Jetzt ziehen wieder die Sternsinger von Tür zu Tür. Kinder aus Düsseldorf verraten, warum sie dabei sind.

Domenico, Patricia, Max und Benedikt (v.l.) sind in Düsseldorf als Sternsinger unterwegs.
Domenico, Patricia, Max und Benedikt (v.l.) sind in Düsseldorf als Sternsinger unterwegs.

Domenico, Patricia, Max und Benedikt (v.l.) sind in Düsseldorf als Sternsinger unterwegs.

Gruppenleiterin Sarah Hütten.

Schaller, Bernd (bes), Bild 1 von 2

Domenico, Patricia, Max und Benedikt (v.l.) sind in Düsseldorf als Sternsinger unterwegs.

Düsseldorf. Die kleine Patricia tut es, Max tut es und Benedikt auch. Domenico sogar schon zum achten Mal: Der Zwölfjährige und seine drei Mitstreiter machen bei den Sternsingern der Düsseldorfer Pfarrgemeinde St. Lambertus mit. „Ich habe vier Geschwister, die seit 1994 dabei sind“, erzählt er. „Ich bin da hineingewachsen – das Helfen ist eine gute Sache.“

Die Kinder wollen anderen helfen, denen es nicht so gut geht

Die erst neunjährige Patricia ist zum ersten Mal dabei. Sie freut sich darauf, von Haus zu Haus zu gehen, zu singen und mit Kreide die Segensbitte an den Türen zu hinterlassen. Mehrere Male hat sich die Gruppe im Vorfeld mit ihrer Leiterin Sarah Hütten (17) getroffen und geübt. Den Kindern liegt es am Herzen, anderen zu helfen, denen es nicht so gut geht wie ihnen, sagt sie.

Der Segen der drei Könige wird oft falsch interpretiert

„20*C+M+B+12“ schreiben sie an die Türen und sammeln Spenden für Kinder in Not. Die Buchstaben stehen dabei nicht für die Namen Caspar, Melchior und Balthasar, wie häufig angenommen wird. Stattdessen kürzen sie einen Segen ab: „Christus Mansionem Benedicat“, Christus segne dieses Haus. Der Stern symbolisiert den Stern, dem die Weisen aus dem Morgenland gefolgt sein sollen.

In diesem Jahr steht die Aktion Dreikönigssingen unter dem Leitwort „Klopft an Türen, pocht auf Rechte“. In den Gewändern der Heiligen Drei Könige wollen die rund 500 000 teilnehmenden Kinder in Deutschland für die Einhaltung von Kinderrechten auf der ganzen Welt eintreten.

„Millionen Kinder leiden an Hunger, können nicht lesen und schreiben, sind durch Krieg und Gewalt verstümmelt“, sagt Pfarrer Simon Rapp, Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend. „Kinderrechte sind Menschenrechte – sie zu verletzen, ist kein Kavaliersdelikt.“

Vergangenes Jahr kamen knapp 42 Millionen Euro zusammen

Die Heiligen Drei Könige pilgerten laut Überlieferung nach Bethlehem und brachten dem Christuskind Gold, Weihrauch und Myrrhe. Gold soll für den weltlichen, Weihrauch für den himmlischen Herrscher stehen. Myrrhe gilt als Symbol der Sterblichkeit.

Seit ihrem Start 1959 hat sich die Aktion Dreikönigssingen zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Erste Überlieferungen des Sternsinger-Brauchs stammen aus dem 16. Jahrhundert.
 

 In den Pfarrgemeinden engagieren sich unterschiedliche Gruppen als Sternsinger: katholische Jugendverbände, Messdienergruppen oder Kinderchöre. Neben den Kindern sind rund 80 000 Jugendliche und Erwachsene bei der Begleitung und in der Vorbereitung aktiv.
 

Zum Auftakt im Jahr 1959 haben sich in Deutschland rund 100  Pfarrgemeinden beteiligt, die insgesamt 90 000 Mark gesammelt haben. Im Jahr 2005 wurde ein Rekord aufgestellt: Mehr als 12 700 Gemeinden und Gruppen sammelten 47,6 Millionen Euro. Die Zahl der Teilnehmer ist seither leicht gesunken.

2004 wurden die Sternsinger mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet.

Jährlich unterstützen die Sternsinger daher mehr als 2100 Projekte für notleidende Kinder in rund 110 Ländern. 2011 wurden allein in den Erzbistümern Köln und Aachen mehr als 4,1 Millionen Euro gesammelt, 909 Gruppen haben sich beteiligt. Deutschlandweit kamen 41,8 Millionen Euro zusammen.

Beispielland ist in diesem Jahr das mittelamerikanische Nicaragua, wo Kinderrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind. Auch die Gruppe von St. Lambertus hat sich im Vorfeld intensiv mit der Struktur und den Problemen des Landes beschäftigt.

„In einer Studie gaben 54 Prozent der Kinder an, sie hätten in ihrer Familie mindestens einmal Gewalt erlitten“, sagt Klaus Krämer, Präsident des Kindermissionswerks Die Sternsinger. „Dieses hohe Maß ist alarmierend.“ Aus diesem Grund sei insbesondere die Förderung von Gewaltpräventionsprojekten in Nicaragua wichtig.

Tausende Kinder in unserer Region klopfen deshalb in diesen Tagen an Türen. „Ich muss mit“, hat der siebenjährige Benedikt aus Düsseldorf von seiner Mutter und Pastoralreferentin Irmgard Poestges gefordert. „Ich will den Kindern helfen!“

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