Kein einziger Flug am Wochenende: Taxifahrer klagen, Hoteliers jubeln.

Düsseldorf. Vor dem Eingang ins Terminal liegen gestapelte Koffer. Auf dem Bordstein sitzen Menschen rauchend in der Sonne. Auch in der Abflughalle des größten Flughafens in NRW herrscht an diesem Wochenende Ausnahmezustand - ruhiger Ausnahmezustand. Rund 1.000 Flieger sollten am Samstag und Sonntag abheben.

Doch die Aschewolke legt alles lahm. Eine 20-köpfige Gruppe Indonesier sitzt vor dem Emirates-Schalter auf dem Boden. "Wir müssen offenbar bis Mittwoch warten, um heimzufliegen", sagt Andreas Tonanta (29). "Und alle Hotels sind voll. Schlimmstenfalls schlafen wir im Terminal."

Das taten 50 Menschen in der Nacht zu Samstag. Auf Feldbetten neben den Gepäckbändern. In der Nacht zu Sonntag waren es noch 15. Allmählich richten sich die gestrandeten Passagiere ein.

Coradidi Abderahim aus Marokko war zur Messe Wire & Tube in Düsseldorf. Nun wartet er. Freitag, Samstag, Sonntag - immer auf demselben Platz im Terminal. "Mein Leben spielt sich nur noch zwischen Hotel und Flughafen ab", sagt er.

Höhere Gewalt - gestrandete Passagiere nehmen’s gelassen

Immer wieder bekam Abderahim ein neues Ticket für einen Flug, der schließlich doch annulliert wurde. Auch er muss wohl bis Mitte der Woche bleiben. "Ich gehe später einfach in die Altstadt", kündigt er an. Ähnlich entspannt sieht es Hagop Ohannessian aus dem Libanon, der den zweiten Tag am Flughafen verbringt. "Ich ärgere mich nicht. Was bringt das? Es liegt nicht in meiner Hand."

Diese Gelassenheit erlebt das drastisch reduzierte Personal am Flughafen immer wieder, sagt Sprecherin Sonja Schröder: "Die Leute verstehen, dass für diese Situation niemand anderes verantwortlich ist als der Vulkan Eyjafjalla." Manche sehen es sogar als Vergnügen: Leon Geusens ist mit seinem 14-jährigen Sohn Cedric extra aus Belgien angereist.

"Er wollte unbedingt sehen, wie es an einem geschlossenen Flughafen so ist", sagt der 45-Jährige. Und immerhin ist der Eintritt auf der Besucherterrasse an diesem Sonntag frei - schließlich gibt es kaum etwas zu sehen.

Wie für die Airlines ist die Aschewolke aber auch für den Flughafen mittlerweile kein Vergnügen mehr. "Der Schaden geht auch bei uns inzwischen in die Millionen", sagt Sonja Schröder. Finanzielle Sorgen plagen auch Taxifahrer Hassan Banaie: "Normalerweise stehen am Flughafen 500 Taxis, jetzt nicht einmal 50.

Wir sind froh, wenn wir genug verdienen, um unseren Kaffee zu bezahlen." Einem seiner Kollegen allerdings brachte Eyjafjalla Glück: Sein Großraumtaxi wurde von acht Personen für eine Fahrt nach Istanbul gebucht - für mehrere tausend Euro.

Und auch die Hoteliers jubeln: "Im Moment haben wir einen Gästeüberschuss", sagt Rainer Spenke vom Dehoga Nordrhein. Die Wochenenden seien in Düsseldorf sonst eher mau, weil da die Geschäftsreisenden ausblieben. Jetzt machen die Messegäste der vergangenen Woche hier Zwangsurlaub. Spenke: "Für die Hotellerie ist das natürlich nicht schlecht."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer