Die alten Tröge gelten als Sinnbild für die Nazi-Barbarei. Doch im neuen Gedenkort auf dem FH-Campus soll kein Platz dafür sein.

Früher: der Trinktrog im historischen Schlachthof-Bau ... Archiv
Früher: der Trinktrog im historischen Schlachthof-Bau ... Archiv

Früher: der Trinktrog im historischen Schlachthof-Bau ... Archiv

... inzwischen ist er ausgebaut, die Einzelteile lagern auf dem Campus.

„Eine Arbeitsgruppe wird sich mit der Frage befassen“: Simone Fischer. F: FH

„Dann kann man es gleich lassen“: Hochschulrat Burkhard Hirsch. F: dpa

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Früher: der Trinktrog im historischen Schlachthof-Bau ... Archiv

Düsseldorf. Schritt für Schritt kommt Leben auf den neuen Campus der Fachhochschule in Derendorf. Die ersten Studenten, Dozenten und Institute sind in die für rund 224 Millionen Euro errichteten Gebäude auf dem ehemaligen Schlachthof- und Brauerei (Schlösser)-Gelände eingezogen, im Mai folgt ein erster großer Schwung mit mehreren tausend Studenten.

Ein wichtiger Bestandteil des neuen FH-Campus war und ist die Einrichtung eines Gedenkortes in der ehemaligen Großviehhalle, die auch die Bibliothek der FH beherbergt. Der soll daran erinnern, dass vom Güterbahnhof Derendorf während des Zweiten Weltkriegs rund 6000 Juden von den Nazis in die Vernichtungslager im Osten deportiert. Jetzt hat eine neue Debatte darüber begonnen, was in der Gedenkstätte an historischer Einrichtung erhalten werden soll und was nicht.

Denkmalpfleger Edmund Spohr: „Ein wichtiges Relikt“

Konkret geht es um Wassertröge, aus dem ursprünglich das Schlachtvieh getrunken hatte. Beim Umbau des historischen Gebäudes wurde der lange Trinktrog demontiert und in Teile zerlegt. Mancher Denkmalschützer und Historiker forderte von Anfang an, den Wassertrog in den späteren Gedenkort zu integrieren. Hintergrund sind unter anderem die Tagebuchaufzeichnungen einer Holocaust-Überlebenden, die vom Derendorfer Gelände deportiert wurde und schildert, wie manche dort zusammengepferchte jüdische Familie ihre kleinen Kinder in dem Trog legten und wuschen.

Einer von ihnen ist der Architekt und Denkmalpfleger Edmund Spohr. „Die Gedenkstätte soll ja zu einem Lernort für die jüngere Generation werden. Der Trog ist schon ein wichtiges Relikt, das angemessen präsentiert, didaktisch aufbereitet und eingeordnet werden muss, sonst kann man daran wenig lernen“, sagt er. Spohr betont, dass er nicht dem zuständigen Projektarchitekten schlaue Ratschläge oder gar Vorschriften machen wolle: Es ist die Anregung, erneut darüber nachzudenken, ob man die Wassertröge nicht doch innen im Gedenk- und Lernortes integriert werden kann.“

Historiker Joachim Schröder: „Nicht das allerwichtigste Zeugnis“

Eigentlich hatten der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes (BLB) als Bauherr und die Denkmalschützer der Bezirksregierung sich schon auf einen Kompromiss geeinigt: Der Trog wird in Teilen rekonstruiert und auf dem Außengelände des Campus aufgestellt und mit Erläuterungen versehen. Dabei sollte es nach Meinung des vom FH-Präsidium beauftragten Historikers Joachim Schröder auch bleiben: „Die Kompromisslösung ist gut. Ich finde, dass der Trog erhalten bleiben sollte, aber nicht das allerwichtigste Zeugnis ist.“ Es gebe gleichwohl nachvollziehbare Argumente für beide Lösungen, drinnen und draußen, die deshalb jetzt doch noch einmal beide geprüft würden.

Das betont auch FH-Sprecherin Simone Fischer: „Eine Arbeitsgruppe wird sich nochmal mit der Frage befassen.“ Darin seien u.a. die Architekten und der Leiter der FH-Bibliothek. Klar sei, dass es widerstrebende Interessen gebe: „Die Bibliothek braucht eben Platz – auch wenn ein Teil der Literatur inzwischen digital vorliegt.“

Für den Vorsitzenden des Hochschulrates Burkhard Hirsch geht diese Debatte an der Sache vorbei. Ihm geht es um einen möglichst wirkungsvollen Gedenkort: „Als ich die Tröge erstmals sah, dachte ich mir: Das ist ein einzigartiges, dramatisches Bild. Die Nazis haben Menschen wie Vieh behandelt – und dies ist die authentische Symbolik dazu.“ Er könne nicht verstehen, dass man diesen Zusammenhang nun zerstöre. „Wassertröge draußen haben gar keinen Sinn. Dann kann man es auch gleich lassen.“ Letztlich müsse man sich entscheiden: „Geht es um eine eindrucksvolle Gedenkstätte – oder um Bücher?“

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