Ein neuer Umgang mit Parkplätzen könnte viele kostbare Räume schaffen, Radwege sollten nicht zu nah an Fußwegen liegen.

Ein neuer Umgang mit Parkplätzen könnte viele kostbare Räume schaffen, Radwege sollten nicht zu nah an Fußwegen liegen.
Stephan Jansen und Martha Wanat.

Stephan Jansen und Martha Wanat.

Bicicli

Stephan Jansen und Martha Wanat.

Vieles ist leicht gesagt, leicht getan deshalb aber noch lange nicht. Das gilt natürlich auch für eine Verbesserung des Radverkehrs. Das weiß auch Experte Andreas Røhl, der den Entwicklungsprozess in Kopenhagen über viele Jahre miterlebt und gestaltet hat und gestern beim Fahrradkongress vortrug. Auch dort war die Stadt nicht von einen auf den anderen Tag fahrradfreundlich.

Man hat in den 80er Jahren irgendwo angefangen. Nachdem er selbst in Düsseldorf die Stadt mit dem Rad erkundet und sich ein Bild gemacht hat, hat der Radfachmann gute Nachrichten für die Landeshauptstädter: „Das Radfahren hat hier Spaß gemacht und war einfach“, sagt er. Der Ist-Zustand ist also gar nicht so schlecht. Trotzdem gibt es vieles zu tun. Wichtig sei es, eine Balance zwischen den Verkehrsmitteln und Arten der Fortbewegung herzustellen, sagt Røhl. Er bemängelt etwa Radwege, die oft irgendwo „hineingequetscht“ wirken oder so nah an Fußgängerwegen liegen, dass das zu Konflikten führen könnte.

Auch Parkplatzregelungen könnten überdacht werden. „Denn jeder Platz, der nicht mit parkenden Autos zugestellt ist, kann für andere Dinge genutzt werden.“ Parkplätze sehen auch Stephan Jansen und Martha Wanat von der Berliner Bicicli Holding als ein wichtiges Thema an. Untersuchungen zeigen, dass Autos oft 23 Stunden am Tag auf einem Parkplatz stehen und kaum genutzt werden, berichten die beiden in ihrem Vortrag. „Es gibt sogar Stellflächen, die vermoosen“, so Stephan Jansen. Und wieso? Parkplätze sind ein solch wertvolles Gut in Städten geworden, dass die, die einen ergattert haben, ihn am liebsten nicht mehr verlassen. 30 Prozent des Verkehrs in Städten sei der Suche nach Parkplätzen geschuldet. Mit dem Fahrrad ließe sich also auch eine Menge Zeit sparen.

Grundsätzlich sind Pendler, die mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, weniger gestresst, also gesünder und besser gelaunt. 25 Prozent weniger Krankenfehltage, 30 Prozent weniger Diabetes-Fälle haben Studien ergeben. Grund genug für Bicicli, genau dort anzusetzen und Arbeitgebern beispielsweise zu Diensträdern oder ganzen Radflotten zu raten. Problematisch ist eine per Studie nachgewiesene Treue zum lange genutzten Verkehrsmittel vieler Pendler, da dieses eben oft das Auto ist. Dieser Treue entgegenwirken könnten Aktionen wie eine Kooperation der Rheinbahn mit einem Radhersteller, die Stephan Jansen und Martha Wanat loben. Dabei erhalten Pendler, die die Rheinbahn nutzen, Ermäßigungen beim Kauf eines Klapprades. Das Umdenken in Düsseldorf hin zu mehr Fahrradnutzung dürfe nicht warten, bis alle Radwege hübsch gemacht sind, mahnt Beigeordnete Cornelia Zuschke. „Wir werden uns erst einmal auch mit Provisorien zufriedengeben müssen.“ Zwar habe die Diskussion um Diesel-Abgase den Prozess weiter angestoßen. Von heute auf morgen funktioniere das aber nicht.

© WhatsBroadcast

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