Das ehemalige Horten-Haus ist im Gespräch als neuer Ort für die Bücherei. Ob die Fassade erhalten bleibt, ist unklar. Sie ist ein Markenzeichen.

Der Letzte macht die Tür zu: Dieses Foto zeigt die Fassade des Horten–Hauses in Krefeld im Juni – inzwischen ist sie entfernt worden.
Der Letzte macht die Tür zu: Dieses Foto zeigt die Fassade des Horten–Hauses in Krefeld im Juni – inzwischen ist sie entfernt worden.

Der Letzte macht die Tür zu: Dieses Foto zeigt die Fassade des Horten–Hauses in Krefeld im Juni – inzwischen ist sie entfernt worden.

Andreas Bischof

Der Letzte macht die Tür zu: Dieses Foto zeigt die Fassade des Horten–Hauses in Krefeld im Juni – inzwischen ist sie entfernt worden.

Düsseldorf. Wer kennt sie nicht, die typische Wabe in den Fassaden der ehemaligen Horten-Kaufhäuser in Deutschland?

Seit den 1960er Jahren gilt die Form der einzelnen Teile der Fassade, auch „Hortenkachel“ genannt, und somit auch die komplette Ansicht, als eine Art „Corporate Design“.

Jeder wusste damals – und die meisten heute noch: das ist ein Horten-Kaufhaus. Auch an der Ecke Berliner Allee/Graf-Adolf-Straße ist dieses Markenzeichen weithin sichtbar.

Konzernchef Horten setzte seinerzeit allen Ehrgeiz daran, sein Markenzeichen nicht nur an der Fassade stets präsent zu haben. Auf den Tragetüten wurden die „Hortenkacheln“ ebenfalls wie ein Marken-Logo neben dem Schriftzug verwendet.

Die Form der Kachel soll auch eine Nachbildung des Buchstaben „H“ sein. Der Architekt Egon Eiermann (1904-1970) wandte die „vorgesetzte abstrakte Fassade“ – eine Idee, die Horten aus den USA her kannte – 1961 für ein Kaufhaus in Stuttgart im Auftrag der Horten AG an.

Laut Wikipedia ist das Grundmaß der Horten-Kachel 50 mal 50 Zentimeter. Die Tiefe beträgt 15 bis 20 Zentimeter.

Anfänglich wurden die Kacheln aus Keramik, später aus Aluminium hergestellt.

So wurde es möglich, auf Fenster zu verzichten und man konnte im Inneren ein Höchstmaß an Stellflächen erreichen. Klimaanlagen oder andere Unansehnlichkeiten konnten so ebenfalls kaschiert werden.

In Regensburg ging’s los: Der Streit um die Kachel-Fassade

Die Kachel- oder Wabenform war nicht unumstritten. 1972 gab es in Regensburg einen großen Krach, weil Horten seine Kachel-Fassade vor eine vorhandene klassizistische Fassade „klebte“. Und 1974 hatte Lübecks Bausenator große Einwände, weil auch die Optik des Umfelds damit verschandelt würde.

Thema des Tages:  Das Horten-Haus

In anderen Städten rumorte es ebenfalls, wenn es um die Kachel-Fassaden ging. Schließlich hatten die Verantwortlichen im Horten-Konzern ein Einsehen und fortan sollten die Horten-Warenhäuser keine Fremdkörper in der Stadtgestaltung mehr sein. In Bielefeld oder Hamburg-Wandsbek wurden die Horten-Häuser Ende der 1970er Jahre dann schon verklinkert.

Lang ist’s her. Inzwischen haben sich die Vorzeichen umgekehrt: Beim Abriss eines ehemaligen Horten-Kaufhauses in Krefeld entbrannte jüngst ein Streit um die Denkmalwürdigkeit der „Hortenkacheln“ beziehungsweise die Frage, wer denn diese Form eines Fassaden-Bauteils erfunden und mit welchem Material hergestellt hat.

In Krefeld soll 1966 Architekt Helmut Hentrich (1905-2001), ein gebürtiger Krefelder, diese Kachel entworfen und gefertigt haben, nachdem Eiermann und Horten sich schon Anfang der 1960er überworfen hatten.

Die Egon-Eiermann-Gesellschaft (EEG) bestätigte, dass nach 1961 wohl keine Horten-Bauten mehr unter Eiermanns Architekten-Leitung entstanden sind. Die Gesellschaft erklärt zu Urheberrechten an „Vorhangfassaden“: „Als Egon Eiermann in den 60er-Jahren Horten auf seine Urheberrechte hinwies, musste er akzeptieren, dass sich Horten von Hentrich die Urheberrechte hatte übertragen lassen.“

Und weiter: „Stabil hält sich dabei die nichtberechtigte Zuordnung der so genannten Eiermann-Horten-Kachel zum Werk von Egon Eiermann – wohl auch, weil Eiermann sehr wechselnd mit dem Thema der Horten-Fassade umgegangen ist.“

Eiermann verwendete bei diversen Bauten Betonkacheln. Hentrich, der auch das Glasmuseum in Düsseldorf mit aufgebaut hatte, bevorzugte glasierte Keramik. An anderen Gebäuden sollen Metall- oder Kunststoffkacheln als Markenzeichen eingesetzt worden sein.

In Duisburg steht Fassade unter Denkmalschutz – hier nicht

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf bestätigte am 18. Mai 2009, dass eine solche Fassade im Duisburger Stadtzentrum denkmalwürdig sei. Das Gebäude wurde 1958 errichtet als Kaufhaus Merkur und gehörte zur Horten-Kaufhauskette.

In Düsseldorf ist die Fassade nicht unter Denkmalschutz gestellt worden. Jörg Heimeshoff vom Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege erklärt: „Dass die Fassadenelemente Eiermanns an anderer Stelle geschützt sind, bedeutet nicht, dass sie auch hier geschützt sein müssen.

Das Gebäude in Düsseldorf mit dem darüber aufragenden Bauteil ist bereits erheblich verändert worden. An anderer Stelle ist möglicherweise die Architektur des jeweiligen Objekts besser erhalten.“

Wie es in Düsseldorf mit dem alten Horten-Haus weitergeht, ist indes noch unklar. Kaufhof wird das Gebäude sicher verlassen. Dann wird wohl umgebaut. Wie die WZ berichtete, gibt es Gedankenspiele, auch die Zentralbibliothek in dem Gebäude unterzubringen. Ob die Fassade erhalten bleibt oder verschwinden soll, darüber gibt es noch keinerlei Auskunft.

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