Auch acht Jahre nach Einführung des Euro geben Düsseldorfer noch über sechs Millionen D-Mark pro Jahr ab.

Marion Radisch sammelt die Scheine, die in ihrem Kiosk eingezahlt werden.
Marion Radisch sammelt die Scheine, die in ihrem Kiosk eingezahlt werden.

Marion Radisch sammelt die Scheine, die in ihrem Kiosk eingezahlt werden.

C&A-Geschäftsführer Thomas Overhaus hält immer noch einige D-Mark-Scheine in der Kasse des Kaufhauses vor. (Fotos (2): Stefan Arend)

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Marion Radisch sammelt die Scheine, die in ihrem Kiosk eingezahlt werden.

Düsseldorf. Es wäre eine knifflige Frage bei Günther Jauch, vielleicht sogar die für die Million: Wer war auf dem 100-Mark-Schein? Antwort: Clara Schumann, Komponistin und Frau von Robert Schumann.

Seit acht Jahren bezahlen wir jeden Einkauf und jede Rechnung in Euro, und die vergleichsweise kleinen D-Mark-Scheine sind beinahe in Vergessenheit geraten. Oder etwa nicht?

Im Jahr 2009 brachten die Düsseldorfer rund sechs Millionen D-Mark zur hiesigen Hauptverwaltung der Bundesbank in die Berliner Allee. Knapp 16000-mal wurden noch Deutsche Mark in Euro getauscht.

"Täglich werden im Schnitt 50 bis 60 Mark bei uns abgegeben", sagt Bundesbank-Sprecher Uwe Deichart. "Die Leute finden Geld in alten Klamotten und Glückwunschkarten oder in der Küchenschublade nach Haushaltsauflösungen." 99 Prozent werden durch Privatleute gebracht, den Rest tauschen Unternehmen ein. Das lasse aber immer weiter nach.

Einkaufen, Essen gehen und telefonieren geht noch mit D-Mark

Trotzdem gibt es in Düsseldorf Läden, in denen noch mit der guten alten und bekanntlich besonders "harten" D-Mark bezahlt werden kann. "Wir nehmen jeden Monat noch eine vierstellige Summe in Mark ein", sagt Thomas Overhaus, Geschäftsführer von C&A an der Schadowstraße. Großen Aufwand bedeutet das Zahlen in der alten Währung nicht. "Wir stellen die Kasse per Knopfdruck auf Mark um. Ein bisschen altes Geld ist am Ende der Woche immer zu finden."

Weltweit sind noch etwa 13,7 Milliarden D-Mark in Umlauf, davon 6,7 Milliarden in Scheinen. Jährlich werden über 30 Millionen davon eingetauscht.

Der Tausch gegen Euro ist auf unbegrenzte Zeit bei der Filiale der Bundesbank in der Berliner Allee 14 möglich. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 8.15 Uhr bis 13 Uhr.

Auch der Kiosk von Familie Radisch an der Luegallee nimmt noch D-Mark in Zahlung. Selbst wenn nur selten Kunden mit alten Scheinen kommen, soll das so bleiben. "Zu Jahresbeginn hatten wir zwei Leute, die mit Mark bezahlt haben, aber das ist seit 2003 eher die Ausnahme", sagt Inhaberin Marion Radisch, die das alte Geld in einem Portemonnaie aufhebt und gesammelt zur Bank bringt.

Gastwirt Frank Kolinsky aus Gerresheim bietet im Restaurant "Im Alten Steinweg 9" regelmäßig Gerichte an, die in Mark bezahlt werden sollen. Und Düsseldorfer Münztelefone akzeptieren immer noch das "Altmetall" von vor 2002.

An anderer Stelle wird die Mark nicht mehr oder nur noch zu speziellen Zeiten akzeptiert. "Zu unserem 100-jährigen Bestehen im April 2009 hatten wir eine D-Mark-Aktion, sonst nehmen wir sie nicht mehr", erklärt Günther Knie, Chef vom Kaufhof an der Kö. Gleiches gilt für Karstadt. "Es wird aber von den Kunden auch kaum einmal danach gefragt", sagt Sprecherin Sylvia Vergölts.

Wie lange die D-Mark noch in Umlauf bleibt, können auch Fachleute schwer einschätzen. "Es ist ein langsamer, aber kontinuierlicher Trend nach unten zu erkennen", sagt Bundesbank-Sprecher Uwe Deichart. "Die Summe des bei uns getauschten Geldes ist seit dem Jahr 2006 um etwa zwei MillionenMark gesunken." Die Möglichkeit, die alte Währung umzutauschen soll aber auf unbegrenzte Zeit erhalten bleiben.

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