An der FH sucht man das Gespräch mit den neuen Nachbarn auf ungewöhnliche Art.

Derendorf
Nikola Matija Leskarac, Antje Rosteck, Jaci Lüttgen, Gunnar Friel, Patrick Kruse, Nadine Reiss, Thorsten Hädicke, Anja Vormann und Sicherheitsmann Conrad Meuter mit den QR-Codes vor ihrer Videopinnwand an der Rather Straße.

Nikola Matija Leskarac, Antje Rosteck, Jaci Lüttgen, Gunnar Friel, Patrick Kruse, Nadine Reiss, Thorsten Hädicke, Anja Vormann und Sicherheitsmann Conrad Meuter mit den QR-Codes vor ihrer Videopinnwand an der Rather Straße.

David Young

Nikola Matija Leskarac, Antje Rosteck, Jaci Lüttgen, Gunnar Friel, Patrick Kruse, Nadine Reiss, Thorsten Hädicke, Anja Vormann und Sicherheitsmann Conrad Meuter mit den QR-Codes vor ihrer Videopinnwand an der Rather Straße.

Düsseldorf. Bauzäune gibt es in dieser Stadt genug. Meistens erträgt man sie in dem Wissen, dass dahinter etwas Schöneres entsteht, häufig werden sie auch zu Reklametafeln umfunktioniert. Einige Studenten der Fachhochschule (FH) haben sich für eine kreativere Variante entschieden, den Zaun rund um die Baustelle ihres neuen Campus in Derendorf zu benutzen.

„Wir haben hier eine Art digitale Pinnwand eingerichtet, über die Studenten und Anwohner miteinander kommunizieren können“, erklärt Gunnar Friel, der zusammen mit Anja Vormann das Projekt als Dozent initiiert und begleitet hat.

Diese Kommunikation findet durch Videos statt, die die Studenten des Studiengangs Kommunikationsdesign gemacht haben. Sie zeigen Interviews mit Anwohnern, zum Teil beeindruckende Aufnahmen von der Baustelle oder auch ganz abstrakte oder fiktionale Herangehensweisen an das Thema.

Das Smartphone öffnet die Videos nach dem Scannen

Sichtbar sind diese Videos zunächst nicht. Auf den ersten Blick wirkt es, als würden zig Preisschilder vom Metallgestell baumeln, doch die einlaminierten Schnipsel mit schwarzen und weißen Punkten sind so genannte QR-Codes. Wenn man sie mit einem Smartphone einscannt, öffnet das Gerät automatisch das dazugehörige Video. „Das hat den Vorteil, dass sie nicht so schnell beschädigt werden können und man sie austauschen kann“, sagt Vormann.

Wer als Anwohner einen eigenen Beitrag am Zaun anbringen möchte, kann das ganz einfach tun. „Es reicht eine E-Mail mit der Botschaft an uns. Das kann als Video-, Audio- oder Textdatei sein. Wir codieren sie dann und hängen sie auf“, sagt Vormann. „Es soll eine Art ,Speakers’ Corner’ sein, wo jeder sich äußern kann.“ Schließlich will man mit den Bürgern in den Dialog treten.

Die Videopinnwand befindet sich am Zaun der Baustelle des neuen Campus der FH gegenüber dem Haus Rather Straße 46.

Wer kein Smartphone hat oder nicht selbst vorbeigehen will, kann die Videos auch direkt auf der eigens dafür eingerichteten Internetseite ansehen: www.video-tagging.de

Eigene Nachrichten kann man per E-Mail schicken. Die Videobotschaften werden dann von den Machern der Pinnwand codiert und an den Zaun gehangen.

videotagging@gmx.de

Genau das hat für seinen Film auch Thorsten Hädicke gemacht. „Ich habe im Stadtteil Interviews geführt und mit den Leuten darüber gesprochen, was hier passiert und welche Sorgen sie haben.“ Dabei hat er nicht nur die erwarteten Antworten bekommen. „Gerade die älteren Menschen sind der FH gegenüber sehr aufgeschlossen. Allerdings beklagen sich auch viele, dass die Mieten jetzt schon steigen.“

In der Filmwelt ist die FH sogar schon eingezogen

In der Filmwelt der Studenten hat die FH schon ihren neuen Campus bezogen. Zumindest deren Seele hat Jaci Lüttgen in Person einer Tänzerin ihr neues Zuhause entdecken lassen. „Ich finde die Vorstellung schön, dass wir als Studenten nicht alle einzeln, sondern als ein Ganzes hier einziehen“, sagt Lüttgen.

Um Zugang zur Baustelle zu bekommen, holten sich die Studenten die Hilfe von Conrad Meuter. Er ist der Leiter des Sicherheitsdienstes, der das Gelände bewacht. Nadine Reiss hat ihm sogar einen kleinen Film gewidmet. „Ich habe ihn einen ganzen Tag lang bei der Arbeit begleitet und seinen Tagesablauf dokumentiert.“ Und der Tag eines Sicherheitschefs ist lang: „Wir haben um 5 Uhr angefangen und waren um 21 Uhr fertig, und das im Hochsommer“, klagt die Studentin.

Der schwierigste Teil der Arbeit folgte aber erst noch. „Ich musste aus den vielen Stunden Film auf 15 Minuten zusammenkürzen. Für die Internetseite musste der Film dann sogar noch einmal kürzer werden.“

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