Der neueste Krimi von Horst Eckert spielt in Düsseldorf und Berlin – und in den Verstrickungen von Wirtschaft und Politik. Unser Autor hat das Buch bereits gelesen.

Der neueste Krimi von Horst Eckert spielt in Düsseldorf und Berlin – und in den Verstrickungen von Wirtschaft und Politik. Unser Autor hat das Buch bereits gelesen.
So idyllisch sieht der Unterbacher See am Abend aus. In Horst Eckerts Roman wird an dessen Ufer eine Frauenleiche gefunden. Archiv

So idyllisch sieht der Unterbacher See am Abend aus. In Horst Eckerts Roman wird an dessen Ufer eine Frauenleiche gefunden. Archiv

Horst Eckert schreibt Kriminalromane.

Judith Michaelis/Kathie Wever, Bild 1 von 2

So idyllisch sieht der Unterbacher See am Abend aus. In Horst Eckerts Roman wird an dessen Ufer eine Frauenleiche gefunden. Archiv

Düsseldorf. Sarah Wolf verliebt sich in Christian Wagner. Sie eine junge Fernsehjournalistin, die mit Polit-Talkshows Furore macht. Er der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium. Sie arbeitet für TV in Düsseldorf, er in Berlin. Eine Lovestory, die auf beruflichem Terrain beginnt und von Anfang an zahlreiche Geheimnisse in sich trägt. Als der SPD-Politiker Wagner, der seinen Ortsverein in Recklinghausen hat, plötzlich erhängt aufgefunden wird – an einer Sprossenwand in seiner Berliner Wohnung – da setzt ein Thriller ein. Über 400 Seiten entwickelt er sich und wächst sich zu einer spannenden politischen Kriminalgeschichte aus. Es ist das neue Buch von Horst Eckert, der es heute in der Mayerschen Buchhandlung auf der Königsallee vorstellt und daraus vorliest.

Zwischen Berlin und Düsseldorf spielt der Krimi, mit Abstechern nach Münster, Recklinghausen und Afrika. Wie schon bei seinem letzten Opus „Wolfsspinne“ überzeugt Eckert auch in „Der Preis des Todes“ als Könner in Sachen Politthriller. Das Dasein von Wagner – anfangs ein Mann mit weißer Weste – wird im Laufe der Ermittlungen immer undurchsichtiger. Ob er Lobbyist war? Und verwickelt in unsaubere Pharmazie-Geschäfte, oder bei Flüchtlings-Abschiebungen eine Rolle spielte? All das schwebt von Anfang an über den Befragungen. Zumal es wohl eine Verbindung zwischen ihm und einer Frau gibt, deren Leiche am Unterbacher See gefunden wurde.

Der in Düsseldorf lebende Eckert zeigt sich als Erzähler, der geschickt mehrere Handlungsstränge und -orte verwebt. Und dabei stets politisch bleibt. Wenn auch viele Szenen in Düsseldorf, in TV-Studios und Polizeipräsidium, in Unterbilk und anderen Stadtteilen, spielen, so ist „Der Preis des Todes“ alles andere als ein Düsseldorf-Krimi.

Eine der Wendungen im Verlauf der Geschichte wirkt etwas konstruiert

Entscheidend ist, dass die engagierte Enthüllungs-Journalistin Sarah Wolf, die Freundin des Toten, in Düsseldorf lebt und zur Neben-Ermittlerin mutiert. Sie hat einen guten Riecher für auffällige Personen, die sie am Tag des Mordes in Berlin sah. Und zwar vor der Wohnungstür des Staatssekretärs, den sie in ihrer Talkshow interviewen wollte, der aber nicht erscheint. Ihre Gefühle für Wagner hindern sie nämlich nicht daran, seine Machenschaften zu enthüllen. Eine Konstellation, die im Laufe des Romans für zahlreiche Verwicklungen und psychologische Verstrickungen sorgt. Sie lässt keine Ruhe, glaubt nicht an simple Erklärungsmodelle, schon gar nicht an die Selbstmord-Theorie. Sie bohrt und geht dabei nicht auf Nummer sicher.

Psychologisch beleuchtet werden ihre Aufarbeitung der Liebesbeziehung mit tragischem Ausgang und ihre Zweifel, die sie nicht zur Ruhe kommen lassen. Eingebettet ist der Thriller in Sarah Wolfs beruflichen Kampf mit der Chefetage des öffentlich-rechtlichen Senders, der ihren Talkshow-Vertrag nicht verlängern will. Ihr Charakter als engagierte Kämpferin für die Wahrheit und verantwortungsbewusste Chefin ihrer Mitarbeiter erscheint streckenweise überhöht. Er passt aber in das Gefüge einer aktuell brisanten und sorgfältig recherchierten Enthüllungs-Geschichte, die die Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft aufzeigt. Denn das Pharma-Unternehmen Samax, so die Ermittlungen, entlarvt sich als alles andere als Retter der Menschheit.

Ein wenig konstruiert wirkt, dass sich der ermittelnde Kommissar Paul Sellin als ihr Vater entpuppt. Der von seiner ersten Frau (Sarah Wolfs Mutter) geschiedene Kripobeamte (er hatte Frau und Tochter sitzen lassen) hatte jahrzehntelang keinen Kontakt zu seiner Tochter. Und kommt, man ahnt es schon, als kranker Mann im Laufe der Mord-Untersuchungen seiner Tochter näher. Und das, obwohl Sarah als junges Mädchen geschworen hatte, ihren Vater nie wiederzusehen. Man weiß, wie gerne in zahlreichen TV-Krimis die Handlungen mit Familientragödien der ermittelnden Beamten angereichert werden. Wer sich daran nicht stört, wer sich indes für investigative Journalisten interessiert, die mit der Kripo kooperieren, manchmal auch auf eigenes Risiko arbeiten – der wird Gefallen an diesem überwiegend flüssig geschriebenen Buch finden.

Der neueste Krimi von Horst Eckert spielt in Düsseldorf und Berlin – und in den Verstrickungen von Wirtschaft und Politik. Unser Autor hat das Buch bereits gelesen.

Horst Eckert schreibt Kriminalromane.

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