Auch Zahnärzte und Friseure arbeiten zu später Stunde.

Pauline Bleichert arbeitet bis Mitternacht im Supermarkt Comet an der Himmelgeister Straße.
Pauline Bleichert arbeitet bis Mitternacht im Supermarkt Comet an der Himmelgeister Straße.

Pauline Bleichert arbeitet bis Mitternacht im Supermarkt Comet an der Himmelgeister Straße.

Bernd Schaller

Pauline Bleichert arbeitet bis Mitternacht im Supermarkt Comet an der Himmelgeister Straße.

Düsseldorf. Es ist kurz vor 24 Uhr, Kassiererin Pauline Bleichert rückt die Zeitschriften nahe der Kasse zurecht. Viel zu tun hat sie an diesem Abend nicht: "Normalerweise ist mehr los", sagt sie. "Meist sind es junge Leute, die spätabends noch Besorgungen machen."

Seit November hat Bleicherts Arbeitgeber, der Comet an der Himmelgeister Straße in Bilk, bis 24 Uhr geöffnet - und macht damit Kiosk und Tankstelle Konkurrenz. Für den Supermarkt lohnen sich die verlängerten Öffnungszeiten. Um zehn Prozent ist der Umsatz seitdem gestiegen, berichtet Inhaber Andreas Fircho: "Viele Schichtarbeiter von Rheinbahndepot und Uniklinik kaufen nachts bei uns ein. Außerdem Studenten. Die Wohnheime liegen ja in der Nähe."

Für die Schichten ab 22 Uhr hat Fircho zwei neue Mitarbeiter eingestellt, sie bekommen einen Nachtzuschlag. Sie zu finden, sei nicht schwer gewesen: "Viele Frauen wollen nachts arbeiten, damit sie tagsüber für die Familie da sein können."

Fircho ist nicht der einzige, der zu später Stunde Geschäfte macht. Immer mehr Dienstleister sind nachts aktiv. Zum Beispiel Daniel Benz vom Friseursalon Kinky Cutters an der Roßstraße. In der Woche hat er bis 20 Uhr, freitags bis 21 Uhr geöffnet. Damit ist sein Arbeitstag längst nicht vorbei. Auf seinem Handy ist Benz rund um die Uhr erreichbar. Immer wieder melden sich Frauen, die sich selbst die Haare gefärbt haben und mit der neuen Frisur am nächsten Tag keinesfalls am Arbeitsplatz erscheinen wollen: "Dann kann es vorkommen, dass ich noch nach 22 Uhr im Salon bin", sagt Benz. Generell verlegten immer mehr Kunden den Termin beim Friseur in den späten Abend: "Zu uns kommen viele Kunden, die in der Werbebranche tätig sind", sagt Benz. "Viele finden tagsüber nicht die Zeit."

Um 19 Uhr in die Kirche und danach ins Schwimmbad

Bis spät in die Nacht arbeiten auch die Zahnärzte der Praxisgemeinschaft "Die Zahnärzte". Bis 24 Uhr behandeln sie wochentags. Auch dort nutzen vorwiegend Berufstätige das Angebot. "Viele der Patienten kommen zu uns, weil sie auf der Arbeitsstelle nicht fehlen möchten", sagt Sprecherin Britta Hoffmann. Ein Vorteil sei zudem, dass die Patienten nach schwierigen Behandlungen sofort ins Bett fallen könnten. "Am nächsten Tag sieht die Welt schon wieder anders aus."

Auf zunehmend längere Arbeitstage reagiert haben auch die Kirchen. "Choral Evensong" nennt sich zum Beispiel der Gottesdienst, der einmal im Monat freitags um 19 Uhr in der Johanneskirche stattfindet. "Nur abends haben heute viele Arbeitnehmer die Muße, um in die Kirche zu gehen", berichtet Pfarrer Hans Lücke.

Ähnlich die Situation in den Schwimmbädern. Bis 23 Uhr hat zum Beispiel das Schwimmbad "Düsselstrand" an der Kettwiger Straße in der Woche geöffnet. Regelmäßig lockt Leiter Thomas Schwarz Schwimmer mit nächtlichen Angeboten wie der Mitternachtssauna ins Bad und sagt: "Die Nachfrage ist groß."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer