Seit Jahren gibt es auf dem Platz eine offene Drogen- und Trinkerszene. Ein Bündnis kämpft mit Kultur und Sport dagegen an.

Oberbilk
Bezirksvertreter Dietmar Wolf auf dem Lessingplatz. Gemeinsam mit anderen Akteuren will er den Platz aufwerten.

Bezirksvertreter Dietmar Wolf auf dem Lessingplatz. Gemeinsam mit anderen Akteuren will er den Platz aufwerten.

Melanie Zanin

Bezirksvertreter Dietmar Wolf auf dem Lessingplatz. Gemeinsam mit anderen Akteuren will er den Platz aufwerten.

Düsseldorf. Vergangene Woche schlugen die Anwohner des Lessingplatzes in Oberbilk Alarm: In einem offenen Brief wandten sich rund 175 Anlieger an OB Dirk Elbers und kritisierten darin die vermeintlich zu laxe Haltung von Stadt und Polizei in Bezug auf die seit Jahren dort aktive Drogenszene. Offenes Dealen, immer mehr Kriminalität, ständiger Dreck und Lärm bis in die Nacht hätten ein Klima der Angst erzeugt. Zahlreiche Anwohner würde sich nicht mehr allein über den Platz trauen.

Hela Brehmer kann sich über derartige Aussagen nur wundern. Seit 30 Jahren wohnt Brehmer am Lessingplatz. „Und ich wurde noch nie angegangen.“ Natürlich habe auch sie schon Szenen beobachtet, die man sich nicht unbedingt in der eigenen Nachbarschaft wünscht, „aber ich fühle mich hier komplett wohl und sicher“, sagt die 65-Jährige, die im Gegenteil einen Aufwärtstrend festgestellt hat.

Für die Jugendlichen hat sich die Situation enorm verbessert

Brehmer gehörte lange Zeit zur Bürgerinitiative Lessingplatz (BILP), die sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Platz zu verschönern und lebenswerter zu machen. Denn dass es dort eine aktive Drogen- und Trinkerszene gibt, will auch die Initiative nicht verschweigen. „Natürlich ist das ein Problem, seitdem die Szene vom Hauptbahnhof vertrieben wurde“, weiß Martina Bicher von der BILP, aber auch sie hatte dort noch nie persönlich Probleme.

Ähnlich sieht das auch die Polizei. „Für uns ist der Lessingplatz kein Verbrechensschwerpunkt“, sagt ein Sprecher. Meist handele es sich um „gruppeninterne Taten wie Streitigkeiten mit Beleidigungen“. Die Polizei kümmere sich um die Dealer, „der Konsument ist nicht unsere Klientel“, heißt es von der Polizei, die auf die Streetworker verweist. „Drogensucht ist eine Krankheit und kein Fall für uns.“

Dietmar Wolf von der zuständigen Bezirksvertretung 3 will die Drogen- und Trinkerszene ebenfalls nicht überbewerten und verweist lieber auf die Erfolge der vergangenen Monate: Das Jugendamt tue mit seinen Sport- und Kulturangeboten mittlerweile viel für die Jugendlichen. Der Bolzplatz, auf dem es kostenloses Training durch das Projekt Rheinflanke gibt, wurde neu asphaltiert. Seit einigen Monaten gibt es einen wöchentlichen Bauernmarkt. Dazu auch Kunst- und Kulturaktionen mit den Kneipen der Umgebung.

Gemeinsam mit der BILP, dem Jugendamt, den Streetworkern, dem Seniorenheim, der Bezirksvertretung, den Anwohnern und anderen Gruppen aus der Nachbarschaft gibt es regelmäßig Runde Tische. „Wir wollen uns den Platz zurückerobern“, fordert Wolf. Das sieht auch Martina Bichler von der Bürgerinitiative so: „Wir freuen uns, dass jetzt einiges in Gang gekommen ist. Nur so geht es. Wir müssen das Gemeinschaftsgefühl weiter vorantreiben.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer