26 Familien haben zusammen ihre Siedlung in Gerresheim gestaltet. Gemeinschaft ist auch räumlich fest im Konzept eingeplant.

Im Gemeinschaftsraum: Sophia (4), Clara (10), Yoshiya (8) und Martine Richli (eine der Initiatorinnen des Projektes). Im Hintergrund spielen weitere Bewohner Tischtennis.
Im Gemeinschaftsraum: Sophia (4), Clara (10), Yoshiya (8) und Martine Richli (eine der Initiatorinnen des Projektes). Im Hintergrund spielen weitere Bewohner Tischtennis.

Im Gemeinschaftsraum: Sophia (4), Clara (10), Yoshiya (8) und Martine Richli (eine der Initiatorinnen des Projektes). Im Hintergrund spielen weitere Bewohner Tischtennis.

Melanie Zanin

Im Gemeinschaftsraum: Sophia (4), Clara (10), Yoshiya (8) und Martine Richli (eine der Initiatorinnen des Projektes). Im Hintergrund spielen weitere Bewohner Tischtennis.

Düsseldorf. Karin Wichelhaus hat gekocht: Reis mit Hähnchen und Paprika gibt es zum Mittagessen. Doch der Tisch ist nicht nur für ihre eigenen Kinder gedeckt: Denn zum Mittagstisch des Projekts „Qbus“, kurz für das Quartier Quellenbusch, kommen jeden Tag einige Kinder aus der Nachbarschaft. Bei dem Mehrgenerationen-Projekt soll die Gemeinschaft gelebt werden.

Karin Wichelhaus wohnt in einer der 27 Parteien des Wohnhauses an der Halleschen Straße in Gerresheim. Aber sie leben nicht nebeneinander her, so wie es in einer Großstadt für gewöhnlich abläuft. „Wir haben uns bei der Entscheidung für dieses Wohnen gefragt, wie wir leben möchten, wenn wir älter sind“, sagt Karin Wichelhaus.

Zehn der 26 Familien wohnten schon vorher gemeinsam in einem Wohnprojekt für junge Familien, allerdings zur Miete. Die Kinder kamen so langsam in das Teenager-Alter und die Eltern wollten Eigentum. Weitere Familien haben sich ihnen angeschlossen, viele mit noch sehr kleinen Kindern.

Dann startete die Planungsphase. „Bei unseren wöchentlichen Treffen damals war es schon so, dass die älteren Kinder auf die ganz Kleinen aufgepasst haben“, sagt Karin Wichelhaus. Drei Jahre lang traf sich die Baugruppe jeden Montag und an einigen Wochenenden, um ihr neues Heim zu planen. Jede Familie konnte die eigene Wohnung mithilfe eines Architekten nach Budget und Geschmack gestalten. Sowohl der Schnitt, als auch die Größen waren variabel. Die einzelnen Wohnparteien sind zwischen 76 und 165 Quadratmetern groß. Im Jahr 2013 war der Bau mit einem klimafreundlichen Energiekonzept bezugsfertig.

Das Herzstück der Wohnsiedlung ist ein Gemeinschaftsraum. Hier trifft man sich – und zwar nicht nur zum Plausch unter Nachbarn, sondern unter Freunden. Es gibt nicht nur eine große Küche für den Mittagstisch, sondern auch einen großen Aufenthaltsraum mit einer Tischtennisplatte. Hier wird sich spontan oder geplant zu Feiern verabredet, zum Yoga oder auch zum Fußballgucken.

Es gibt zahlreiche Gemeinschaftsräume

Es gibt regelmäßig Vorträge über diese Art des Zusammenlebens. Der nächste Termin ist am Sonntag, 13. März von 15 bis 17 Uhr im Stadtmuseum an der Berger Allee 2. Mit Bewohnern bestehender Projekte werden Fragen bezüglich besonderer Wohnformen geklärt. Außerdem wird die Serviceagentur für neue Wohnformen in Düsseldorf vorgestellt, die es seit Anfang des Jahres gibt.

Leitfaden für Wohnprojekte in Düsseldorf: www.duesseldorf.de/wohnen/wohnen_in_gemeinschaft

In der Siedlung herrscht eine dörfliche Struktur: Es gibt einen großen Gemeinschaftsgarten mit kleinem Spielplatz und einem gemeinsamen Kaninchenstall. Direkt neben der Tiefgarage gibt es einen großen Fahrradkeller und eine dazugehörige Fahrradwerkstatt. Auch ein Jugendraum und ein gemeinsamer Waschkeller sind vorhanden.

Insgesamt wohnen 91 Personen in der Siedlung. Die Altersklassen sind weit gestreut. Elisabeth Gutjahr ist mit 61 Jahren die Älteste Bewohnerin: „Ich bin hier die Projekt-Oma“, sagt sie. Sie wohnt alleine und hat sich bewusst für diese Art des Zusammenlebens entschieden: „Zusammenleben heißt Rückhalt geben und Rückhalt bekommen. Das ist mir wichtig.“

Der Verein „Wohnen mit Kindern“ fördert die Idee und bringt die Familien zusammen. Martine Richli ist Vorsitzende des Vereins und wohnt selbst mit ihrem Mann und ihrem 16-Jährigen Sohn in der „Qbus“-Siedlung. Sie sieht an ihrem eigenen Bekanntenkreis, dass Zusammenleben am Ende für alle eine Entlastung ist: „Jeder unterstützt sich gegenseitig, wo er kann. Dadurch regelt sich vieles von alleine“, sagt die 52-Jährige.

Dass es in so einer Gemeinschaft auch mal Probleme mit sich bringt ist unausweichlich. Bewohner Marius Laleike ist sich darüber bewusst, wie viele unterschiedliche Charaktere bei dem Zusammenleben aufeinander prallen. „Wir ticken nicht alle gleich“, sagt der 47-Jährige. Aber alle verbinde eins ganz besonders: „Uns alle hält die Idee der Gemeinschaft zusammen.“

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