Die Profis kennen die neuen Lesetrends und stellen ihre Lieblinge vor. Trocken? Diese Lektüren garantiert nicht.

Christoph Ruf: „Fieberwahn: Wie der Fußball seine Basis verkauft“, Verlag: Die Werkstatt, 14,90 Euro. Für jeden Fußballromantiker oder solche, die es noch werden wollen, ist das Buch ein absolutes Muss. Christoph Ruf weist anhand verschiedenster Beispiele auf die Kommerzialisierung des Fußballs hin. Er erzählt sowohl von den großen Vereinen, aber auch die kleinen Vereine aus Ober- oder Kreisliga kommen in diesem Buch nicht zu kurz.

Spannend: Die finanzielle Schwierigkeit der kleinen Vereine, sich in der Regionalliga zu halten, oder die Vorschriften der 3. Liga zu erfüllen, führt dazu, dass manche lieber freiwillig im Amateurfußball bleiben, als sich in Schulden zu stürzen. Christoph Ruf nimmt kein Blatt vor den Mund und kritisiert stark die TV-Geldverteilung der 1. und 2. Liga. Dadurch werden vermögende Vereine immer reicher und die kleinen Amateurvereine, wo aber noch der echte Fußball gelebt wird, versinken immer weiter im Niemandsland des Fußballs. Interessant ist auch der Hinweis darauf, dass sich immer mehr Vorstandsvorsitzende deutscher Vereine Verhältnisse wie in der Premier League wünschen, während sich die Premier League-Fans deutsche Verhältnisse wünschen.

Während in Deutschland größtenteils die 50+1-Regel noch fest verankert ist, sieht es in anderen Ländern völlig anders aus: Geld regiert die Welt. Mir hat dieses Buch erst richtig die Augen geöffnet, was in meinem geliebten Fußball alles falsch läuft.

Ein Tipp von Miriam Leißner, Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, Zentralbibliothek

Jan-Philipp Cleusters: „ Kochen für Faultiere“, Verlag: Brandstätter, 21,90 Euro. Ein Kochbuch für Faultiere, das mit so originellen Rezeptnamen wie „Egg-celent Morning“, „Meine liebe Scholli“, „Curry in a hurry“ und „Prawn to be wild“ aufwartet. Rezeptideen für alle, die es gerne gut und gesund, frisch und fix mögen. Geboten werden einfache, äußerst vielfältige und eigenwillige Kreationen: pfiffige kleine Snacks, ganze Mahlzeiten, Drinks etc., mal vegan und mal nicht, mal vegetarisch und mal nicht, das Ganze von süß bis deftig und wieder zurück - lecker und ohne großen Aufwand herstellbar.

Hinreißende und sehr einladende Fotografien setzen ästhetische Akzente und lassen das Wasser im Munde zusammenlaufen. Mein Favorit in kulinarischer Hinsicht: Lachsforelle mit Avocadosalsa, sprachlich: Prinz auf der Erbse! Fazit: Das Kochbuch ist ein wahrer Hit, auch für diejenigen, die einfach nur mal in einem wunderschönen, rundum gelungenen Kochbuch blättern möchten.

Ein Tipp von Katja Lohoff, Bibliothekarin, Stadtteilbücherei Garath

Anuschka Rees: „Das Kleiderschrank-Projekt“, DuMont Verlag, 28 Euro. Mode umgibt uns überall. In der Bahn sehen wir morgens schon top gestylte Menschen, beim Bummel in der Stadt sind alle Schaufenster voller neuer Klamotten und im Internet zeigen uns Modeblogger die neuesten Trends und Must-Haves. Doch wenn ich an meinen eigenen Kleiderschrank zu Hause denke, dann ist dieser zu voll mit Sachen, die ich nicht anziehe, die nicht mehr passen oder die einfach aus der Mode gekommen sind.

Für alle, die schon den gleichen Gedanken hatten, kann ich das Buch „Das Kleiderschrank-Projekt“ von Anuschka Rees sehr empfehlen. Nach der ersten Frage „Warum habe ich nichts zum Anziehen?“ bietet das Buch Hilfestellung bei der Auswahl von modischen und gut kombinierbaren Kleidungsstücken, die qualitativ hochwertig und nachhaltig sind, ja sogar das Budget schonen. Danach entwickelt man Schritt für Schritt den eigenen Stil, indem man erlernt, welche Kleidungsschnitte zu einem passen, und wie man neue Modetrends in seinen individuellen Kleidungsstil integriert. Das Buch folgt dem Motto von Vivienne Westwood: „Weniger kaufen, besser auswählen, länger Freude daran haben“ und ist damit eine Bereicherung für alle.

