Wo steht Düsseldorf im weltweiten Vergleich? Hat die Stadt die richtigen Rezepte, um ihre Internationalität zu erhöhen? Darüber sprachen wir mit Personalberaterin Maria Fischer.

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Düsseldorf International: Flughafen, Messe und die Internationale Schule an der Niederrheinstraße (von links) sind wichtige Standortfaktoren. Und: Trotz aller Probleme, etwa bei der WestLB, bleibt Düsseldorf ein wichtiger Finanzplatz.

Düsseldorf International: Flughafen, Messe und die Internationale Schule an der Niederrheinstraße (von links) sind wichtige Standortfaktoren. Und: Trotz aller Probleme, etwa bei der WestLB, bleibt Düsseldorf ein wichtiger Finanzplatz.

„Gelungene Integration ist ein Standortfaktor“: Personalberaterin Maria Fischer.

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Düsseldorf International: Flughafen, Messe und die Internationale Schule an der Niederrheinstraße (von links) sind wichtige Standortfaktoren. Und: Trotz aller Probleme, etwa bei der WestLB, bleibt Düsseldorf ein wichtiger Finanzplatz.

Frau Fischer, Sie sind als Headhunterin international tätig. Ist es eigentlich schwierig, Spitzenleute nach Düsseldorf zu locken?

Maria Fischer: Nein, das ist meistens unkompliziert, weil Düsseldorf ein guter Standort ist.

Was zeichnet denn einen guten Standort aus?

Fischer: Das Wichtigste ist die Erreichbarkeit, die zentrale Lage. Düsseldorf liegt mitten in Europa und ist durch den Flughafen gut angebunden. Das sind entscheidende Pluspunkte.

Im Stadtentwicklungskonzept 2020+ heißt es, Düsseldorf nehme "für einzelne Teilfunktionen den Status einer weltweit operierenden ,Global City’ regionaler Kategorie" ein. Können wir uns mit Welt-Metropolen vergleichen?

Fischer: London oder Paris würden sich selbst nie "Global City" nennen, das haben die gar nicht nötig. Tatsächlich ist der Ballungsraum an Rhein und Ruhr Städten wie London oder Paris bei der Wirtschaftsleistung sogar überlegen. Das ist nach außen hin aber nicht sichtbar. Wir müssen aufhören, die Städte einzeln zu bewerben. Die Marke Rhein-City für alle Städte im Rheinland war eine tolle Idee von Bernd Michael, dem Ex-Chef von Grey.

Der verstorbene Oberbürgermeister Joachim Erwin hat sie vergeblich aufgegriffen. Wie so oft konnten sich die Politiker nicht einigen.

Fischer: So etwas geht auch nicht über die Politik, da ist die Wirtschaft gefragt. Und zwar vor allem der Mittelstand, denn die großen Firmen brauchen den Standort nicht für ihr Marketing. Für mittelständische Unternehmer aber ist es wichtig, dass sichtbar ist, dass sie aus einer Region kommen, die eine Bedeutung hat. Das macht die weltweite Akquisition von Kunden und Mitarbeitern einfacher.

Wie steht Düsseldorf aus Ihrer Perspektive im Vergleich zu den deutschen Wettbewerbern da?

Fischer: Ziemlich gut. Düsseldorf gehört zu den Top 5-Städten und konkurriert mit Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart. Berlin und Köln sehe ich als Wirtschaftsstandorte nicht in der Spitzengruppe. Berlin hat nicht die Wirtschaftskraft, Köln hat es weniger geschafft, die internationale Vernetzung hinzubekommen wie sie Düsseldorf hat.

Womit kann Düsseldorf überhaupt punkten? Wir haben kein Meer in der Nähe, keine Berge, keine lange Geschichte...

Fischer: Die Stadt ist - neben der bereits erwähnten zentralen Lage - aus mehreren Gründen attraktiv: Sie strahlt eine weltoffene Eleganz und Liberalität aus, sie hat Interesse an Menschen unterschiedlichster Lebensformen.

Aber deshalb allein kommt doch keiner...

Fischer: Die Stadt ist nach wie vor ein internationaler Finanz-, Messe- und Meeting-Standort. Dabei spielt eine wichtige Rolle, dass es in NRW viele große Unternehmen gibt. Das Wichtigste sind aber die Menschen, die schon da sind. Zum Beispiel steht die Stadt bei den Japanern hoch im Kurs.

Warum eigentlich?

Fischer: Zum einen, weil es hier eine japanische Infrastruktur gibt - wenn man schon ins Ausland muss, dann doch am besten in eine Stadt, in der man gut zurecht kommt. Zum anderen finden die japanischen Manager hier ihre "Peergroup". Wo schon viele Menschen gleicher Nationalität und vor allem internationale Wirtschaftspartner sind, kommen auch die anderen hin. Deshalb ist es richtig, die Nationalitäten in ihrer Selbstwahrnehmung zu unterstützten. Wenn die Stadt andere Nationalitäten so gut behandelt wie die Japaner, kann das sehr erfolgreich sein.

An welche Nationalitäten denken Sie da?

Fischer: Für die Beziehungen zu China und Russland tut die Stadt schon sehr viel. Denken Sie an die Partnerschaften mit Chongqing und Moskau - die städtische und die NRW-Wirtschaftsförderung machen einen guten Job. Auch in Indien gibt es einige Städte, die ihre Beziehungen zu Deutschland intensivieren wollen, insbesondere zu Düsseldorf. Es ist ganz wichtig, das weiter zu betreiben. Erwin hat in dieser Hinsicht einen hervorragenden Job gemacht. Es muss jemand geben, der als oberster Akquisiteur auftritt und der Stadt ein Gesicht gibt. Das funktioniert wie bei einem guten Vertriebsmanager: Es reicht nicht, mal Hallo zu sagen, man muss dauerhaft dran bleiben.

Ist Düsseldorf bei den "weichen" Standortfaktoren gut aufgestellt?

Fischer: Da kommt vieles zusammen: Wenn die Saudis hier gut Einkaufen können und gute Ärzte finden, machen die auch ihre internationalen Meetings hier. Besonders auch die Sicherheit, die internationalen Schulen, das kulturelle Angebot, das gepflegte Grün, der Freizeitwert, all das spielt eine Rolle, wenn man Menschen für die Stadt begeistern will. Das gilt nicht zuletzt für die Angehörigen der Manager, die kommen. Es ist sehr schwierig, einen Manager in eine Stadt zu vermitteln, wo die Familie nicht hin will. Auch dass Düsseldorf im internationalen Vergleich klein ist, kommt gut an: Das Angebot ist wie in Paris oder London, aber es liegt um die Ecke, das ist finden ausländische Besucher sehr ungewöhnlich und sehr bequem.

Wo gibt’s Nachbesserungsbedarf?

Fischer: Was mir im Stadtentwicklungskonzept fehlt, sind Aussagen darüber, wie menschliche Beziehungen gefördert werden sollen. Die Atmosphäre einer Stadt entsteht durch die Menschen. Die Leute brauchen gemeinsame Events, das schafft Verbindungen. So war der thebanische Zyklus in 2002 von Anna Badora, der damaligen Intendantin des Schauspielhauses, eine Veranstaltung, zu der auch Russen und Japaner hingingen. Auch das Tanzhaus NRW schlägt solche Brücken. Düsseldorf sollte diese Angebote gezielt ausbauen - besonders aber auch die Subkultur. Die Stadt braucht diese Lebendigkeit. Dafür ist es auch nötig, dass Migranten besser integriert werden.

Integration ist auch ein Standortfaktor?

Fischer: Ein ganz wichtiger sogar. Wenn wir es nicht schaffen, in Düsseldorf alle sozialen Ebenen zu integrieren, bekommen wir große Probleme. Arbeitslosigkeit und auch dadurch beförderte Kriminalität sind Gift für die Stadtatmosphäre. Nur Geld drüber zu kippen, reicht nicht. Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie stehen.

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