Michael Grohe vom Landesverband der DLRG über die Gefahren auf dem Wasser.

Michael Grohe vom DLRG kritisiert fehlende Möglichkeiten zum Schwimmenlernen.
Michael Grohe vom DLRG kritisiert fehlende Möglichkeiten zum Schwimmenlernen.

Michael Grohe vom DLRG kritisiert fehlende Möglichkeiten zum Schwimmenlernen.

DLRG

Michael Grohe vom DLRG kritisiert fehlende Möglichkeiten zum Schwimmenlernen.

Düsseldorf. Auf dem Unterbacher See dürfen sich Kinder ab zwölf Jahren ein Tretboot ohne Aufsichtsperson ausleihen. Finden Sie das in Ordnung?

Michael Grohe: Grundsätzlich ist daran nichts auszusetzen, wenn man Schwimmer ist oder eine Schwimmweste trägt und sich adäquat verhält. Dann ist das Gefahrenpotenzial überschaubar.

Es gibt Zweifel daran, dass das Kind, das am Montag ertrunken ist, schwimmen konnte. Was sind Ihre Beobachtungen heute bei Kindern und Jugendlichen?

Grohe: Wir beobachten die Tendenz, dass die Schwimmfähigkeit abnimmt und dass weniger Kinder schwimmen lernen, als das in früheren Jahren noch der Fall war. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen: Das Freizeitverhalten hat sich geändert; viele Schwimmkapazitäten fallen weg; immer mehr Bäder werden zu Spaßbädern umgewandelt.

Was ist mit dem Schwimmunterricht in Schulen?

Grohe: Die haben dasselbe Problem wie Vereine: Es fehlt an Schwimmfläche, oder man muss weit fahren. Das ist mit großem Aufwand verbunden.

Ab wann sollte ein Kind denn schwimmen lernen?

Grohe: Interessanterweise gibt es viele Angebote für Babyschwimmen, dann bricht es ab, und das Schwimmen wird erst in der Schule wieder zum Thema. Wenn ein Kind schwimmen lernen soll, sollte es halbwegs verstehen, was man ihm beibringen möchte. Ab vier, fünf Jahren kann man damit anfangen.

Wie reagiert ein Nichtschwimmer, wenn er ins Wasser fällt oder selbst springt?

Grohe: Es ist eine Illusion zu glauben, dass ein Nichtschwimmer, der in Not gerät, sich vor dem Ertrinken bemerkbar macht und gestikuliert oder versucht, mit dem Kopf über Wasser zu kommen. In den meisten Fällen haben die In-Not-geratenen keine Kraft mehr, um noch wild um sich zu schlagen. Dann kann auch noch ein Schock oder ein Herzinfarkt hinzukommen, und der Betroffene sinkt. Nicht unerheblich sind auch die Temperaturunterschiede. Bei diesem Wetter erwärmen sich zwar die oberen Wasserschichten, aber bereits in wenigen Metern kann die Temperatur rapide fallen. Der Körper gerät in eine Schockstarre und verkrampft sich.

Gehen Eltern zu leichtfertig mit dem Thema um?

Grohe: Wenn Rettungskräfte vor Ort sind, nehmen viele Eltern an, dass sie sich nicht selbst um ihre Kinder kümmern müssen. Das geht jedoch nicht. Die Eltern haben die Aufsichtspflicht.

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