Ein Tipp von Annette Flick, Bibliothekarin in der Stadtteilbücherei Bilk

Thea Dorn: „deutsch, nicht dumpf“, Knaus Verlag, 24 Euro. Am 1. Juli 1969 prägte der Bundespräsident Gustav Heinemann in seiner heute noch lesenswerten Rede zur Amtseinführung den Begriff „schwieriges Vaterland“ für Deutschland. Fast fünfzig Jahre später, vor dem Hintergrund der weltgeschichtlichen Veränderungen und insbesondere dem Erstarken der rechtsnationalistischen Kräfte seit 2015, plädiert die Schriftstellerin, Literaturkritikerin und Philosophin Thea Dorn in ihrem Buch „deutsch, nicht dumpf“ für einen Patriotismus in der Tradition der Aufklärung im „schwierigen Vaterland“ Deutschland.

Begriffe wie „Heimat“, „Kultur“ oder „Nation“ sind agonale Begriffe, es kommt darauf an, mit Verweis auf die Aufklärung die Deutungshoheit der Rechten auf diese auch emotional besetzten Begriffe zu entreißen. Engagiert und sprachlich brillant, die deutsche Kultur- und Politikgeschichte zitierend zeigt Dorn bekannte und unbekannt gebliebene Deutsche in ihrem Bestreben, die Spannungen und Spaltungen der Kultur und Politik in Deutschland zu benennen, zu begreifen und auszuhalten.

Dies ist komplex und kompliziert, es bedarf der Anstrengung und Mühe, aber nur das Aushalten der Komplexität, die keine einfachen Lösungen verspricht, ermöglicht eine weiter freie und demokratische Gesellschaft. Auch wenn ich nicht mit allen Thesen von Thea Dorn übereinstimme, ist ihr Buch eine Bereicherung für den gesellschaftlichen Diskurs in Deutschland. Absolut lesens- und nachdenkenswert!

Ein Tipp von Klaus Peter Hommes, Abteilungsleiter Bestandaufbau, Stadtbüchereien Düsseldorf

Asne Seierstad: „Zwei Schwestern“, Verlag: Kein & Aber, 26 Euro. Das Buch „Zwei Schwestern“ von Asne Seierstad erzählt von Ayan und Leila Juma, die unangekündigt ihre Familie verlassen und eine Reise nach Syrien antreten. In Syrien hoffen sie im Kalifat des Islamischen Staats endlich die Welt des Westens hinter sich zu lassen und ein Leben im Sinne des radikalen Islam leben zu können. Woher kam die extreme Weltanschauung der zwei Schwestern? Wie konnten die beiden norwegischen Mädchen mit somalischen Wurzeln so stark beeinflusst und zu einer solch radikalen Tat bewegt werden?

Das Buch ist eine Bereicherung für jeden, der sich den Themen IS, Dschihad und Bürgerkrieg in Syrien nähern möchte. Von der Familie Juma wurde das Geschilderte tatsächlich erlebt. Insbesondere die Berichte des Vaters Sadiq Juma sind persönlich, emotional und glaubwürdig.

Ein Tipp von Carsten Kremer, Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste, Stadtteilbücherei Gerresheim

Astrid Lindgren: „Die Menschheit hat den Verstand verloren: Tagebücher 1939-1945“, Ullstein Taschenbuch, 14 Euro. Wer die bekannte Kinderbuchautorin Astrid Lindgren einmal ganz anders kennenlernen möchte, sollte zu ihren Tagebüchern greifen. Lindgren schildert die Kriegsjahre aus Sicht eines neutralen Landes, eindrucksvoll und wortgewaltig und teilweise ganz anders, als man es von ihr vermuten wurde.

Auch ihre ersten literarischen Versuche und Veröffentlichungen werden beschrieben (1944 schenkt sie ihrer Tochter das Manuskript von Pippi Langstrumpf zum Geburtstag). Insgesamt ein kurzweiliges und bewegendes Zeitdokument und mit einer ganz anderen Perspektive auf die Kriegsjahre 1939-45. Sehr zu empfehlen.

Ein Tipp von Stephan Schwering, Leiter der Zentralbibliothek

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