Paul Gauselmann ist Chef einer Gruppe, die mit Glücksspiel Umsätze in Milliardenhöhe macht. Sie sponsert künftig die Arena in Düsseldorf und hat damit für eine große Diskussion gesorgt.

Interview
Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (links) und Glücksspiel-Unternehmer Paul Gauselmann trafen sich am Montag in der Landeshauptstadt.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (links) und Glücksspiel-Unternehmer Paul Gauselmann trafen sich am Montag in der Landeshauptstadt.

Gauselmann-Gruppe

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (links) und Glücksspiel-Unternehmer Paul Gauselmann trafen sich am Montag in der Landeshauptstadt.

Am 18. Mai 2019 bestreitet Fortuna Düsseldorf das letzte Heimspiel der Bundesligasaison gegen Hannover. Wie heißt dann das Stadion und was ist aus der Debatte um diesen Namen geworden?

Paul Gauselmann: Das Stadion heißt definitiv Merkur-Spielarena. Das ist seit dem 3. August rechtskräftig und wird sich nicht mehr ändern. Was aus der Diskussion geworden ist, kann ich schwer einschätzen, das ist ein Düsseldorfer Phänomen.

Inwiefern? Wie haben Sie das in anderen Städten erlebt, in denen Sie das Sponsoring übernommen haben?

Gauselmann: So etwas habe ich bisher noch nie erlebt. Nicht in Berlin, nicht in Wolfsburg, nicht in Duisburg. Nur in Düsseldorf. Das hat aber aus meiner Sicht nichts mit uns zu tun. Das scheint ein internes Problem zu sein. Da gibt es ungelöste Fragen und einzelne Beteiligte haben uns jetzt zum Anlass genommen, um sich ihr Mütchen zu kühlen. Diese politische Diskussion ist nicht unsere Sache.

Interview

Unsere Bildmontage zeigt, wie die Düsseldorfer Arena bald aussehen könnte. Montage: KLXM

Die Diskussion in Düsseldorf bezieht sich auf den Namen und eines Ihrer Geschäftsfelder. Zunächst zu den Geschäftsfeldern: Wie gehen Sie damit um, dass Menschen durch Automaten wie Ihre spielsüchtig werden?

Paul Gauselmann wurde am 26. August 1934 in Borhorst in Westfalen geboren.

Gauselmann hat Fernmelderevisor gelernt und sich dann als Aufsteller von Musikautomaten selbstständig gemacht. Später kamen Gewinnspiel-Automaten und Spielotheken hinzu.

Die Gauselmann-Gruppe besteht heute aus mehreren Dutzend Unternehmen weltweit. Zu den Geschäftsbereichen zählen Sportwetten, Online-Spiele und Finanzdienstleistungen. Die Gruppe hat 2017 mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz gemacht und beschäftigt mehr als 12 000 Mitarbeiter, mehr als 7000 davon in Deutschland.

Gauselmann: Jedes Spiel ist faszinierend, und es gibt immer Menschen, die sich in diese Spiele flüchten und dadurch mehr Geld verlieren als geplant. Unsere Spiele sind so beliebt, weil sie durchschnittlich nur ein bis zwei Cent pro Spiel kosten.

Das ändert aber nichts daran, dass es Spielsüchtige gibt und Sie das verhindern könnten, indem Sie bestimmte Spiele nicht mehr anbieten.

Gauselmann: Es gibt in Deutschland gut 100 000 Menschen, die ein Problem mit Spielsucht haben, und etwa zwei Millionen, die alkoholabhängig sind. Das ist circa 20 Mal so hoch. Das Stadion in Gelsenkirchen heißt Veltins-Arena – da hat noch nie einer etwas gegen gesagt und darauf verwiesen, dass es Alkoholkranke gibt.

Wie gehen Sie im Unternehmen damit um?

Gauselmann: In unseren Spielstätten sind die Mitarbeiter besonderes geschult. Wir wollen nicht das Geld von Menschen, die Probleme haben. Wir achten darauf, dass die Leute nicht zu viel bei uns spielen. Das Problem beim unregulierten Glücksspiel im Internet und in Hinterzimmern ist weitaus größer, weil die Summen viel größer sind.

Was tun Sie gegen die Folgen der Spielsucht?

Gauselmann: Wir haben eine Stiftung gegründet, die Kindern von Spielsüchtigen in Einzelfällen helfen soll. Wir kriegen ein bis zwei Anfragen pro Woche zum Beispiel direkt oder von Suchtberatungsstellen, weil jemand konkrete Probleme hat. Dafür ist das Geld der Stiftung gedacht.

