"Wir sind hier in Deutschland": Eine Zuschauerin forderte nach dem Ballettabend b.32 vom Chefchoreographen eine deutsche statt einer englischen Ansprache.

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Seit 2009 in Düsseldorf und überaus erfolgreich: Martin Schläpfer.

Seit 2009 in Düsseldorf und überaus erfolgreich: Martin Schläpfer.

Gert Weigelt

Seit 2009 in Düsseldorf und überaus erfolgreich: Martin Schläpfer.

Düsseldorf. Ingrid Schmidt ist noch immer verärgert. Seit 30 Jahren ist die Düsseldorferin Opernbesucherin und als Premierenabonnentin hat sie am vergangenen Freitag auch den Ballettabend „b.32“ in der Rheinoper gesehen. Als bei der anschließenden Feier der Chefchoreograph Martin Schläpfer das Mikrofon ergriff und auf Englisch zu sprechen begann, hat sich Schmidt zu Wort gemeldet.

„Ich kann kein Englisch und wir sind hier in Deutschland. Herr Schläpfer kann Deutsch“, wiederholt sie auf Nachfrage ihre Forderung des Abends, Deutsch zu sprechen. Darauf sei die Situation eskaliert, Schläpfer habe für sich das Recht beansprucht, Englisch zu sprechen. Als sich der niederländische Choreograph Hans van Manen eingeschaltet habe, habe sie das „als tragisch“ empfunden. „Anschließend hat mir Herr Meyer gesagt, ich hätte das Opernhaus blamiert und ich könne ja Englisch lernen. Das hat mich sehr geärgert.“

Viele internationale Gäste

Opernintendant Christoph Meyer lässt das nicht auf sich sitzen und erklärt seine Sicht: „Herr Schläpfer hat als erstes explizit um Entschuldigung dafür gebeten, dass er wegen der Anwesenheit zahlreicher internationaler Gäste ausnahmsweise Englisch sprechen werde.“ Auch sein Hinweis auf die Internationalität von Oper und Ballett habe die Dame nicht davon abhalten können, darauf zu bestehen, dass in Deutschland kein Englisch gesprochen werden solle. „Die Art und Weise dieser Störung wurde in der Tat von vielen Gästen sichtbar als peinlich empfunden.“ Auch späteren Vermittlungs- und Beschwichtigungsversuchen im direkten persönlichen Gespräch sei sie unzugänglich gewesen.

Ingrid Schmidt hofft indes, dass es eine Annäherung zwischen der Opernleitung und ihr gibt. Im Nachhinein wolle sie die Angelegenheit nicht weiter „hochschrauben“. tro

© WhatsBroadcast

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