Das Turbo-Abi hat den Gymnasien einen Doppeljahrgang beschert – eine Belastung für Schüler und Lehrer. Nun stehen Zeugnisse an.

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Avantgarde zu sein, ist nicht einfach: Zehntklässler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums beklagten sich über voll gestopfte Stundenpläne.

Avantgarde zu sein, ist nicht einfach: Zehntklässler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums beklagten sich über voll gestopfte Stundenpläne.

Stefan Arend

Avantgarde zu sein, ist nicht einfach: Zehntklässler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums beklagten sich über voll gestopfte Stundenpläne.

Düsseldorf. Reformen im Schulwesen hat es zuletzt in Serie gegeben. Die Verkürzung des Abiturs war jedoch wohl die tiefgreifendste. Und sie hat in diesem Schuljahr dazu geführt, dass zwei Jahrgänge beim Eingang in die Oberstufe miteinander verschmelzen, eine enorme Belastungsprobe für Schüler und Lehrer. Der Doppeljahrgang steht nun am Ende des ersten Halbjahrs, Zeit für eine erste Zwischenbilanz. Mit dem Näherrücken der Zeugnisse stellt sich nicht zuletzt die Frage: Werden die Jüngeren schlechter abschneiden?

Die Schulleiter sind zwar mit Einschätzungen zurückhaltend und verweisen darauf, dass die Zeugniskonferenzen noch bevorstehen. Allerdings verläuft der gemeinsame Unterricht von zwei Jahrgängen auch nicht immer reibungslos.

Turbo-Abi als Experiment: „Es muss nachgearbeitet werden“

Christa Kayser-Hölscher ist Sprecherin der Düsseldorfer Gymnasien und Leiterin am „Cecilien“. Sie hat bei den jüngeren Schülern beobachtet, dass deren analytische Fähigkeit noch nicht so weit entwickelt ist: „Das merkt man in Fächern wie Religion oder Philosophie, da tun sie sich schwerer.“ Die Lehrer versuchten, das im Unterricht auszugleichen. Anscheinend mit Erfolg, denn notenmäßig merkt man laut Kayser-Hölscher nichts.

Sie hat aber noch etwas festgestellt: Die Zehntklässler neigten dazu, sich den Stundenplan sehr vollzupacken, mit freiwilligen Kursen wie einer zusätzlichen Fremdsprache. Das Fazit von Christa Kayser-Hölscher: „Ich glaube, es muss an allen Schulen noch nachgearbeitet werden. G8, also das Abitur nach acht Jahren, kam sehr schnell.“

Hans-Hermann Schrader, Leiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, hat andere Probleme, die er schlicht auf die Größe des Doppeljahrgangs zurückführt. „Wir konnten teilweise die Schüler in den Kursen hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit nicht ausgewogen mischen. Nun haben wir einige, wo Arbeitseinstellung und Lernfortschritt etwas hinterher hinken.“

Leistungsdefizite bei den Jüngeren sieht Schrader dagegen nicht, allerdings nach wie vor eine gewisse Zurückhaltung in der Mitarbeit. Seine Kollegin Sigrid Belzer vom Schloß-Gymnasium Benrath dagegen hält das für überwunden: „Bei meinen ersten Unterrichtsbesuchen habe ich gemerkt, dass sie noch sehr zurückhaltend waren in der Beteiligung. Aber das hat sich inzwischen geändert.“ Klagen kämen jetzt eher von den Elftklässlern darüber, dass die Kleinen mehr Zuwendung genießen würden.

Viele Eltern sorgen sich um die Jobchancen ihrer Kinder

Das Thema beschäftigt indes nicht nur die Schüler im Doppeljahrgang. In der Stufe darüber ist anscheinend die Angst vor dem Wiederholen eines Jahres besonders groß, weil niemand in den Riesenjahrgang will, noch dazu mit zur Hälfte besonders jungen Schülern. Und: Die Zwölftklässler wollen vor dem Doppeljahrgang die Universitäten bzw. den Arbeitsmarkt erreichen. Zwar hat das Land angekündigt, zumindest an den Hochschulen für ausreichende Kapazitäten zu sorgen. Aber Misstrauen bleibt. Christa Kayser-Hölscher: „Viele Schüler denken noch gar nicht so weit. Aber die Eltern sind sehr besorgt.“

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