Victor Stolz (20) ist mehrfacher Meister im Freestyle-Karate.

Als zweites Standbein will der Karate-Kämpfer Victor Stolz bald eine Ausbildung in einer Fachsportschule beginnen.
Als zweites Standbein will der Karate-Kämpfer Victor Stolz bald eine Ausbildung in einer Fachsportschule beginnen.

Als zweites Standbein will der Karate-Kämpfer Victor Stolz bald eine Ausbildung in einer Fachsportschule beginnen.

Große Augen, ungläubige Blicke: Wie hier auf der Kö reagieren die meisten Fußgänger, die dem 20-Jährigen in Aktion begegnen. Fotos (2): Bernd Nanninga

Nanninga, Bernd (bn), Bild 1 von 2

Als zweites Standbein will der Karate-Kämpfer Victor Stolz bald eine Ausbildung in einer Fachsportschule beginnen.

Düsseldorf. Einen kurzen Moment hält er inne, atmet durch, dehnt seine Beine. Dann, nur einen Augenblick später, wirbelt er schon durch die Luft. Buchstäblich aus dem Stand vollführt er eine Schraube und landet sicher wieder auf seinen Füßen, als habe er nie etwas anderes getan. Und eigentlich hat er das auch nicht. Victor Stolz ist leidenschaftlicher Karate-Kämpfer, schon seit er neun Jahre alt war. „Karate ist mein Leben“, sagt der 20-Jährige, und sein fester Blick macht deutlich, dass er jedes Wort genauso meint.

„Meine Eltern waren sauer, weil ich die Wiese ruiniert habe.“

Victor Stolz über seinen ersten Freestyle-Karate-Versuche im Garten

Was Victor da auf der Straße treibt, erinnert allerdings weniger an Karate als an einen Akrobaten oder Tänzer. Das liegt daran, dass er die traditionellen Kampftechniken mittlerweile um sogenannte Tricks, also Sprünge, Schrauben und Drehungen, erweitert hat. „Freestyle-Karate“ ist jetzt sein Metier. „Freestyle-Karate ist eine relativ junge Disziplin“, erklärt Victor. Besonders hierzulande sei sie klassischem Karate noch nachgeordnet. So gebe es zum Beispiel kaum Trainer in den Vereinen, die jene akrobatische Variante der japanischen Kampfkunst unterrichten.

Deswegen hat sich Victor sein Können überwiegend im Alleingang angeeignet. Oder mittels genauer Beobachtung der amerikanischen Pioniere, die sich filmen lassen und die Videos anschließend ins Internet stellen. „Ich habe die Stunts vor unserem Haus probiert“, erinnert sich der Derendorfer. Springen, hinfallen, aufstehen, springen, hinfallen, aufstehen, vier oder fünf Stunden lang am Stück. „Meine Eltern waren sauer, weil ich die Wiese ruiniert habe.“

Heute trainiert er nur noch selten im Garten. Meistens trifft man ihn und seine Freunde auf den Apollo-Wiesen, auf Plätzen in der Stadt oder im Nordpark. Aber nicht nur deshalb käme es Victors Eltern kaum noch in den Sinn, ihren Sohn zu kritisieren. Denn mit Biss, Leidenschaft und viel intensiver Arbeit hat er sich an die Spitze der deutschen Karate-Freestyler katapultiert. An 35 Meisterschaften der verschiedenen Verbände hat er bereits teilgenommen, in 30 Fällen holte er den Titel. Erst vor kurzem entschied er die Deutsche Meisterschaft des „World Fightsport and Martial Arts Council“ (WFMC) in Paderborn für sich. Dafür trainiert er acht Stunden täglich. Ernsthaft verletzt habe er sich noch nie, vielleicht, weil er vor den Stunts keine Angst hat, vermutet er. „Man muss für diese Sache ein bisschen verrückt sein.“

Victors Traum: Engagements für professionelle Filme

Im Moment bereitet er sich auf das nächste Turnier im Oktober vor. Doch sein größter Traum ist es, einmal in Action- und Kampfsportfilmen oder Musikvideos aufzutreten. Jeder soll ihn kennen, danach sehnt sich der 20-Jährige. Und er will seine Brötchen mit dem Karate verdienen können. Schließlich ist sich Victor sicher: Jemals etwas anderes als Karate zu machen, das kommt beim besten Willen nicht in Frage.

Wer Interesse an Freestyle-Karate hat, sollte mit den Grundlagen beginnen. In Düsseldorf gibt es neun Schulen. Victor hat die Fachsportschule Sascha de Vries besucht.

Beim Freestyle können die Kandidaten eine freie Choreografie entwerfen. Rund 50 Anwärter gehen in einer Gruppe an den Start. Für die Teilnahme muss man älter als 18 sein. Als Preisgeld erhalten Sieger bis zu 5000 Euro.

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