20-Jähriger war über die Trennung nicht hinweg gekommen. Er muss 40 Arbeitsstunden ableisten.

Düsseldorf. Wenn Liebe verschmäht wird, kann das böse Folgen haben: So genannte Stalker machen ihrem Ex-Partner das Leben zur Hölle. Seit zehn Monaten steht "Nachstellen" unter Strafe - gestern gab es vor dem Amtsgericht das erste Urteil. Frühere Fälle waren jedes Mal eingestellt worden.

Ein 20-Jähriger hatte seine 19 Jahre alte Ex-Freundin über Monate hinweg belästigt, verfolgt und beleidigt. Die Schülerin erstattete schließlich Anzeige.

Drei Jahre waren die beiden ein Paar - und die Trennung scheint keiner von beiden bis heute richtig überwunden zu haben. Besonders der 20-Jährige kam damit überhaupt nicht zurecht: Im Minutentakt bombardierte er sie mit SMS, lauerte ihr vor der Haustür auf oder rief mitten in der Nacht bei ihr an.

Begegneten sie sich, überschüttete er sie mit Beleidigungen. Einem angeblichen Nebenbuhler verpasste er auf offener Straße eine Ohrfeige. Die 19-Jährige traute sich zum Teil nicht mehr aus dem Haus, ließ sich von Freunden und Verwandten zur Schule begleiten.

"Ich bin krankhaft verliebt", räumte der Angeklagte, der in einem Callcenter arbeitet, freimütig ein. Die Beziehung zu seiner Verflossenen beschrieb er als ständiges Wechselbad der Gefühle: "Erst hat sie mir Hoffnung gemacht, dann war mein Herz wieder gebrochen." Angeblich waren sie bis vor drei Tagen noch liiert.

Dem widersprach die 19-Jährige: "Wir haben seit Wochen keinen Kontakt mehr." Die hübsche junge Frau wirkte hilflos: "Mein Herz sagt Liebe, mein Verstand Trennung." Sie habe ebenfalls Fehler gemacht und sich ambivalent verhalten, gab sie zu. Unter Tränen erzählte sie dem Gericht, dass sie von ihrem Ex regelmäßig geschlagen worden sei.

An einem Abend hinterließ er 165 Nachrichten auf dem Handy

Die Belästigungen nach der Trennung seien penetrant geworden: So habe der 20-Jährige an einem Abend 165 Nachrichten auf ihrem Handy hinterlassen. Auch die Mutter der 19-Jährigen leidet unter dem Zustand: "Jede Nacht bollert er lautstark an unsere Tür, wir wissen nicht weiter."

In einem Brief hat sich der junge Mann inzwischen schriftlich bei Mutter und Tochter entschuldigt. "Langsam habe ich es begriffen", sagte er.

Die Richterin zeigte sich gnädig und verhängte ein überaus mildes Urteil: Er muss 40 Arbeitsstunden ableisten und ein Anti-Aggressionstraining besuchen. Außerdem muss er sich verpflichten, eine Therapie zu machen. "Ihre Liebe hat krankhafte Züge", sagte die Richterin. "Deshalb ist helfen hier wichtiger als bestrafen." Ihr Tipp: Von der 19-Jährigen fernhalten und die Beziehung endgültig abhaken. "Das ist für alle Beteiligten das Beste."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer