Mercedes Afonso träumt davon, ihr eigenes Album aufzunehmen. Bis dahin macht sie mit ihrer Musik den Menschen in der Innenstadt Freude.
Mercedes Afonso träumt davon, ihr eigenes Album aufzunehmen. Bis dahin macht sie mit ihrer Musik den Menschen in der Innenstadt Freude.

Mercedes Afonso träumt davon, ihr eigenes Album aufzunehmen. Bis dahin macht sie mit ihrer Musik den Menschen in der Innenstadt Freude.

Kiss Kimireys meint, dass beide Parteien von seinem Spiel profitieren: Er selbst hat Übung, dem Publikum hilft’s gegen den Stress.

Sinan Öztürk begeistert sein Publikum, indem er mit Fußbällen und Fackeln jongliert.

Melanie Zanin, Bild 1 von 3

Mercedes Afonso träumt davon, ihr eigenes Album aufzunehmen. Bis dahin macht sie mit ihrer Musik den Menschen in der Innenstadt Freude.

Düsseldorf. Es passiert immer etwas Besonderes. Zu jeder Zeit, an jedem Ort, an guten und an weniger guten Tagen. Wer Mercedes Afonso danach fragt, was sie am meisten an ihrem Job liebt, erhält diese Antwort und dazu ein breites, weißes Lächeln. Der Job der 23-jährigen Inderin ist die Musik. Musik, die sie auf der Straße spielt, weil sie sie teilen will. Mit ihrem Wägelchen im Schlepptau, mit dessen Hilfe sie Akustikgitarre, E-Gitarre und Verstärker transportiert, zieht sie durch die Straßen der Altstadt und spielt Stücke von Amy Winehouse, REM und was ihr sonst noch gefällt. Vor einem stets wechselnden Publikum, mal größer, mal kleiner.

Wenn sowieso viel los ist im Zentrum, dann schart sich binnen weniger Minuten eine ansehnliche Menge um die gebürtige Inderin. Wie zum Beispiel beim Japantag. Andere Tage sind weniger lukrativ. „Dann verdiene ich weniger als vier Euro am Tag, das ist wirklich Pech“, sagt Afonso. Denn aktuell lebt sie von ihren spontanen Auftritten. Schon in ihrer Heimat Indien finanzierte die ausgebildete Gitarristin ihren Lebensunterhalt mit der Musik. Doch in Hotels zu spielen langweilte Afonso bald. Mit ihrem Freund zog sie nach Düsseldorf, will hier studieren und vielleicht eine CD aufnehmen. Bis dahin sucht sie ihr Glück beinahe täglich zwischen Flinger, Mittel- und Wallstraße.

Eine halbe Stunde wird gespielt, dann muss eine Pause folgen

Sie ist nicht die Einzige, die sich dort um die Aufmerksamkeit der Menge bemüht. Wenn die Sonne scheint oder es zumindest einmal nicht regnet, sind im Zentrum zahlreiche Musiker, Artisten und Künstler anzutreffen. Um den Betrieb zu regulieren, damit sich Anwohner nicht belästigt fühlen und die Darsteller einander nicht in die Quere kommen, hat die Stadt Regeln aufgestellt. „Eine halbe Stunde darf gespielt werden, dann muss eine halbe Stunde Pause folgen“, erklärt Sebastian Veelken, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes. Das ist die wichtigste Richtlinie. Außerdem dürfen keine zu lauten Instrumente zum Einsatz kommen, etwa Dudelsäcke oder Trommeln. „Wir suchen damit einen Ausgleich der Interessen“, meint Veelken.

Um Lärmbelästigung muss sich Sinan Öztürk keine Gedanken machen. Er unterhält seine Zuschauer vor den Schadow-Arkaden nicht mit Pop oder Klassik, sondern Tricks mit Fußbällen und Fackeln. Ein, zwei, dann drei Bälle balanciert er auf Fingerspitzen und Nacken, als seien sie dort angeklebt. „Mama, bleib’ stehen“, drängt ein kleines Mädchen, die großen Augen auf Östürk gerichtet. Schon hat er einen neuen Fan. Der selbst ernannte „Fußball-Virtuose“ wird auch von Firmen und Vereinen engagiert. „Solche Kunden sind kritischer, da muss man 100 Prozent geben“, sagt Öztürk. „Wenn ich auf der Straße Fehler mache, juckt das keinen.“

Saxofonist: Die Musik hilft den Menschen gegen den Stress

Denn worauf es ihnen viel mehr ankäme, sei die Unterhaltung, die Freude, die ihnen ein Fremder auf der Straße bereitet. Einfach so. Davon ist zumindest Kiss Kimireys überzeugt. Schon aus der Ferne sind die melancholischen jazzigen Melodien zu vernehmen, die er mit seinem Saxofon vor den Cafés in der Bastionstraße spielt. „Die Musik macht die Leute glücklich“, sagt der 49-Jährige in seiner Spielpause. „Sie brauchen das als Ausgleich zu ihrem stressigen Leben, und ich brauche die Übung.“ In seiner Wohnung nämlich darf der gebürtige Ungar nicht spielen, aus Gründen der Ruhestörung. Deshalb hat er sich 2005 kurzerhand auf die Straße begeben. Ohne es auch nur einen Tag zu bereuen.

Für die Regulierung von Musik auf der Straße ist der Ordnungs- und Servicedienst (OSD) zuständig. Musiziert werden darf zwischen 10 und 21.30 Uhr, beginnend mit der vollen Stunde eine halbe Stunde lang. Die Regeln im Überblick gibt es unter
http://www.duesseldorf.de/ordnungsamt/download/32musik.pdf

Und auch Mercedes Afonso weiß die Vorteile ihres Arbeitsplatzes nach wie vor zu schätzen. Was ist eigentlich dieses Besondere, das sie immer wieder aufs Neue motiviert, sich mit ihrem Wagen auf den Weg zu machen? „Manchmal ein paar nette Worte, wenn Leute kommen und meine Musik loben“, sagt Afonso. Oder, wenn sich die Menschen an sie erinnern, nicht nur Erwachsene, auch kleine Kinder, die dann zu ihren Liedern umhertanzen. „Irgendwas passiert eben jeden Tag.“

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