Angeklagter schildert eine neue Version des Verbrechens: Ein fingierter Raubüberfall soll eskaliert sein.

Gericht
Der Angeklagte Detlef W. verhüllte vor Gericht sein Gesicht mit einer Tüte, in die er Schlitze geschnitten hatte.

Der Angeklagte Detlef W. verhüllte vor Gericht sein Gesicht mit einer Tüte, in die er Schlitze geschnitten hatte.

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Der Angeklagte Detlef W. verhüllte vor Gericht sein Gesicht mit einer Tüte, in die er Schlitze geschnitten hatte.

Düsseldorf. Lange hat Detlef W., der Mann, der den Doppelmord von Hassels in Auftrag gegeben haben soll, jede Aussage verweigert.

Am Mittwoch brach der 57-Jährige sein Schweigen und schilderte eine neue Version des Verbrechens, bei dem im Juni 2010 sein Stiefvater Helmut S. (82) und die 39-jährige Stiefschwester Mara erschossen wurden.

Angeblich habe der inzwischen zu lebenslanger Haft verurteilte Johannes K. (23) mit einem fingierten Raubüberfall nur „Angst und Schrecken“ verbreiten sollen. Wie Detlef W. erklärte, habe er zu Stiefvater und Stiefschwester ein gutes Verhältnis gehabt, obgleich es manchmal Meinungsverschiedenheiten gab.

Mara sei sogar seine Finanzberaterin gewesen. Er sei regelmäßig mit Geld unterstützt worden, zuletzt im April vor zwei Jahren. Dann jedoch habe das Finanzamt eine viel zu hohe Steuerrückforderung gestellt.

Angeklagter wollte Haus vor der Zwangsversteigerung retten

Man habe gemeinsam mit der Familie versucht, sein Haus in Burghaun vor der Zwangsversteigerung zu retten. Damit erklärte Detlef W. auch, warum er seine Mutter gefragt habe, wann die Post in Hassels kommt. Denn man wartete auf einen wichtigen Brief zu einer Grundschuldeintragung.

Der Prozess gegen Detlef W. wird am Montag fortgesetzt. Dann sollen auch die Plädoyers gehalten werden. Ob es am gleichen Tag bereits das Urteil geben wird, steht noch nicht fest.

Johannes K. hatte als Paketbote an der Haustür geklingelt, bevor er den Rentner und die Yoga-Lehrerin kaltblütig erschoss. Zum Motiv erklärte der Angeklagte, dass seine Eltern schon seit 15 Jahren nach Burghaun umziehen wollten, nur Mara sei davon nicht begeistert gewesen.

Aus diesem Grunde sei es nie dazu gekommen. „Ich wollte einen deutlichen Anstoß geben, dass das Leben in der Großstadt gefährlich ist“, behauptet Detlef W., deswegen habe er den 23-Jährigen für einen fingierten Raubüberfall angeheuert.

Der angeheuerte K. sollte angeblich nur in Decke schießen

Angeblich sollte der junge Mann mit der Waffe aber nur vom Flur aus in die Decke schießen. Da seine Mutter sehr viel Angst vor Kriminalität habe, wäre sie dann sicher zu einem Umzug bereit gewesen: „Ich wollten einfach noch ein paar Jahre mit meiner Familie verbringen. Es sollte aber niemand zu Schaden kommen“, sagte W.

Nach der Tat habe Johannes K. Zunächst nur zugegeben, dass er jemanden am Arm verletzt habe. Vom Tod der beiden Opfer will Detlef W. erst später erfahren haben.

Ein Psychologe analysierte anschließend vor Gericht das Verhältnis zwischen Detlef W. und dem 23-Jährigen. Johannes K., dessen Leben ein „Kontinuum an Niederlagen“ sei, habe demnach den Angeklagten bewundert und mit der Tat „etwas Außergewöhnliches zustande bringen wollen“.

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