Der Fall Schavan wird unter Studierenden und Dozenten intensiv diskutiert.

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Der Fall Schavan wird unter Studierenden und Dozenten intensiv diskutiert.

Der Fall Schavan wird unter Studierenden und Dozenten intensiv diskutiert.

Maria Glahe aus Soest rechnet mit einem Imageschaden und kennt eine Freundin, die wegen der Schavan-Affäre nicht in Düsseldorf studieren will.

Ole Neumann macht sich ebenfalls Sorgen um den Ruf der Heine-Uni.

Wasilios Rodoniklis ist selbst Doktorand und geht davon aus, dass künftig genauer kontrolliert wird.

Jasmin Joachim fände das nur positiv und lobt die Uni für ihr strenges Durchgreifen.

Archiv/Schaller, Bild 1 von 5

Der Fall Schavan wird unter Studierenden und Dozenten intensiv diskutiert.

Düsseldorf. Ole Neumann macht sich Sorgen. Um den Ruf seiner Universität und den Wert seines Abschlusses. Als sich der heute 26-Jährige 2010 entschied, BWL zu studieren, wollte er zur Uni Bayreuth. Doch dann kam die Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ins Rollen, der seinen Doktor an eben jeder Uni gemacht hatte. Also entschied sich der Bremer Neumann, nach Düsseldorf statt nach Bayreuth zu gehen.

Nun spielt auch an der hiesigen Universität eine viel beachtete Affäre. Am Dienstag erkannte die Philosophische Fakultät Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ihren Doktortitel ab und wird dafür teils massiv kritisiert. Und Student Neumann? Der macht sich Gedanken, ob Düsseldorf die richtige Wahl war. „Ich denke, dass das Image der Uni beschädigt ist. Bayreuth hat auch keinen guten Ruf mehr.“

Wer sich dieser Tage am Campus aufhält, merkt, wie sehr das Thema Studierende und Lehrende beschäftigt. Die Professoren halten sich offiziell zurück. Ex-Rektor Gert Kaiser kommentiert den Fall nur dahingehend, „dass die Philosophische Fakultät ganz sicher nicht leichtfertig gehandelt hat“.

Die Stimmen unter den Studenten sind geteilt

„Die Uni ist jetzt natürlich in aller Munde“, sagt Wasilios Rodoniklis, Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Er findet die Aberkennung richtig und rechnet damit, dass künftig überall noch genauer hingeschaut wird.

Auch Jasmin Joachim (20) macht sich Gedanken um das Image ihrer Uni, denkt aber, dass die Entscheidung eher positiv aufgenommen wird. „Wenn jemand plagiiert, ist es die Aufgabe der Uni, zu prüfen. Und das hat sie gemacht.“

RCDS: Wäre es bei einer SPD- Ministerin auch so gelaufen?

Serdar Agit-Boztemur (23) lobt die Entscheidung ebenfalls, rechnet aber aus anderen Gründen mit einem Imageschaden: „30 Jahre lang hat es niemanden interessiert“, ärgert sich der Politikstudent. „Erst nach Guttenberg ist die Uni wach geworden.“

Auf die Seite Schavans stellt sich der Ring Christlich-Demokratischer Studenten. Kritisiert wird, dass die Heine-Uni kein auswärtiges Gutachten eingeholt habe. Zudem fragt der RCDS: „Wäre das Urteil bei einer SPD-Ministerin genauso ausgefallen?“

Auch im Rathaus wird der Fall diskutiert. Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), die Mitte der 80er Jahre über die USA-Berichterstattung im ZDF ihre Doktorarbeit schrieb, geht davon aus, dass der Fakultätsrat „sauber gearbeitet“ hat. Die Liberale sagt jedoch, dass die Uni den Fall zum Politikum gemacht habe. „Rektor Piper hat unaufgefordert darauf hingewiesen, dass alle gleichbehandelt würden.“ Auch sei der Start des Verfahrens durchgestochen worden.

Die Äußerungen des Rektors könnten aber auch einen anderen Hintergrund gehabt haben. Nach Informationen der WZ gab es aus dem Hochschulrat Druck auf den Fakultätsrat. Auch zwei namhafte Professoren sollen Schavan in Schutz genommen haben. Die Mitglieder des Fakultätsrats mussten Verschwiegenheitserklärungen unterschreiben, das entscheidende Gutachten durfte nur in einem bestimmten Raum unter Bewachung einer Security-Kraft eingesehen werden.

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