Etwa 150 Helfer sind in Magdeburg im Einsatz, weitere sollen folgen.

Mit Hochleistungspumpen kämpft die Düsseldorfer Feuerwehr in Magdeburg gegen die Wassermassen.
Mit Hochleistungspumpen kämpft die Düsseldorfer Feuerwehr in Magdeburg gegen die Wassermassen.

Mit Hochleistungspumpen kämpft die Düsseldorfer Feuerwehr in Magdeburg gegen die Wassermassen.

Etwa einen Meter hoch steht das Wasser im Stadtteil Cracau. „Es ist eine Geisterstadt“, sagt Feuerwehrmann Kaspar Hilger.

Kaspar Hilger hilft in Magdeburg.

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Mit Hochleistungspumpen kämpft die Düsseldorfer Feuerwehr in Magdeburg gegen die Wassermassen.

Düsseldorf. Zwei Tage sind vergangen, seit Kaspar Hilger und seine Kollegen von der Düsseldorfer Feuerwehr als erster Trupp in Magdeburg angekommen sind. Seit sie ihre Hochleistungspumpen im Stadtteil Cracau, direkt am Ostufer der Elbe, angeschlossen haben. Etwa zehn Millionen Liter Wasser hat das „Hytrans-Fire-System“ aus dem evakuierten Stadtteil gesaugt. Jetzt kann Hilger zum ersten Mal durchatmen. „Wir haben es geschafft, dass das Wasser in der Stadt nicht weiter steigt.“ Ein kleiner Erfolg im verzweifelten Kampf gegen die Wassermassen im Krisengebiet.

Hilger, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr in Düsseldorf, gehörte zum „Vorauskommando“, das am Samstagnachmittag mit 18 Mann Richtung Sachsen-Anhalt startete. Am frühen Sonntagmorgen kamen 130 weitere Feuerwehrleute an, aus Düsseldorf, aber auch aus Neuss und Mettmann. Sie gehören zu einem 650 Helfer starken Trupp aus dem gesamten Regierungsbezirk Düsseldorf. Unterstützt von 400 Bundeswehr-Soldaten und 140 Helfern des THW kämpfen sie um ein Umspannwerk im Industriehafen, das von der Flut bedroht wird. 30 000 Haushalte in der Stadt wären dann ohne Strom. „Es ist wohl der größte Einsatz der deutschen Feuerwehren überhaupt“, sagt Hilger.

„Bei aller Verzweiflung sind die Bewohner sehr dankbar“

Sein Alltag spielt sich derweil zwischen einer leerstehenden Schule ab, in der die Helfer untergebracht wurden, und dem Standort der Pumpe, die immer wieder gereinigt werden muss. Zudem versorgen die Düsseldorfer den gesamten „Einsatzunterabschnitt vier“ in Cracau mit Kraftstoff. „Hier wird es nicht langweilig“, sagt Hilger.

Der Stadtteil ist bereits komplett evakuiert, insgesamt, so Hilger, hätten 35 000 Menschen ihre Häuser verlassen. „Es ist eine Geisterstadt“, berichtete er der WZ.

Ergreifend sei es, wenn Bewohner hin und wieder kämen, um nach ihren Häusern zu sehen, in denen einen Meter hoch das Wasser stehe. „Bei aller Verzweiflung sind sie sehr dankbar. Wenn man hier mit einem roten Auto an der Ampel steht, klopfen einem die Leute aufs Dach und sagen: ,Danke, dass ihr da seid’.“

Vor allem aber beeindruckt Hilger, der auch schon 2002 im ostdeutschen Hochwassergebiet half, die Masse an freiwilligen Helfern aus der Bevölkerung. „Die Leute fahren pausenlos Sandsäcke mit Privatautos an. Das ist schon toll“, berichtet der Düsseldorfer. „Sie verteidigen ihre Stadt selbst.“ Und versorgten zugleich noch die Helfer von Wehr und Organisationen – mit selbst gebackenem Kuchen, Kaffee, Suppe.

In ihrem Lager werden die Wehrleute aus der Düsseldorfer Region von Rotem Kreuz und Arbeiter Samariter Bund verköstigt. Bis Sonntagabend waren auch 13 Johanniter aus Düsseldorf im Hochwassergebiet in Dessau eingesetzt, um eine Feldküche für die Helfer zu betreiben.

Führungskräfte der Wehr brechen ihren Urlaub ab

„Sie haben pro Tag fünf Tonnen Essen gekocht“, berichtet Sprecher Nils Walter. Auch er lobt das Engagement der Menschen am betroffenen Ort: Ein Supermarkt habe sofort seine Lager für die Hilfsorganisationen geöffnet. „So gab es nicht nur immer Reis und Kartoffeln, sondern auch mal etwas Feines wie Hühnchen.“

Im Stabsraum der Feuerwehrleitstelle an der Hüttenstraße plant die Einsatzleitung indes das weitere Vorgehen. Am Mittwoch sollen die Helfer vor Ort eine Ablösung aus Düsseldorf bekommen – drei Reisebusse machen sich am frühen Morgen auf den Weg. Damit die Sicherheit in Düsseldorf gewährleistet bleibt, haben Führungskräfte der Berufswehr ihren Urlaub abgebrochen, um Dienste auf den Wachen zu übernehmen – und als Ersatz bereitzustehen, falls in Magdeburg weitere Hilfe erforderlich wird.

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