Unterwegs auf der meist befahrenen Strecke des Landes – ein Zugführer erzählt.

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Lokführer Hans-Jürgen Klingbeil wollte nie Lokführer werden – aber jetzt ist es zu seinem Traumberuf geworden.

Lokführer Hans-Jürgen Klingbeil wollte nie Lokführer werden – aber jetzt ist es zu seinem Traumberuf geworden.

Stefan Arend

Lokführer Hans-Jürgen Klingbeil wollte nie Lokführer werden – aber jetzt ist es zu seinem Traumberuf geworden.

Düsseldorf. Für Generationen von Kindern ist Lokführer der Traumberuf schlechthin. Ausgerechnet Hans-Jürgen Klingbeil hat diesen Traum als Kind nie geträumt. "Aber der Job ist zu meinem Traumberuf geworden", sagt der 57-jährige, der seit 34 Jahren als Triebfahrzeugsführer arbeitet.

Wenn der RE 1 pünktlich im Hauptbahnhof einfährt, ist alles glatt gelaufen. Die Landeshauptstadt ist einer der größten Knotenpunkte im Pendlerverkehr auf der Rhein-Ruhr-Schiene. Im Berufsverkehr nutzen bis zu 1.000 Menschen gleichzeitig einen Regionalexpress, 30.000 sind es beim Regionalexpress 1 am Tag.

Aber Hans-Jürgen Klingbeils Traumberuf hat einige Schattenseiten. Da ist der Stress für den Körper, den wechselnde Arbeitsschichten verursachen. Je nach Arbeitsbeginn muss Klingbeil um zwei Uhr morgens aufstehen. Den Arbeitstag verbringt er meistens allein in seiner Lok, aber damit kommt er gut zurecht, wie er sagt.

Und dann ist da die Verantwortung, die er im Führerstand trägt. Der Zug der Baureihe 146 mit den fünf Doppelstockwaggons, den er täglich auf der Strecke zwischen Aachen und Hamm in Westfalen hin und her fährt, hat einen Wert von knapp zehn Millionen Euro. Ein Menschenleben lässt sich dagegen nicht in Euro aufwiegen.

Und so kosten ihn bei jeder Einfahrt in einen Bahnhof Wartende Nerven, die viel zu nahe an der Bahnsteigkante stehen. So wie der junge Mann an Gleis vier im Duisburger Hauptbahnhof. "Der weiß gar nicht, in welcher Gefahr er schwebt", sagt Klingbeil, während er auf ihn zurollt.

Er hat Glück, diesmal passiert nichts. Aber er weiß auch, wie es ist, wenn das Glück einem Lokführer nicht zur Seite steht. Von seinen drei "Unfällen" erzählt er, während er den Zug zwischen Angermund und Flughafen auf 160 Stundenkilometer beschleunigt. Eine Vollbremsung würde mindestens 650 Meter dauern.

Genau genommen waren es ein Unfall und zwei Suizide zwischen 1985 und 2001. Seit seinem ersten Unfall hat sich einiges verändert. "Die Betreuung vor Ort ist in der Zwischenzeit richtig gut worden", sagt er. "Man sitzt nicht mehr alleine da und denkt vor sich hin." Darauf vorbereiten kann man sich dennoch nicht.

"Jeder Fahrer geht anders damit um. Manche fahren sofort wieder, andere bleiben erstmal zu Hause." Wieder andere fahren nie mehr einen Zug. Nach der Selbsttötung von Nationaltorwart Enke hatte er Sorge. "Ich habe nur gehofft, das es nicht zu viele Nachfolgetaten gibt."

Trotz der Schattenseiten, Triebfahrzeugführer bleibt sein Traumberuf. Gerade jetzt. "Morgens, wenn der erste Schnee gefallen ist, ist es am schönsten zu fahren", sagt er und ist zufrieden.

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