Yaara Tal & Andreas Groethuysen spielten beim Klavierfestival Ruhr in Düsseldorf.

Wenn der kleine weiße Lieferwagen mit dem schwarzen Klaviertasten-Dekor an den Flanken und dem knallroten Steinway-Flügel auf der Ladenfläche vor dem Robert-Schumann-Saal parkt, ist Klavierfestival-Zeit. Im Frühjahr startet alljährlich das Klavierfestival Ruhr und streckt seine Fühler bis zum Rhein aus. Und mit dem Pianisten-Duo Yaara Tal & Andreas Groethuysen schickt die an der Ruhr residierende Festivalleitung keineswegs Zweitrangige nach Düsseldorf. Im Gegenteil: Tal und Groethuysen sind hinsichtlich technischer Tastenbeherrschung das Nonplusultra unter den Klavier-Duos.

Der rote Flügel vor dem Gebäude ist freilich nur Dekoration. Auf dem Podium des Saales stehen zwei schwarze Steinways, bestens gestimmt für die beiden Musiker. Das Programm ist französisch und bewegt sich zwischen Frühromantik und impressionistischer Exotik. Los geht es mit einem nur in recht informierten Kreisen bekannten Komponisten, Louis Théodore Gouvy (1819-1998). Der berühmtere Kollege Hector Berlioz hielt große Stücke auf ihn.

Das Duo spielte Gouvys Sonate c-Moll für Klavier zu vier Händen, ein zeittypisches Stück zwischen frühromantischer Virtuosität und lyrischer Empfindsamkeit. Handwerklich wirkt die Komposition makellos gearbeitet, gleichzeitig nur mäßig originell. Berlioz, der Gouvy ja so schätzte, hat thematisch und klanglich etwas mehr zu bieten. Das Duo spielte seine Variationen über ein Thema von Ludwig van Beethoven. Es entstammt der Klaviersonate op. 31 Nr. 3 und ist recht unmelodiös, besteht eher aus Akkord-Sprüngen von unten nach oben. Berlioz zaubert aus dem kuriosen Material eine abwechslungsreiche Komposition zwischen artiger Bravour und frechen Überraschungen. Tal und Groethuysen spielen das alles blitzsauber und mit Sinn für humorige Momente.

Das Klavier-Arrangement zu „La Mer“ von Debussy ist nicht einfach

Nach der Pause erklingt Musik von Claude Debussy, darunter eine Bearbeitung seiner ursprünglich für Orchester komponierten Tondichtung „La Mer“ für zwei Klaviere. Arrangeur André Caplet stellte einen raffinierten Klaviersatz zusammen, der die beiden Flügel kräftig zum Rauschen bringt. Diese Version von „La Mer“ zu spielen, ist alles andere als einfach. Aber die beiden Pianisten erweisen sich einmal mehr als überaus souverän und technisch – um etwas im maritimen Bild zu bleiben – mit allen Wassern gewaschen. Für den starken Beifall bedankt sich das Duo mit zwei Zugaben, darunter die Bearbeitung eines Klavierstücks von Robert Schumann für zwei Klaviere durch Debussy – ein schön geschlagener Bogen zwischen Konzertprogramm und Namen der Spielstätte.

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