Drei Jahre lang sollen sie mit ihrem Gemüse-Lieferservice Rauschgift transportiert haben. Vermögen beschlagnahmt.

Drei Jahre lang sollen sie mit ihrem Gemüse-Lieferservice Rauschgift transportiert haben. Vermögen beschlagnahmt.
Zum Prozessauftakt schwiegen die fünf Angeklagten noch.

Zum Prozessauftakt schwiegen die fünf Angeklagten noch.

Neben einer Champignon-Zucht wuchs auch Marihuana.

J. Meister, Bild 1 von 2

Zum Prozessauftakt schwiegen die fünf Angeklagten noch.

Düsseldorf. Einer der spektakulärsten Rauschgiftprozesse begann am Montag vor dem Landgericht. Drei Jahre lang soll ein Zwillingspärchen von Heerdt aus in ganz großem Stil mit Drogen gehandelt haben. Als Tarnung für ihre Rauschgift-Geschäfte nutzten die 33 Jahre alten Brüder ihren Großhandel für asiatische Lebensmittel – einschließlich der Lagerhalle und des Fahrzeugparks. Mit auf der Anklagebank sitzen zwei ehemalige Mitarbeiter, 30 und 42 Jahre alt, sowie die Verlobte eines Hauptangeklagten. Die 24-Jährige, die zeitweise als Geschäftsführerin des Lebensmittelhandels eingetragen war, befindet sich als einzige auf freiem Fuß.

Insgesamt 228 Taten wirft die Staatsanwaltschaft dem Quintett vor. Marihuana oder Amphetamine wurden nach der Anklage oft kiloweise verschoben. Wenn der Lebensmittelhandel in den Niederlanden China–Kohl oder asiatisches Gemüse bestellte, wurden die Drogen gleich mitgeliefert. Das funktionierte jahrelang, ohne dass die Behörden den Zwillingen auf die Schliche kamen. Bereits im August 2013 soll der „Parallel-Betrieb“ zum normalen Geschäft aufgenommen worden sein. Die Lager und der Container in Heerdt wurden offenbar dazu genutzt, die Betäubungsmittel abzuwiegen, zu portionieren und gegebenenfalls auch zu strecken.

Eingekauft wurde aber nicht nur im Ausland. Besonders intensiv waren die Kontakte zur „Champignon-Frau“ aus dem Kreis Viersen. Die 45-Jährige baute in ihren Gewächshäusern nicht nur Pilze, sondern auch Marihuana an. Bei der technischen Einrichtung der Anlage soll sie von den Brüdern finanziell unterstützt worden sein.

Verlobte eines Angeklagten hat eine Aussage angekündigt

3500 Euro sollen die beiden Hauptangeklagten der Champignon-Frau pro Kilo bezahlt haben. Weiterverkauft wurde das Rauschgift dann oft für weniger als 5000 Euro, also mit einer relativ überschaubaren Gewinnspanne. Um durchaus größere Mengen ging es auch bei anderen Drogen. So sollen auch schon mal 100 000 Ecstasy-Tabletten nach Berlin geliefert worden sein.

Aufgeflogen ist die Bande, weil einer der Endverkäufer 1500 Ecstasy-Tabletten nicht loswerden konnte. Daraufhin sammelte ein 25-jähriger Zwischenhändler die Drogen wieder ein. Dabei war er von Rauschgiftfahndern beobachtete worden und hatte ein Geständnis abgelegt. So waren die Ermittlungen ins Rollen gekommen.

Am 10. August vergangenen Jahres endete der Geschäftsbetrieb des Lebensmittel-Handels. Rund 120 Polizisten waren im Einsatz, als die Lagerhalle samt Firmenräumen, die Privaträume der Zwillinge und mehrere andere Objekte durchsucht wurden. Dabei stellten die Fahnder nicht nur Drogen und Unterlagen sicher, sondern auch mehr als 632 000 Euro. Das Geld wurde beschlagnahmt.

Zum Prozessauftakt am Montag schwiegen die Angeklagten zunächst. Die 24-Jährige ließ durch ihre Rechtsanwältin ankündigen, dass sie eine Aussage machen will. Auch andere Angeklagte wollen zu einem späteren Zeitpunkt etwas sagen. Der Prozess wird am 29. März fortgesetzt.

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