Harte Formulierungen im Stadtteil-Test ärgern OB Elbers, Debatte heute im Stadtteilparlament.

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Gesichter eines Stadtteils: Das Garather „Sonnenrad“ vor Wohnblöcken.

Gesichter eines Stadtteils: Das Garather „Sonnenrad“ vor Wohnblöcken.

Der Sinnesparcours am Anne-Frank-Haus. Archiv

Haus mit Garten: Hartmut Fischer im bürgerlichen Garath.

Schaller, Bernd (bes), Bild 1 von 3

Gesichter eines Stadtteils: Das Garather „Sonnenrad“ vor Wohnblöcken.

Düsseldorf. Mit einem schlechten Image kämpft Garath praktisch seit seiner Gründung vor 50 Jahren. Und doch versetzt harsche Kritik den südlichen Stadtteil noch in Empörung.

So der Artikel im aktuellen Heft „Düsseldorf für Kinder“ aus dem NDV-Verlag. Unter der Überschrift „Wo ist Düsseldorf kinderfreundlich?“ langt die Autorin beim Garath-Test mächtig hin: „Willkommen im Ghetto“, heißt es da (der Begriff steht heute für Viertel, in denen vor allem soziale Randgruppen leben).

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Gesichter eines Stadtteils: Das Garather „Sonnenrad“ vor Wohnblöcken.

Gesichter eines Stadtteils: Das Garather „Sonnenrad“ vor Wohnblöcken.

Der Sinnesparcours am Anne-Frank-Haus. Archiv

Haus mit Garten: Hartmut Fischer im bürgerlichen Garath.

Michaelis, Schaller, Bild 1 von 3

Der Sinnesparcours am Anne-Frank-Haus. Archiv

Bitterböse wird die vermeintliche Bevölkerungsstruktur analysiert: „35 Prozent Alleinerziehende, von denen die Hälfte Hartz IV bezieht, führen zu einer absurden – von Generation zu Generation weitergeführten – Tradition als Sozialhilfeempfänger. Trauriger geht es kaum.“

Verlag entschuldigt sich: Nächste Ausgabe wird differenzierter

Unsachlicher auch nicht, finden nun Kritiker. Dass viele Garather nur „aus reiner Not“ lange in ihrem Stadtteil blieben, empört Fred Puck, den Vorsitzenden der Bürger- und Interessengemeinschaft Garath: „Eine Unverschämtheit. Wenn ich ein Stadtteilportrait schreibe, recherchiere ich doch“, sagt er. Die Konstanz resultiere daraus, dass die Bewohner mit ihrem Stadtteil zufrieden seien.

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Gesichter eines Stadtteils: Das Garather „Sonnenrad“ vor Wohnblöcken.

Gesichter eines Stadtteils: Das Garather „Sonnenrad“ vor Wohnblöcken.

Der Sinnesparcours am Anne-Frank-Haus. Archiv

Haus mit Garten: Hartmut Fischer im bürgerlichen Garath.

Michaelis, Judith, Bild 1 von 3

Haus mit Garten: Hartmut Fischer im bürgerlichen Garath.

Wellen schlägt das Magazin vor allem deshalb, weil es von der Stadt unterstützt wird. Oberbürgermeister Dirk Elbers, der im Heft mit einem großen Interview aufwartet, ist stocksauer: „Die Darstellung von Garath ist inakzeptabel, sachlich falsch, manche Passagen zudem geschmacklos und menschenverachtend“, erklärt er.

Tatsächlich gibt es in Garath ein breites Angebot für Kinder, das auch das Magazin auflistet, darunter: 13 Kindertagesstätten, fünf Grundschulen (eine Montessori) und natürlich die beliebte Freizeitstätte Garath.

Am Donnerstag wollen wir bei WZ mobil Ihre Meinung zu Garath hören (12-13 Uhr, „Blume von Garath“ im Einkaufszentrum West). Sie können uns auch faxen (83 82-22 38) oder mailen: redaktion.duesseldorf@westdeutsche-zeitung.de

Und fordert den NDV-Verlag auf, die gesamte Auflage einzuziehen: „Eine Entschuldigung reicht nicht. Es ist unverantwortbar, dieses Heft noch ein Jahr im Handel zu haben.“

Der Neusser Verlag backt kleine Brötchen, entschuldigt sich unter dem Titel „Garath ist kein Ghetto“ und pocht nicht auf den Grundsatz der Pressefreiheit. Der „Bericht einer freien Autorin“ stelle nicht die Meinung von Redaktion und Verlag dar. In der nächsten Ausgabe des Hefts werde man „differenziert(er) auf die Situation in Garath eingehen“.

Insgesamt versucht die Heftreihe, alle Stadtteile realistisch abzubilden und allzu plumpe Schönfärberei zu vermeiden. Insofern finden sich dort seit Jahren herbe Urteile.

Über Flingern-Süd heißt es etwa: „Wer hier wohnt, kann sich keine bessere Wohngegend leisten.“ Zum vornehmen Oberkassel: „Man muss sich an einen gewissen Lifestyle gewöhnen, der zeigefreudig zelebriert wird.“ Und über Rath und Mörsenbroich fällt das unwahre Pauschalurteil: „Hier bezieht ein Großteil Hartz IV.“

„Die Menschen sind es satt, ständig stigmatisiert zu werden“, sagt Garaths Bezirksvorsteher Klaus Mauersberger. Deshalb ist der Artikel heute auch Thema in der Bezirksvertretung 10. Er lädt die Verfasserin zum Stadtteilrundgang ein. Denn: „Das ist die einzige Möglichkeit, Klischees aus den Köpfen heraus zu bekommen.“

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