Die Basilika St. Margareta zeigt ein Fischerboot, mit dem 70 Menschen von Libyen übers Mittelmeer geflüchtet sind.

Anders als in Museen üblich dürfen die Besucher das Boot anfassen und sich gar darauf und darein setzen.
Anders als in Museen üblich dürfen die Besucher das Boot anfassen und sich gar darauf und darein setzen.

Anders als in Museen üblich dürfen die Besucher das Boot anfassen und sich gar darauf und darein setzen.

Sergej Lepke

Anders als in Museen üblich dürfen die Besucher das Boot anfassen und sich gar darauf und darein setzen.

Die Augen einer Besucherin füllen sich mit Tränen. Tief bewegt ringt sie beim Anblick des kargen Bootes, das in der Basilika St. Margareta in Gerresheim seit Samstag neben dem Altar steht, nach Worten. Das arg in Mitleidenschaft genommene Fischerboot, an dem die weiße Farbe abgeblättert ist, ist gut zwei Meter breit, anderthalb Meter hoch und mit einer nüchternen Kennziffer versehen. 70 Menschen sind darin von Libyen übers Mittelmeer geflüchtet, im Rahmen der Ausstellung „Alle in einem Boot“ zeigt die Gemeinde als einzige in der Landeshauptstadt das Boot, das nach seiner Tour durch die Gemeinden im Oktober im Bonner Haus der Geschichte einen Platz finden wird.

Nachdem sich die Besucherin etwas gefangen hat, sagt sie: „Ich finde das furchtbar, unfassbar und das hört und hört nicht auf.“ Als „zutiefst beeindruckend“ empfand auch eine Kaiserswertherin das Exponat, das sie bereits im Kölner Dom angeschaut habe. „Ich finde diese Ausstellung ganz großartig, weil man hautnah eine Ahnung davon bekommt, was diese Menschen durchgemacht haben“, äußerte auch Gemeindemitglied Dorothee Wallrath. Anders, als die vielen Schreckensbilder aus den Medien, sei dieses Boot „real“, wie Mechthild Schmölders, Ehrenamtskoordinatorin Flucht und Asyl, Pfarrgemeinde St. Margareta, in ihrem Grußwort hervorhob. „Das Boot ist ein Symbol für Flucht, Missstände, traumatische Erfahrungen und Tod. Es schärft die Wahrnehmung für das Schicksal der geflüchteten Menschen“, so Schmölders weiter.

Bei der Eröffnungsveranstaltung am Samstag präsentierten die Organisatoren und Unterstützer der Ausstellung (die Kirchengemeinde St. Margareta, das ASG-Bildungsforum, der Caritasverband Düsseldorf und die Bürgerstiftung Gerricus) auch das Begleitprogramm zur Ausstellung. Es umfasst unter anderem eine Podiumsdiskussion zum Thema „Heimat“ am heutigen Montag, Vorträge, Führungen, eine Lesung und mehr.

„Jesus sagt auch nicht zum Aussätzigen: Hau ab, wir haben Aufnahmestopp.“

Christian Ehring, Kabarettist, über die Diskussion um die Flüchtlinge; Ehring ist Schirmher der Ausstellung „Alle in einem Boot“ in St. Margareta in Gerresheim

Im Gegensatz zu Exponaten im Museum, die nicht berührt werden dürfen, wurden die Besucher aufgefordert, das Fischerboot anzufassen, sich hinein zusetzen und auszuprobieren, wie es sich anfühlt, zusammen gepfercht darin zu sitzen. „Wie viele passen hinein, bevor es ungemütlich wird?“ So Schmölders’ Frage an die Besucher. Kabarettist Christian Ehring, Schirmherr und Gemeindemitglied, sezierte in gewohnt bissig-satirischer Manier unter anderem Diskussionen um die „große Flüchtlingsfrage“: „Jesus sagte auch nicht zum Aussätzigen: ‚Hau ab, wir haben Aufnahmestopp“, so Ehring. „Wir sind alle Bewohner eines kleinen Staubkorns inmitten 100 Milliarden Galaxien und haben die Pflicht, diese Menschen mit offenen Armen zu empfangen.“

Georg Henkel vom ASG-Bildungsforum sieht das Boot „sowohl als Symbol für Wagnis und Schrecken, als auch für Aufbruch, Freiheit und Hoffnung.“ Neben dem Boot ist eine Installation zu bewundern, die die Künstlerin Claudia Krämer mit Geflüchteten und anderen Bürgern sowie in Kooperation mit dem Sachspendenlager der Gemeinde realisiert hat. Das eindrückliche Exponat hat die Form eines Bootes und besteht aus vielen Gegenständen wie Möbeln, Spielsachen und Musikinstrumenten. Sie symbolisieren die Dinge, die Geflüchtete hinter sich lassen mussten. In der Installation haben Geflüchtete Wünsche für die Zukunft platziert. In dem blau angestrichenen Haufen sind Telefonhörer platziert. Wer lauscht, kann Gedanken von Geflüchteten vernehmen.

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