Funktioniert der neue Reinigungsservice der Deutschen Bahn im Hauptbahnhof tatsächlich? Ein Selbstversuch.

Die Bahn hat ein neues Konzept: Wer Abfall am Hauptbahnhof sieht, kann per Kurznachricht direkt Personal anfordern.
Per WhatsApp tauschen sich Reisende und das Team der Deutschen Bahn aus.

Per WhatsApp tauschen sich Reisende und das Team der Deutschen Bahn aus.

Deutsche Bahn, Bild 1 von 3

Per WhatsApp tauschen sich Reisende und das Team der Deutschen Bahn aus.

Zugegeben, es ist gar nicht so einfach, mein Vorhaben umzusetzen an diesem Vormittag. Ich bin auf der Suche nach Dreck am Hauptbahnhof - liegen gelassenem Müll oder gar fiesen Schmuddelecken. Aber so richtig Gravierendes finde ich nicht. Eigentlich ist das natürlich gut. Ein stehen gebliebener Kaffeebecher auf einer Bank, eine leere Brötchentüte neben einem Mülleimer. Lohnt es sich, dafür den neuen Dreck-weg-Service der Deutschen Bahn zu nutzen? Denn genau das habe ich vor.

Es kann losgehen, als ich schließlich doch noch fündig werde. Eine Kakao-Pfütze auf dem Boden, die melde ich dem Reinigungsdienst. Ganz einfach per Whatsapp-Nachricht an die Nummer, die gut sichtbar überall an den Mülleimern angebracht ist. Ich schreibe, was ich an welcher Stelle entdeckt habe und drücke auf Senden. Es dauert nur wenige Momente, schon habe ich eine automatische Antwort. Es wird sich um mein Anliegen gekümmert, wird mir darin versprochen. Ich bin gespannt. Und warte.

Passanten eilen durch den Bahnhof

Ich suche mir einen Platz, von dem aus ich gut beobachten kann, was mit dem Kakaofleck passiert. Spannend ist das Ganze schon: Wie lange wird es wohl dauern, bis jemand kommt und ihn entfernt? Fünf Minuten vielleicht? Oder eine Viertelstunde? Oder kommt am Ende womöglich niemand?

Erst einmal kommen nur zahlreiche Passanten vorbei. Menschen, die vorüber eilen, um ihre Züge zu erwischen. Oder die gerade angekommen sind und von den Gleisen zu den Ausgängen strömen. Die einen gehen achtlos mitten durch die Pfütze und verteilen den verschütteten Kakao auf diese Weise noch weiter. Andere stocken beim Blick auf den Boden, machen einen großen Schritt über die Pfütze oder gehen drumherum.

Die Minuten vergehen, der Fleck bleibt. Eine knappe halbe Stunde nach meiner Nachricht entdecke ich zwei Männer in orangefarbenen Westen, die schnellen Schrittes auf den Fleck zu gehen. Sind das die erwarteten Reinigungskräfte? Wird nun geputzt? Nein, wird es nicht. Die Männer gehen vorbei und haben kein Auge für den Kakao, sie hatten offenbar ein völlig anderes Ziel.

Fünf Minuten später bekomme ich dann eine neue Nachricht: „Ihren Hinweis haben wir an die zuständigen Kollegen übermittelt. Die Beseitigung erfolgt schnellstmöglich.“ Ach so. Wenn die Reinigungskräfte am Düsseldorfer Hauptbahnhof noch gar nicht Bescheid wissen, können sie natürlich auch noch nicht meinem Hinweis folgen. Dann aber jetzt. Das Warten beginnt aufs Neue.

Und diesmal dauert es nicht lange, und schon kommt ein Mann mit auf einer fahrbaren Putzmaschine durch den Bahnhof gefahren. „Entschuldigung“, sagt er, um sich den Weg freizumachen. „Darf ich mal durch?“ Er fährt einmal mit seiner Maschine über die Pfütze, dreht noch einmal um und wiederholt das Ganze - und dann ist der Kakao weg. Der Boden strahlt frisch gewischt, der Mann zieht mit seiner Maschine wieder von dannen.

Mein Fazit: Der neue Dreck-weg-Service der Bahn funktioniert. Das Weiterleiten meiner Nachricht an die zuständigen Mitarbeiter hat mit einer guten halben Stunde die meiste Zeit in Anspruch genommen. Viel schneller waren die Reinigungsmitarbeiter am Bahnhof. Fünf Minuten, nachdem mein Hinweis ihnen übermittelt wurde, waren sie da. Und der Dreck weg.

Die Dreck-weg-Nummer: 015792362836

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer