Der Urologe Dietmar Betz operiert Notfälle im Holy Family Hospital in Nkawkaw und organisiert von hier aus die medizinische Versorgung dort.

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Dr. Dietmar Betz am Krankenhaus-Bett eines kleinen Patienten mit dessen Mutter in Ghana. Durch die Hilfe des Düsseldorfer Arztes ist dem zweijährigen Jungen womöglich eine spätere ernsthafte Erkrankung und eine künftige Zeugungsunfähigkeit erspart geblieben.

Dr. Dietmar Betz am Krankenhaus-Bett eines kleinen Patienten mit dessen Mutter in Ghana. Durch die Hilfe des Düsseldorfer Arztes ist dem zweijährigen Jungen womöglich eine spätere ernsthafte Erkrankung und eine künftige Zeugungsunfähigkeit erspart geblieben.

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Dr. Dietmar Betz am Krankenhaus-Bett eines kleinen Patienten mit dessen Mutter in Ghana. Durch die Hilfe des Düsseldorfer Arztes ist dem zweijährigen Jungen womöglich eine spätere ernsthafte Erkrankung und eine künftige Zeugungsunfähigkeit erspart geblieben.

Düsseldorf. Ein Autounfall als medizinische Katastrophe für ein ganzes Land: Vor vier Jahren starben bei einer Rückfahrt von einem Krankenhaus in Ghana drei afrikanische Urologen, ein weiterer überlebte gelähmt. Ein Supergau in einem Land, in dem nur zehn einheimische Urologen 22 Millionen Menschen versorgen.

Der Düsseldorfer Urologe Dr. Dietmar Betz versucht seit drei Jahren bei der Organisation „Die Ärzte für Afrika“ zumindest einen Teil dieser Versorgungslücke zu schließen. Nachdem er in der Vergangenheit häufiger nach Ghana gereist war, um als ausgebildeter Operateur auch direkt bei den notleidenden Patienten Hand anzulegen, ist er jetzt auch Pate des Holy Family Hospital in Nkawkaw in der Region Ashanti etwa in der Mitte des Landes. „Ich bin verantwortlich für die urologische Versorgung der Menschen dort“, erläutert der 44-jährige Mediziner, der seine Praxis mit zwei weiteren Kollegen in Ratingen hat. „Von hier aus halte ich einen sehr intensiven Kontakt zu dem medizinischen Team dort.“ Zumindest einmal im Jahr aber fliegt er persönlich für drei bis vier Wochen in das tropische Land neben der Elfenbeinküste.

Zweijähriger hätte ohne OP mit hohem Krebsrisiko leben müssen

Erst vor einigen Wochen war Dietmar Betz wieder dort und hat unter anderem einem Zweijährigen die spätere soziale Hölle und eine ernsthafte Erkrankung erspart. Bei dem Jungen war ein so genannter Hodenhochstand diagnostiziert worden: Hoden in der Bauchhöhle. Was hierzulande schon bei der Neugeborenenuntersuchung zum medizinischen Standard gehört, gilt durch die mangelnde Versorgung der Menschen in Ghana als ernsthaftes Problem: Neben einem erhöhten Krebsrisiko droht die Unfruchtbarkeit. „Das ist für die Männer dort ein sehr großes Problem, da sie als Menschen zweiter Klasse behandelt werden“, erläutert Betz. Große Freude herrschte deshalb am Krankenbett auch bei der Mama – nur der Zweijährige weiß noch nichts von seinem Glück, das ihm der weiße Arzt beschert hat.

Auch bei einem 20-Jährigen und dessen Familie herrschte ausgelassene Freude nach einem erfolgreichen Eingriff von Dr. Dietmar Betz. „Bei ihm war nach einem Sturz die Harnröhre von der Blase abgerissen.“ Der Düsseldorfer Arzt konnte dem jungen Mann nach einer erfolgreichen chirurgischen Rekonstruktion ein Leben mit einem künstlichen Harnausgang und damit ebenfalls ein in Ghana womöglich entwürdigendes Leben ersparen. „Das hat sein Leben komplett verändert“, so Betz, der bei vergangenen Reisen auch einem 107-Jährigen helfen konnte. „Das war der Älteste, den wir operiert haben.“ Der Senior hatte immer wieder seinen Katheter verloren und – gerade auf den versandeten Boden gefallen – selbstständig wieder in den Bauchraum eingesetzt.

Neuestes Projekt des Düsseldorfer Urologen, das er derzeit mit der Organisation „Die Ärzte für Afrika“ in Angriff nimmt: „Wir versuchen eine Kooperation mit einer Uni in Nordrhein-Westfalen auf die Beine zu stellen, um den Austausch zu verbessern.“ Näheres will der 44-Jährige noch nicht verraten, die Düsseldorfer Uni wird es aber wohl nicht sein.

„Die Ärzte für Afrika“ wurde im Jahr 2007 in Münster gegründet. Der Verein kümmert sich in medizinischen Notstandsgebieten Afrikas um direkte ärztliche Hilfe, die Aus- und Weiterbildung der Ärzte vor Ort, um materielle Hilfe und bildet Schwerpunkte zur besseren Versorgung .

Die Finanzierung des Vereins erfolgt nach eigenen Angaben durch Spenden und Fördermittel.

So viel Engagement für die Menschen in Afrika, liegt da bei dem derzeitigen Auswanderungs-Boom nicht auch die Herausforderung nah, ganz in Ghana tätig zu werden. Betz verneint: „Ich wollte immer schon in der dritten Welt helfen. Aber uns geht es sehr gut hier. Das genieße ich sehr“, sagt der Arzt ehrlich. Auch sei es sehr anstrengend, bei dem tropischen Klima zu arbeiten. Und nicht zuletzt habe er eine Familie mit einer fünfjährigen Tochter und einer Frau, die als Gynäkologin in Düsseldorf tätig ist.

Er wolle von hier aus daran arbeiten, aus dem Holy Family Hospital ein Schwerpunktkrankenhaus zu machen.

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