Kein Antibiotikum, keine wachstumsfördernden Mittel: Metzgereien mit Bio- oder Naturfleisch im Angebot laufen gut.

Kein Antibiotikum, keine wachstumsfördernden Mittel: Metzgereien mit Bio- oder Naturfleisch im Angebot laufen gut.
In der Fleischerei Gläser an der Nordstraße: Georg Becker und Angelika Gläser.

In der Fleischerei Gläser an der Nordstraße: Georg Becker und Angelika Gläser.

Judith Michaelis

In der Fleischerei Gläser an der Nordstraße: Georg Becker und Angelika Gläser.

Eine Wiese, ein Baumstamm zum Knabbern und ein bisschen Schlamm zum Suhlen - die Schweine, die Metzgermeister Georg Gläser schlachtet, haben allesamt ein glückliches Leben hinter sich, versichert er. „Für unsere Fleisch- und Wurstwaren kaufen wir nur Tiere von kleinbäuerlichen Betrieben aus der Region, bei denen die Tiere artgerecht aufwachsen und natürliches Futter erhalten.“ Auch beim Schlachten folgt der 56-Jährige einem strengen Ethos: „Die Tiere haben nur einen kurzen und stressfreien Transport. Ich schlachte jedes Tier selbst, und möglichst schonend.“

Ein Kotelett oder Schnitzel vom artgerecht gehaltenen Schwein wissen zunehmend mehr Düsseldorfer zu schätzen. „Die Leute fragen immer genauer nach. Wo mein Fleisch herkommt, steht wochenaktuell auf einer Schiefertafel“, sagt Gläser. Kunden führen mitunter sogar auf die Höfe und machten sich selbst ein Bild davon, wie die Tiere lebten.“ Gläser hat zwei Geschäfte: eines an der Nordstraße und das andere in Willich. Jeden Montag schlachtet er in seinem kleinen Schlachthof am Niederrhein acht Schweine und vier Lämmer, dienstags dann zwei bis drei Rinder und ein Kalb. „Die Tiere leben im Umkreis von maximal 80 Kilometern.“

Bewusstsein für Qualität bei den Verbrauchern wächst

Bio sind seine Tiere indes nicht: „Der größte Unterschied ist, dass das Futter nicht exklusiv aus Biobetrieben stammt und daher kein Biosiegel hat. Die Fleischqualität ist dennoch mindestens genauso gut“, verspricht Gläser. Garantierter Herkunftsnachweis, Futter frei von Tierkörpermehl, hofeigenes Futter, artgerechte Haltung, kein Antibiotikum und keine wachstumsfördernden Mittel seien Gütekriterien für Bio- wie Naturfleisch.

Der Benrather Metzger Udo Sassen führt seinen Betrieb schon in der vierten Generation: „Vor 18 Jahren bin ich auf Bio umgestiegen“, erzählt er. „Damals gab es ja schon diese furchtbaren Berichte über die Tierquälereien in der Massentierhaltung. Ich wollte kein Teil mehr davon sein“, berichtet er. „Was da in den Discountern an Fleisch über die Theke geht, zum Beispiel Geflügel für 39 Cent pro Kilo, das ist einfach unmoralisch.“ Das Bewusstsein für Qualität wachse indes bei den Verbrauchern, sagt Sassen, dennoch werde es immer genug Menschen geben, die Billigfleisch konsumieren.

„Wenn man Umfragen glaubt, dann kauft niemand Billigfleisch. Aber Wunsch und Realität klaffen da weit auseinander und das ist nicht nur eine Frage der finanziellen Möglichkeiten. Gucken Sie sich doch mal die dicken Karossen an, die auf den Parkplätzen der Discounter stehen.“ Andererseits gebe es Verbraucher, die wenig Geld zur Verfügung hätten und dennoch gutes Fleisch kauften, dafür halt seltener.

Stephan Helmus betreibt seit sieben Jahren sein Geschäft in Oberkassel und bietet dort Naturfleisch an: „Verbraucher haben heute ein enormes Wissen über Lebensmittel und ein großes Gesundheitsbewusstsein und sie hinterfragen viel. Das ist unsere Chance“, sagt Helmus. Sein Umsatz steige kontinuierlich: „Ich habe es geschafft, Vertrauen aufzubauen und biete beste Qualität.“ Durchschnittlich 30 Prozent teurer sei das Fleisch bei ihm. Er sagt: „Mein Fleisch stammt von Höfen am Niederrhein, die eine artgerechte Haltung und stressfreie Schlachtung garantieren. Ein Steak von diesen Tieren schrumpft nicht in der Pfanne und schmeckt einfach genial.“

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