden und Aldi-Mitarbeiter fragen sogar nach, wenn ich länger mal nicht da war.“ So gut ist die Stimmung zwar nicht überall, doch die Reaktion von Aldi sorgt für Verwunderung. Bäckermeister Josef Hinkel etwa – vor seiner Backstube stehen ebenfalls regelmäßig Verkäufer – findet: „Obdachlose gehören zum Leben einer Stadt und die Verkäufer von Fifty-Fifty sind freundlich.“

Fifty-Fifty hat indes eine Protest-Aktion gestartet: Per Mail sollen Unterstützer ihre Meinung an Aldi schicken.

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