Der neue Imagefilm der DMT zeigt die Stadt von ihrer biederen Seite und lässt kaum eine Floskel aus. Aber schön ist’s im Dorf.

Düsseldorf. Wenn der Amerikaner sein Spiegelei ohne Firlefanz gebraten haben möchte, lässt er das die Bedienung im Diner wissen, indem er das Teil "sunnyside up" bestellt. Mit der Sonnenseite nach oben, oder wie es das Wörterbuch erklärt: normal gebraten, mit dem Eigelb nach oben.

Im neuen Image-Film über Düsseldorf taucht diese Redewendung auch auf, mit etwas eigenwilliger Deutung: auf der Sonnenseite des Lebens. (Amerikaner würden niemals "sunnyside up" dazu sagen.)

"Düsseldorf - come closer", heißt dieses Filmchen, das die Düsseldorf Marketing und Tourismus (DMT) bei den Werbefilmern von Telemaz in Auftrag gegeben hat. 7:25 Minuten lang ist es und neunsprachig. Auch etwas bieder - möglicherweise will man die Zuschauer nicht unnötig aufregen.

Die Hintergrundmusik könnte ebenso gut in einem Kaufhaus-Fahrstuhl laufen, dann aber etwas flotter. Aber gleich die ersten Bilder machen Lust auf Eisschlecken, Bötchenfahren und ein Bierchen im Freien. Sie machen sogar Lust auf Stadt - nur auf Düsseldorf nicht so richtig.

Wir sehen Menschen, die an einem Fluss spazierengehen, mit Krawatte und Aktentasche Rolltreppe fahren, Kaffee schlürfen oder sich in Biergärten gegenseitig nett finden. Einheimische erkennen Rheinuferpromenade, Kö, Altstadt, Messe und die Lichtbänke im Hofgarten. Wer jedoch von auswärts kommt, könnte erschrocken denken: In Düsseldorf geht’s ja so lebhaft zu wie in Verden an der Aller.

Dritter Platz für den neuen Film bei der Tourismus-Messe in Berlin

Für bestimmte Auswärtige ist der Film gedacht. "Ein reines Multiplikationsinstrument", sagt Jens Ofiera von der DMT. "Damit sollen Städte- und Geschäftsreisende sowie Reisejournalisten angesprochen werden." Was sich DMT und Stadt den Film haben kosten lassen, will er lieber nicht ansprechen. Wohl aber dies: "Come closer" hat bei der Tourismus-Messe ITB den dritten Platz geholt. Gemeinsam mit Athen und Santo Domingo in der Dom Rep. Warschau hat gewonnen.

Damit da niemand was verwechselt, kommt eine Stimme aus dem Off, die munter vor sich hin floskelt und Düsseldorf zwischen Wellness und Wirtschaft mäandern lässt. "Ein außergewöhnlicher Ort, herzlich und tolerant, kreativ und international, eine Stadt inspiriert von Impulsen und Einflüssen aus aller Welt." Zum Beweis übt ein Trupp Menschen Thai Chi vor dem Gehry-Blech-Bau im Hafen.

Dann werden die hinlänglich bekannten Vorzüge der Stadt, die im Filmchen ungeniert Metropole genannt, aber als Dorf inszeniert wird, gepriesen. "Lebendiges Zentrum" einer Region von über elf Millionen Menschen. Museen und Galerien zeigen selbstredend Kunst von Weltrang, die Stadien und Sportplätze der Stadt packende Spiele.

Die Skihalle in Neuss ist auch zu sehen, ist irgendwie ja auch Düsseldorf. Gefühlt. (Den Multiplikatoren sind solche Finessen bestimmt egal.) Die Hochschulen in Düsseldorf, die "Nachwuchs ausbilden", bekommen etwas zu unrecht den Stempel exzellent aufgedrückt, aber "zwischendurch mal auftanken" geht immer. Alles sunnyside up!

Den Film gibt’s für 7,90 Euro bei der DMT auf DVD oder hier in einer gekürzten Version.

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