Zum zweiten Teil der Kritik: dem Namen. Warum heißt das Stadion Merkur-Spielarena und nicht Merkur-Arena?

Gauselmann: Ich habe am Montag den Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel getroffen und genau diese Frage mit ihm besprochen. Das geht leider aus rechtlichen Gründen nicht. Es gibt in Deutschland andere Unternehmen, die Merkur heißen, also hätte es eine Verwechslungsgefahr gegeben. Nur Merkur-Spielarena ist unverwechselbar. Außerdem gefällt mir die Mehrdeutigkeit.

Inwiefern?

Gauselmann: Wir spielen, die Fußballer spielen, die Musiker, die zu Konzerten kommen, spielen...

Warum haben Sie sich für das Engagement entschieden?

Gauselmann: Ganz grundsätzlich: Wir verdienen in Deutschland gutes Geld und geben auch gerne etwas zurück.

Aber aus reiner Nächstenliebe geben Sie ja nicht 3,75 Millionen Euro pro Jahr aus, um Sponsor der Düsseldorfer Arena und der Sportstadt Düsseldorf zu sein. Was erwarten Sie sich davon?

Gauselmann: Man muss Werbung machen und eine Hälfte ist immer umsonst – man weiß nur nicht, welche. Es kommen genug Menschen in die Arena und sehen unseren Schriftzug, und es werden auch genug Menschen, die nach Düsseldorf fliegen, unseren Glücksstern auf der Arena sehen.

Warum Düsseldorf und nicht eine andere Stadt?

Gauselmann: Düsseldorf ist die wichtigste Stadt in Nordrhein-Westfalen: der Sitz der Landesregierung, der Flughafen, die Messe. Wenn jemand aus Bayern gekommen wäre, hätte ich das nicht gemacht. Aber Düsseldorf war mir sehr wichtig. Auch wenn wir nicht danach gesucht haben.

Sondern?

Gauselmann: Man ist auf uns zugekommen. Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit den Vertretern der Stadt Düsseldorf, die mich besucht haben. Wir haben geklärt, warum es Spiel-arena heißen muss, und dann ein Geschäft abgeschlossen.

Teil dieses Geschäfts ist es, dass Sie die Sportstadt Düsseldorf mit einer halben Million Euro pro Jahr fördern. Dazu zählen verschiedene Sportarten. Was ist an Zweitliga-Football oder Damen-Hockey interessant für Sie?

Gauselmann: Das war im Paket mit drin, und wir haben das gerne gemacht. Wir geben im Sport Millionen aus und freuen uns, wenn das zu etwas führt. Ich gebe auch Geld für meinen Tennisverein und da spielen in diesem Jahr drei Mannschaften um die Deutsche Meisterschaft. Das ist doch schön.

Im Vorstand und im Aufsichtsrat Ihres Unternehmens sind ausschließlich Männer. Warum?

Gauselmann: Es wäre toll, wenn wir eine Frau fänden, die so gut ist, dass sie bei uns im Vorstand arbeiten könnte. Meine Sekretärin ist so gut, dass sie hier morgen im Vorstand anfangen könnte. Ansonsten habe ich leider noch keine gefunden. Aber einige meiner Enkeltöchter wirken in der Gruppe mit und in unseren Spielotheken sind in der Führung über 90 Prozent Frauen.

Was würde sich durch Frauen ändern?

Gauselmann: Ja nichts?!

Sie haben vor 61 Jahren Ihre Unternehmerschaft damit begonnen, dass Sie Musikautomaten aufgestellt haben. Wie oft vermissen Sie diese Zeit?

Gauselmann: Nie. Ich bin doch jetzt sehr zufrieden. Ich habe ohne Geld angefangen. Ich habe meine Ausbildung gemacht und über 300 Patente. Das ist doch unser Erfolgsgeheimnis. Wir entwickeln 100 Spiele, davon sind zehn gut, die bieten wir dann an. Und sie machen den Leuten offenbar so viel Spaß, dass wir Geld damit verdienen können.

Was spielen Sie selber gerne?

Gauselmann: Schach. Ich fahre jetzt für zwei Wochen in den Urlaub und werde nur Schach spielen. Zuhause spiele ich jeden Abend im Bett eine Runde Backgammon am Computer. Fragen Sie bloß nicht, warum.

Warum?

Gauselmann: Weil man so leicht gewinnen kann. Und wenn man gewinnt, dann ist man zufrieden. Und wenn man zufrieden ist, dann schläft man gut.

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