Katharina und Hans Kühlem sind Ur-Düsseldorfer und ziemlich lange ein Liebespaar: Sie feiern jetzt ihre Eiserne Hochzeit.

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So heirateten die beiden vor 65 Jahren. Hans Kühlem in einem Leinen-Sakko aus einem Betttuch und mit Priem im Mund.

So heirateten die beiden vor 65 Jahren. Hans Kühlem in einem Leinen-Sakko aus einem Betttuch und mit Priem im Mund.

Katharina Kühlem (87) und ihr Hans (92) sind noch immer glücklich.

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So heirateten die beiden vor 65 Jahren. Hans Kühlem in einem Leinen-Sakko aus einem Betttuch und mit Priem im Mund.

Düsseldorf. Als Hans Kühlem seine Katharina 1943 zum ersten Mal sah, machte es alles andere als „klick“. „Sie war 18 und pickelig.“ Auch sie dachte nicht recht viel schmeichelhafter über den jungen Knaben, den Bruder ihrer Freundin, der gerade von der Front zum Heimatbesuch gekommen war: „Er war sehr eilig – hatte wohl ein Rendezvous. Ich dachte, was ist das für ein Lackaffe.“ Es war eine Liebe auf den zweiten Blick. Aber eine große. Am Donnerstag feierten Hans und Katharina Kühlem ihren 65. Hochzeitstag – die Eiserne Hochzeit.

Besonders ist aber nicht nur, dass die beiden es geschafft haben, so lange ein Paar zu sein. Sie sind auch Ur-Düsseldorfer. Hans Kühlem, der heute 92 Jahre alt ist, wuchs in Flingern auf, spielte jahrelang in der A-Jugend von Fortuna. Erlebte seinen Verein als Meister. Katharina war Golzheimerin. Heute leben sie schon seit Jahrzehnten in Kaiserswerth. Dabei hätte der Krieg dieser Liebe, die damals noch keine war, fast den Garaus gemacht.

Drei Jahre verbrachte Hans Kühlem in Kriegsgefangenschaft

Kurz nach Hans’ Heimataufenthalt hieß es, er sei gefallen. Katharina Kühlem erinnert sich noch gut, wie ihre Freundin, die Schwester des Verschollenen, nur noch Schwarz trug. „Nach acht Wochen kam dann ein Brief von ihm aus den USA. Aus der Kriegsgefangenschaft.“

Drei Jahre lang blieb Hans Kühlem in den Staaten, wurde dann nach Frankreich gebracht, um Aufbauhilfe zu leisten. „Da wäre ich fast verhungert“, berichtet er. Also floh er. Auf seinem Marsch schlug er sich ins Brennnessel-Dickicht, durchquerte einen Bach und ließ sich dann von einem Lkw der Amerikaner mitnehmen, bei denen es in der Gefangenschaft zumindest etwas zu essen gab. Ende 1946 kehrte Hans Kühlem heim.

Zum zweiten Treffen der heutigen Eheleute kam es wieder auf Umwegen. Katharinas Familie war ausgebombt worden, das Mädchen – jetzt Anfang 20 – ging ins Siegerland. Und suchte dort jemanden, der ihr Ausweichquartier tapezieren konnte. Hans, gelernter Maler- und Lackierer, kam. Er arbeitete, sie kochte für ihn. „Es gab Reibekuchen!“, erinnert sich der 92-Jährige noch heute. Und sie gingen gemeinsam ins Kino. An Silvester sahen sie sich in Düsseldorf wieder. „Ich brachte Mehl und Stachelbeeren mit“, sagt Katharina Kühlem. „Die hatten hier ja nichts – und im Siegerland gab es wenigstens Landwirtschaft.“ Sie machte süße Knödel. „Und er hat neun Klöße verdrückt“, sagt sie und lacht ihren Mann an. „Uns hat der Hunger zusammengebracht.“ Nur ein halbes Jahr später heirateten die beiden.

Katharina Kühlem war mit 87 noch nie im Krankenhaus

Als Eiserne Hochzeit wird heute der 65. Hochzeitstag bezeichnet.

Goldene Hochzeiten (50 Jahre) werden angeblich schon seit der Zeit um 1600 gefeiert. Das nächste Jubiläum für Hans und Katharina Kühlem ist in fünf Jahren die Gnadenhochzeit zum 70. Hochzeitstag.

Das Leben der beiden blieb aufregend – aber jetzt war aller Trubel gewollt. Hans und Katharina Kühlem liebten Reisen in den Süden, nach Spanien, Italien, in die Türkei. Zwei Töchter hat das Paar – und mehrere deutsch-türkische „Enkel“, denen Katharina Kühlem Nachhilfeunterricht gegeben hat, und die zu ihr heute Oma sagen. Nicht nur die Gefühle für einander sind fit geblieben: Beide leben noch ohne Hilfe in ihrem eigenen Haus, Katharina Kühlem war mit 87 Jahren noch nie im Krankenhaus. Ihr Rezept: „Ich habe nie geraucht, nie getrunken und bin nie fremdgegangen.“

Ein Rezept für die lange Liebe indes kennen beide nicht. „Der Eine kann nicht ohne den Anderen“, beschreibt Katharina Kühlem die Beziehung heute. Kulinarik aber spielt noch immer eine große Rolle: Jeden Freitag gehen die beiden zusammen Fisch essen. „Essen verbindet – und am liebsten mag ich, was sie kocht“, sagt Hans Kühlem. Manchmal ist es eben doch ganz einfach, das Rezept für Liebe.

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